26.08.2013 08:50
Bewerten
 (0)

Die Eurozone schafft den konjunkturellen Durchbruch

Interview mit Dr. Daniel Hartmann, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone ist im 2. Quartal 2013 erstmals seit anderthalb Jahren wieder gewachsen - mit 0,3% überdies überraschend stark. Dennoch treten viele Ökonomen bereits auf die Euphoriebremse. Dr. Daniel Hartmann, Senior Analyst Economics des Anleihemanagers Bantleon, hingegen ist optimistisch. "Der Aufschwung in der Eurozone ist in vollem Gange und damit einhergehend wird sich auch die Eurokrise weiter entspannen", ist er überzeugt. "Hervorzuheben ist zum einen, dass Deutschland - mit einem Wachstum von 0,7% - seine Rolle als Konjunkturlokomotive zurückgewonnen hat und zum anderen die Bremswirkung in den Peripherieländern merklich nachgelassen hat."

BOND MAGAZINE: Das BIP der Eurozone ist im 2. Quartal 2013 erstmals seit anderthalb Jahren wieder gewachsen - mit 0,3% überdies überraschend stark. Dennoch treten viele Ökonomen bereits auf die Euphoriebremse. Teilen Sie diese Skepsis?

Dr. Daniel Hartmann: Das überraschend deutliche Plus von 0,3%, annualisiert 1,1%, überzeichnet sicherlich den aktuellen Konjunkturtrend. Zum Teil ist das Wachstum vom 1. Quartal geborgt, als übermäßig kaltes Wetter, das frühe Osterfest und Steuererhöhungen - etwa in Frankreich - die Wirtschaft belastet haben. Das eigentliche Wachstumstempo dürfte daher zum Ende des 1. Halbjahres nur knapp über null gelegen haben. Dies ändert indessen nichts an der klar positiven Botschaft des jüngsten BIP-Ergebnisses: Der Aufschwung in der Eurozone ist in vollem Gange und damit einhergehend wird sich auch die Eurokrise weiter entspannen.

BOND MAGAZINE: Was halten sie an den jüngsten BIP-Zahlen für besonders wichtig?

Hartmann: Hervorzuheben ist zum einen, dass Deutschland - mit einem Wachstum von 0,7% - seine Rolle als Konjunkturlokomotive zurückgewonnen hat und zum anderen die Bremswirkung in den Peripherieländern merklich nachgelassen hat. Beides geschah vor dem Hintergrund eines äußerst schwachen weltwirtschaftlichen Umfelds. Mithin legte der deutsche Export im 1. Halbjahr nur geringfügig zu. Dies unterstreicht das äußerst robuste binnenwirtschaftliche Umfeld in Deutschland. Parallel dazu neigen sich in den Peripherieländern die Zeiten des schrumpfenden Konsums dem Ende zu.

BOND MAGAZINE: Was stimmt sie für die nächsten Monate in konjunktureller Hinsicht zuversichtlich?

Hartmann: Vieles spricht dafür, dass sich die Konsumerholung in den Peripherieländern in den kommenden Quartalen fortsetzt und dabei sogar noch an Eigendynamik gewinnt. In den vergangenen zwei Jahren wurde der private Verbrauch in weiten Teilen der Eurozone von einer Serie heftiger Steuererhöhungen belastet - allen voran Mehrwertsteuererhöhungen. Mittlerweile haben sich die Sparanstrengungen auf die Aufgabenseite verlagert, zum Teil sind, wie in Italien, sogar erste Steuersenkungen geplant. Erste Lichtblicke zeigen sich überdies am Arbeitsmarkt, zum Beispiel in Spanien. Schließlich wird die Kaufkraft der Konsumenten durch die abnehmenden Teuerungsraten entlastet.  Darüber hinaus dürfte aber auch die traditionelle Stützkraft der europäischen Konjunktur endlich in die Gänge kommen - der Export. Allen voran in den USA, Großbritannien, Japan und zahlreichen osteuropäischen Ländern ist der aktuelle Wachstumstrend nach oben gerichtet.

BOND MAGAZINE: Was bedeutet dies für die Eurokrise?

Hartmann: Das anziehende Wachstum schafft viele Probleme - wie die hohen öffentlichen Schuldenstände - natürlich nicht aus der Welt. Die Haushaltskonsolidierung wird dadurch aber spürbar erleichtert. Bereits ein reales Wachstum von 1,0 bis 1,5% würde derzeit ausreichen, um den öffentlichen Budgetsaldo in Italien nahe der Nulllinie zu befördern. Andere südeuropäische Länder wären in diesem Fall nicht mehr weit von einem Haushaltsausgleich entfernt. Dies würde zugleich das Ende der stetig steigenden Schuldenstandsquoten, also das Verhältnis der gesamten Staatsverschuldung zum BIP, einläuten. Auch aus psychologischer Sicht ist die konjunkturelle Trendwende von großer Bedeutung. Sollte sie in den nächsten Monaten bestätigt werden - wovon wir ausgehen - wäre dies ein klares Signal, dass die Abwärtsspirale in Südeuropa durchbrochen ist und die Eurozone in der gegenwärtigen Form überlebensfähig ist.

BOND MAGAZINE: Wird die Eurokrise also schon bald aus den Schlagzeilen verschwunden sein?

Hartmann: Das sicherlich nicht. Unter anderem wird die Diskussion um neue Hilfspakte und mögliche Schuldenschnitte für Griechenland und Portugal in den nächsten Monaten auf der Agenda stehen. Die fragilen Regierungen sind überdies weiterhin gefordert, unpopuläre Sparmaßnahmen und Strukturreformen durchzusetzen. In Zukunft sollte sich aber nicht jede nationale Regierungskrise zu einer Existenzfrage der Währungsunion hochschaukeln.

www.fixed-income.org




Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

Heute im Fokus

DAX leichter -- Asiens Börsen uneinheitlich -- Commerzbank will im Firmenkundengeschäft angreifen -- Fondsmanager erwartet weiteren Einbruch der Ölpreise -- Apple, Samsung im Fokus

eBay-Chef: Brexit ist gut fürs Geschäft. Warren Buffett greift erneut in Deutschlands Mittelstand zu. Allianz hat offenbar Interesse an Generali. Deutsche Telekom will Euro-Anleihe begeben. Knorr-Bremse will in 5 Jahren 10 Milliarden Umsatz machen. Merck-Aktie schwach: Umsatzstagnation bei Krebsmittel Erbitux erwartet.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Technologieaktien: Drei Möglichkeiten, um vom Trend "Digitale Fabrik" zu profitieren!
Die vierte industrielle Revolution ist im vollen Gange und verändert, vom Großteil der Gesellschaft völlig unbemerkt, bereits die Produktionsabläufe in den großen, industriellen Hallen. Wir zeigen Ihnen in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins drei Möglichkeiten, wie Sie in den kommenden Monaten und Jahren von dem Zukunftstrend "Digitale Fabrik" profitieren können.
Anlegermagazin kostenlos erhalten
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken

Umfrage

Am Freitag wurde Donald Trump in das Amt des US-Präsidenten eingeführt. Wsas halten Sie von dem Republikaner?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG 514000
Daimler AG 710000
Volkswagen AG Vz. (VW AG) 766403
Commerzbank CBK100
Allianz 840400
E.ON SE ENAG99
BASF BASF11
Apple Inc. 865985
Deutsche Telekom AG 555750
Scout24 AG A12DM8
AMD Inc. (Advanced Micro Devices) 863186
BMW AG 519000
Siemens AG 723610
Facebook Inc. A1JWVX
Nestle SA A0Q4DC