19.04.2013 06:47
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"Ein Kriterium für unsere Investments ist, dass jedes Projekt eine Kapitalverzinsung von mindestens 10% erreicht", Eckhart Misera, MBB Clean Energy AG

Die MBB Clean Energy AG emittiert eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von bis zu 300 Mio. Euro. Bei einer Laufzeit von 6 Jahren bietet die Gesellschaft einen Kupon von 6,250%. Im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE erläutert CEO Eckhart Misera seine Strategie.

BOND MAGAZINE: In welchen Bereichen ist die MBB Clean Energy aktiv bzw. in welche Bereiche möchten Sie investieren?



Misera: Als Energieproduzent kaufen wir im Bereich Erneuerbare Energien ausschließlich bestehende Wind- und Solarparks, die bereits über einen gesicherten Netzzugang verfügen. Dabei handelt es sich um Kraftwerke-Assets, die über die jeweils national gewährten Einspeisevergütungen - ähnlich dem deutschen Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) - bereits Erträge bringen. So generieren wir gesicherte Cashflows und schließen gleichzeitig das Risiko aus, das mit der Projektierung solcher Energieparks sonst üblicherweise verbunden ist. Unser Ziel ist es, mittelfristig ein Anlagenportfolio bestehend aus Wind- und Solarparks mit einer Nennleistung von insgesamt 1.500 Megawatt aufzubauen.

BOND MAGAZINE: Neben der Anleihe werden die Projektgesellschaften weiteres Fremdkapital (Bankkredite) aufnehmen, oder?

Misera: Ja. Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir etwa ein Fünftel der Kaufpreise für unsere Investments als Eigenkapital einbringen und den Rest über Banken finanzieren. Da die Wind- und Solarkraftwerke als Sicherheit für die Banken dienen, erhalten wir Kreditkonditionen, die deutlich unterhalb der Anleihezinsen liegen. Das wirkt sich positiv auf den Cashflow aus, mit dem wir die Zinszahlungen bedienen und die Rückzahlungsfähigkeit für die Anleihe sicherstellen.


BOND MAGAZINE: In welchen Ländern/Regionen werden Sie vorwiegend investieren?

Misera: Im Bereich Windkraft konzentrieren wir uns auf Standorte innerhalb der EU und bevorzugen hier vor allem Deutschland, Italien, Österreich, Polen und Spanien. Darüber hinaus befinden sich vor allem in Kanada überaus interessante Windparks in unserer aktuellen Investment-Pipeline. Auch im Solar-Bereich liegt unser Investmentfokus ganz klar in Europa. Neben Spanien und Italien - den klassischen Sonnen-Ländern - liegen uns auch aus Deutschland, Österreich und Polen sehr interessante Kaufangebote vor.

BOND MAGAZINE: Welche Investmentkriterien müssen die Projekte erfüllen? Sind bereits Projekte vorverhandelt?

Misera: Ein Kernkriterium für unsere Investments ist, dass jedes dieser Projekte eine Kapitalverzinsung - auf Basis des EBITDA / Return on Invest (ROI) abzüglich der Betriebskosten - von mindestens 10% erreicht. Jedes potenzielle Investitionsobjekt unterziehen wir natürlich in wirtschaftlicher, steuerlicher, technischer und rechtlicher Sicht einer umfangreichen internen und externen Due Diligence. Ein weiteres Kriterium ist die Größe des Parks. Hier haben wir als Mindestgröße eine Nennleistung von 10 MW definiert, die maximale Größe liegt für uns bei 200 MW. Darüber hinaus muss die Anlage über einen Netzanschluss verfügen. Zudem ist uns ein direkter Kontakt zum Eigentümer sehr wichtig. 405 potenzielle Kaufobjekte mit einem Projektwert von insgesamt rund 10,4 Mrd. Euro haben wir auf diese Weise bereits analysiert. Die Projekte werden uns hauptsächlich aus der Bankenverwertung angetragen, die es in kompetente Hände übergeben möchten.

BOND MAGAZINE: Bitte erläutern Sie das Treuhandkonzept.

