DAX8.5310,7%  Dow15.4070,1%  Euro1,2860-0,4% 
ESt502.8350,5%  Nas3.490-0,4%  Öl103,0-0,8% 
TDax975,80,7%  Nikkei15.6271,6%  Gold1.364-0,6% 

aktualisiert: 04.09.2012 15:08

Senden
€uro am Sonntag

EMERGING MARKETS

Anleihen: Schwellenländer in harter Währung



Emerging Markets haben ihre Auslandsverschuldung spürbar reduziert
Anleihe-Investoren in der Eurozone stehen derzeit vor der schwierigen Wahl zwischen „sicheren“ Papieren mit historisch niedrigen Renditen oder höher verzinslichen Titeln aus Schwellenländern. Alternative gefällig?

von Frank Engels, Gastautor von Euro am Sonntag

In diesen Zeiten, in denen Bondanleger sich entweder mit extrem niedrigen Renditen zufriedengeben müssen oder bei Investments in höher verzinsliche Papiere aus dem Euroraum auch hohe Risiken eingehen, lohnt der Blick über den Tellerrand. Etwa auf Hartwährungsanleihen von Staaten und Unternehmen aus den ­aufstrebenden Volkswirtschaften (Emerging Markets, abgekürzt EM). Dabei handelt es sich um Schuldtitel aus den Schwellenländern, die in vergleichsweise soliden Währungen — etwa in US-Dollar, Schweizer Franken oder auch Euro — begeben wurden.

Die Vorteile: Die Emerging Markets haben ihre Auslandsverschuldung spürbar reduziert, aktuell liegt der Wert (über die gesamte Region gerechnet) bei 34 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zudem ist der Netto­finanzierungsbedarf dieser Staaten so gering wie nie. Die Regierungen in den aufstrebenden Volkswirtschaften müssen sich 2012 nach bisherigen Schätzungen netto nur sechs Milliarden US-Dollar an frischen Mitteln besorgen. Daher haben EM-Staatsanleihen in Euro oder US-Dollar Seltenheitswert, gelten als „Ertragsperlen“ und werden entsprechend stark nachgefragt. Zudem sind die Schwellenländer wirtschaftlich und fiskalpolitisch solide aufgestellt, wie die zunehmend positiven Einschätzungen der Ratingagenturen unterstreichen. Während die etablierten Industrienationen zumeist mit Herabstufungen ihres Ratings konfrontiert sind, verläuft die Entwicklung in den Emerging Markets in die entgegengesetzte Richtung.

Da Hartwährungsanleihen zudem in relativ stabilen Devisen notieren, ist das Wechselkursrisiko — verglichen mit Papieren in Lokalwährungen — geringer. Ob der Russische Rubel, der Brasilianische Real oder die Indische Rupie steigt oder fällt, braucht den europä­ischen Anleiheinvestor nicht zu kümmern. Er erhält sämtliche Zahlungen in Hartwährungen (meist US-Dollar oder Euro) und ist damit dem Auf und Ab der häufig schwankungsstärkeren EM-Wechselkurse gegen den Euro nicht ausgesetzt.

Unternehmensanleihen
gewinnen an Bedeutung

Die Risiken bei Schwellenländeranleihen (gerade aus dem Hartwährungssegment) sind also vertretbar. Gleichzeitig sind die Renditen nach wie vor auskömmlich. Aktuell liegt der Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Papieren aus den Industriestaaten bei gut drei Prozentpunkten. Von den Höchstständen im Jahr 2007 ist das Marktsegment zwar deutlich entfernt, allerdings spiegeln die gesunkenen Risikoprämien auch die verbesserte Qualität und die geänderte Wahrnehmung von Hartwährungsanleihen wider.


