HAMBURG (dpa-AFX) - Die in akuter Kapitalnot steckende
Commerzbank erwägt einem Bericht zufolge erneut den Ankauf von eigenen Anleihen. Die Bank plane, bestimmte Papiere unter ihrem Nennwert zurückzunehmen und die Besitzer mit neuen
Aktien auszuzahlen, berichtete die "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) ohne Nennung von Quellen. Die teilverstaatlichte zweitgrößte deutsche Bank erhoffe sich dadurch auf der Kapitalseite eine Entlastung von 600 Millionen bis eine Milliarde Euro. Anders als die möglicherweise zum Rückkauf anstehenden nachrangigen Anleihen werden Aktien von der europäischen Bankenaufsicht (EBA) als hartes Kernkapital anerkannt. Die Bank lehnte gegenüber der "FTD" eine Stellungnahme zu den Informationen ab.
Die Commerzbank hatte bereits Anfang des Jahres so genannte Hybridanleihen zurückgekauft und im Gegenzug neue Aktien ausgegeben. Voraussetzung für einen erneuten Umtausch ist allerdings, dass die Eigentümer der Papiere mitspielen. Für diese könnte eine freiwillige Rückgabe der Anleihen eventuell interessant sein, da der Kurs der Papiere derzeit unter dem Nennwert liegt und sie dadurch ihre Verluste reduzieren können. Beim Tausch Anfang des Jahres lag der Kurs der Commerzbank allerdings deutlich höher, so dass der Anreiz nicht so hoch wie damals sein könnte. Die im Januar ausgegebenen Aktien hatten einen Ausgabekurs von 5,30 Euro - derzeit kostete das Papier 1,258 Euro.
Der niedrige Aktienkurs engt außerdem den Spielraum einer möglichen Tauschaktion ein, da die Bank nur eine bestimmte Anzahl an neuen Aktien ohne Bezugsrecht für Altaktionäre ausgeben darf. Zudem muss der Staat einen Teil der neuen Papiere zeichnen, um weiter mindestens 25 Prozent an der Bank halten zu können. Ein solcher Tausch könnte aber ein Teil der von Commerzbank-Chef Martin Blessing erwogenen Maßnahmen sein, um die neu aufgetretenen Kapitallücken ohne abermalige Staatshilfen zu stopfen. Die Bank steht derzeit mit dem Rücken zur Wand, da sie bis Mitte des kommenden Jahres eine Kapitallücke in Milliardenhöhe schließen muss. Dazu kann sie sie durch den Abbau von Risiken, Verkauf von Sparten oder der Ausgabe neuer Aktien schaffen.
Bei der Commerzbank fehlen Gerüchten zufolge bei dem aktualisierten Stresstest der EBA bis zu fünf Milliarden Euro, um die Kapitalauflagen erfüllen zu können. Experten befürchten, dass die deutsche Nummer Zwei es anders als angekündigt nicht aus eigener Kraft schafft und stattdessen erneut um Staatshilfe bitten muss. Spekuliert wird aber auch über den Verkauf der profitablen Online-Tochter Comdirect (comdirect bank) und der zuletzt ebenfalls sehr erfolgreichen BRE Bank. Beides hatte die Bank allerdings erst vor Kurzem kategorisch ausgeschlossen. Im Gespräch ist darüber hinaus die Auslagerung der Problemtochter Eurohypo in eine vom Bund abgesicherte Bad Bank./zb