Misera: Das Treuhandkonzept ist Teil unseres Covered-Security-Konzepts, das wiederum ein absolutes Novum für den Bereich der Mittelstandsanleihen darstellt. Das Treuhandmodell regelt sehr genau die Bedingungen für die Mittelverwendung. Danach wird beispielsweise das Anleihekapital bis zur Investition an den Treuhänder verpfändet, der zudem die Einhaltung der vorgegebenen Investment- und Due Diligence-Kriterien überwacht. Außerdem verbleiben sämtliche Erlöse aus den Energieprojekten so lange beim Treuhänder, bis die Anleihe in sechs Jahren zurückgezahlt ist. Darüber hinaus haben wir für die Anleger ein aus unserer Sicht einzigartiges Versicherungspaket geschnürt: Neben politischen sichert es auch wetterbedingte Risiken sowie Risiken aus Änderungen bei den Einspeisevergütungen ab. Außerdem greift es, wenn die Versicherungsstandards in dem jeweiligen Land unterhalb des in Deutschland üblichen Niveaus liegen. Diese Finanzierungsrückversicherung (FINITE) springt ein, wenn die Zahlungsströme aus den erworbenen Wind- und Solarparks ausbleiben. Und die Versicherungserlöse gehen direkt an den Treuhänder, insofern haben wir auch von dieser Seite ein höchstes Sicherheitsniveau für die Anleger. Risikoträger der FINITE wird übrigens die AllianzRiskTransfer (ART) sein, eine Tochter des Allianz-Konzerns. Ich glaube, dass wir mit unserer Konstruktion ein absolutes "First Mover"-Konzept für den Markt der Mittelstandsanleihen geschaffen haben. Unsere Inhaberschuldverschreibung vereint damit den Wunsch der Kapitalgeber nach Rendite und Sicherheit.

BOND MAGAZINE: Weshalb haben Sie sich nicht einfach für eine dingliche Besicherung der Projekte zugunsten der Anleihegläubiger entschieden?

Misera: Wir haben uns ganz bewusst für eine Versicherung entschieden. Die Cashflows fließen in einem möglichen Schadensfall, beispielsweise bei einer wetterbedingt geringeren Leistung der Anlage, ohne Unterbrechung weiter und der reibungslose Geschäftsbetrieb ist jederzeit sichergestellt. Im Gegensatz dazu müssten dingliche Sicherheiten aus den Projekten im Schadensfall erst einmal zu Geld gemacht werden - das braucht Zeit. Zudem stehen in der Regel die Banken innerhalb der Projektfinanzierung im ersten Rang und befriedigen zunächst ihre Ansprüche.

BOND MAGAZINE: Das Marktumfeld ist derzeit nicht das Beste für Investments im Bereich der Erneuerbaren Energien. Sie wollen bis zu 300 Mio. Euro einsammeln, was von vielen Marktteilnehmern als unrealistisch bezeichnet wird. Welches Volumen müssen Sie einsammeln, um sinnvoll investieren bzw. diversifizieren zu können?

Misera: Unser umfassend abgesichertes Anleihekonzept und unser Geschäftsmodell, das auf saubere statt fossile oder atomare Energie setzt, fand bisher am Kapitalmarkt großen Zuspruch. Diese Einschätzung teilt die Deutsche Börse, die Anleihe wird am Entry Standard gelistet, der Sole Bookrunner ist Donner & Reuschel sowie andere Institutionelle Investoren. Und was das Emissionsvolumen betrifft, kann ich Sie beruhigen: Selbst wenn wir nur 50 Mio. Euro einsammeln würden, ginge unser Konzept auf.

BOND MAGAZINE: Wie wird die Refinanzierung am Laufzeitende der Anleihe erfolgen?

Misera: Unsere Anleihebedingungen sagen ganz klar, dass die Rückzahlung aus den "gesammelten" Gewinnen der kommenden sechs Jahre zu erfolgen hat. Anhand der jetzigen Planzahlen entsteht dabei zwar eine Lücke von 38 Mio. Euro. Doch das wird 2019 gerade dem Umsatz eines Monats entsprechen, so dass wir diese - rechnerische - Lücke dann ohne Mühe über Kontokorrentkredite schließen könnten.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.

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Soeben erschienen: BOND YEARBOOK 2012/13 -
Das Nachschlagewerk für Anleiheinvestoren und -Emittenten
Renommierte Autoren und Interviewpartner nehmen Stellung zu den Themenfeldern High Yield-Anleihen, Mittelstandsanleihen, Covered Bonds, Investmentstrategien sowie Tax & Legal. Das jährliche Nachschlagewerk erscheint bereits im 4. Jahrgang und hat einen Umfang von 108 Seiten. Die Ausgabe kann zum Preis von 29 Euro beim Verlag bezogen werden:
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2012-11/Flyer_Bestellformular_BondBook_12_13.pdf
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Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.
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