11.02.2013 09:34
Bewerten
 (0)

Erwartungen an die internationale Zentralbankpolitik

von Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers
"In jüngster Zeit wird häufig beklagt, die Unabhängigkeit der Zentralbanken sei gefährdet", so Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers. "In Japan ist die neue Regierung unter Premierminister Abe im Begriff, die Führung der Bank of Japan auszuwechseln. Der politische Druck auf die BoJ, eine expansivere Geldpolitik zu fahren, steigt. In Großbritannien hat die Regierung einen neuen Notenbankgouverneur ernannt. Dass die Wahl auf Mark Carney fiel, gab jedenfalls Anlass zu Spekulationen um einen geldpolitischen Kurswechsel bei der Bank of England. Auch ohne expliziten politischen Druck auf die jeweilige Zentralbank haben Finanzkrise und mangelndes Wachstum einen Paradigmenwechsel bei der Reaktionsfunktion der Zentralbanker eingeleitet. Die Fed bläht ihre Bilanz weiterhin auf und die EZB hat sich während der vergangenen drei Jahre immer aktiver an der Finanzierung von Banken und Regierungen beteiligt. Ob die Lehrbuchsicht einer Zentralbank, die die Steuerung der Inflationserwartungen als ihre vorrangige Aufgabe betrachtet, jemals Realität war, sei dahingestellt. Klar ist jedoch, dass die Zentralbankpolitik sich in den letzten Jahren zunehmend davon entfernt hat. Aus gutem Grund hat sich die Geldpolitik darauf konzentriert, die Finanzmärkte mit ausreichend Liquidität über Wasser zu halten, den Schuldendienst der Staaten finanziell zu erleichtern und Anlegern die Investition in Unternehmen schmackhaft zu machen. Damit gehen enorme politische Erwartungen einher. Die Zentralbanker haben sich bisher nicht gescheut, sich selbst den Verdienst an der "Großen Mäßigung" bei der Inflationsentwicklung in den vergangenen 30 Jahren zuzuschreiben. Insofern bleibt ihnen jetzt kaum eine andere Wahl, als zu versuchen, die Weltwirtschaft mit geldpolitischen Instrumenten vor dem Abrutschen in eine Depression zu bewahren. Das wird jedenfalls von ihnen erwartet. So erklärt sich der Griff zu unorthodoxen Maßnahmen. Und so erklärt sich auch die nachdrückliche Betonung der Rolle der Geldpolitik bei der Belebung des Wirtschaftswachstums. Insofern sind sich die Zentralbanker einig: Eine geldpolitische Straffung wird noch lange auf sich warten lassen. Das hat auch EZB-Präsident Draghi am vergangenen Donnerstag wieder bestätigt."


----------------------------------------
Soeben erschienen: BOND YEARBOOK 2012/13 -
Das Nachschlagewerk für Anleiheinvestoren und -Emittenten
Renommierte Autoren und Interviewpartner nehmen Stellung zu den Themenfeldern High Yield-Anleihen, Mittelstandsanleihen, Covered Bonds, Investmentstrategien sowie Tax & Legal. Das jährliche Nachschlagewerk erscheint bereits im 4. Jahrgang und hat einen Umfang von 108 Seiten. Die Ausgabe kann zum Preis von 29 Euro beim Verlag bezogen werden:
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2012-11/Flyer_Bestellformular_BondBook_12_13.pdf
----------------------------------------



Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.
Artikel empfehlen?

Heute im Fokus

DAX schließt mit Verlust -- Dow Jones im Minus -- Kommt Apples neues iPhone früher als erwartet? -- Ifo-Geschäftsklima sinkt erstmals seit sieben Monaten -- Deutsche Bank im Fokus

US-Anleihen: Überwiegend schwächer nach Verbraucherpreisen und Yellen-Aussagen. Kein Ende der Debatte über Kohleabgabe in Sicht. Wintershall soll Interesse an Öl- und Gasassets in Libyen haben. Erneuter Streik der Amazon-Mitarbeiter in Leipzig. Fed-Chefin Yellen hält sich bei Zinswende weiter bedeckt. Bayer-Chef will Staatsgelder für Antibiotika-Forschung. IPO: Niederlande bringen verstaatlichte Bank ABN Amro an die Börse. EnBW will Windenergiefirma Prokon für 550 Millionen Euro übernehmen.
Titans

Diese Städte stellen die attraktivsten Märkte in Europa dar.

Diese Firmen zahlen Amerikas höchste Gehälter

Umfrage

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht sich für die Abschaffung des Bargelds aus. Was halten Sie von diesem Vorschlag?