Frank Engels, Union Investment
In der Vergangenheit litten die Emerging Markets häufig unter einem Anstieg der Risiko­aversion. Wurden die Finanzmärkte (aus welchem Grund auch immer) nervös, zogen internationale Investoren meist ihre Gelder aus den Schwellenländern ab. Kursverluste waren die Folge. Diese Entwicklung hat sich erkennbar abgeschwächt. Seit Ausbruch der europäischen Staatsschuldenkrise im Jahr 2010 waren an den Märkten für EM-Staatsanleihen zwar zwischenzeitlich Kursrückgänge, aber keine starken Rückschläge auf Dauer zu verzeichnen. Die Anlageklasse ist offenbar „den Kinderschuhen entwachsen“.

Nun richtet sich der Blick vieler Anleger ­zunehmend auf ein weiteres lukratives Investitionsfeld: Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets. Das jährliche Ausgabe­volumen dieser Papiere ist mittlerweile auf durchschnittlich 180 Milliarden Euro angestiegen. Damit bietet das Segment vielfältige Chancen bei — verglichen mit den etablierten Märkten — attraktiven Bewertungen.

Die Emittenten finden sich über Bergbau, Telekommunikation oder Industrie in nahezu allen Branchen, sodass auch ein hohes Maß an Streuung möglich ist. Besonders hervorstechend: der Bankensektor. Anders als ihre europäischen Pendants sind die Geldhäuser in den Emerging Markets zumeist kerngesund und hochprofitabel. Zudem refinanzieren sich die Institute hauptsächlich über heimische Einlagen und sind somit von der Krise in den europäischen Peripherieländern kaum betroffen.

Hartwährungsanleihen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften — Staatspapiere oder Unternehmensbonds — sind somit eine interessante und lukrative Option. Gleichzeitig ist jedoch Vorsicht geboten, denn die Länder unterscheiden sich in ökonomischer, ­politischer und kultureller Hinsicht deutlich von Westeuropa. Marktwissen und Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten sind daher unerlässlich.

Zur Person:

Frank Engels, Leiter Portfolio­management
Renten bei Union Investment

Der promovierte Volkswirt arbeitete bis 1998 als wissenschaftlicher ­Mitarbeiter an der WHU — Otto Beisheim School of ­Management. Von 1999 bis 2002 war er als Ökonom beim Internationalen Währungsfonds tätig, im Jahr 2002 ging Engels zur ­Europäischen Zentralbank als Länderexperte für Deutschland, Frankreich, Holland und Griechenland. Engels war bereits von Juni 2008 bis ­September 2010 für ­Schwellenländeranleihen im Portfolio­management von Union Investment verantwortlich. Union Investment gehört zu den Volks- und ­Raiffeisenbanken und verwaltet aktuell ein ­Vermögen von rund 180 Milliarden Euro.

Bildquellen: iStock

Kommentare zu diesem Artikel

jpuhr schrieb:
06.09.2012 19:47:19

Zitat - Die Emerging Markets haben ihre Auslandsverschuldung spürbar reduziert -

Stimmt, aber nicht durch Konsolidierung, sondern oftmals durch Umschuldungen bzw. Haircuts. Man sehe sich mal die Berichte im IWF-Archiv an.

 Kommentar hinzufügen 

ANZEIGE

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

ANZEIGE

In der EU und bei der EZB werden derzeit die Abschaffung der ein- und zwei-Cent-Münzen sowie des 500-Euro-Scheins diskutiert...
Ich hätte kein Problem mit der Abschaffung von ein- und zwei-Cent-Münzen sowie des 500-Euro-Scheins.
Die ein- und zwei-Cent-Münzen verstopfen regelmäßig meine Geldbörse und könnten gerne verschwinden. - Der 500-Euro-Schein sollte aber bleiben!
Der 500-Euro-Schein ist in der Praxis völlig nutzlos und kann gerne abgeschafft werden. Die kleinen Münzen sollten aber erhalten bleiben!
Weder die ein- und zwei-Cent-Münzen noch der 500-Euro-Schein sollten abgeschafft werden!
Ich würde neben den ein- und zwei-Cent-Münzen und dem 500-Euro-Schein noch weitere Scheine und/oder Münzen abschaffen!
 Abstimmen