06.12.2012 19:00

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€uro am Sonntag

EURO AM SONNTAG-KOLUMNE

Ich verkaufe jetzt: Französische Anleihen


Stefan Riße, Fondsmanager des Riße Inflation Opportunities, HPM GmbH, hält derzeit wenig von französischen Staatsanleihen. Einen Knock-out-Put-Optionsschein auf den OAT-­Future findet er hingegen interessant.

Name: Stefan Riße
Geboren: 1968 in Bremen
Position: Fondsmanager des Riße Inflation Opportunities (HPM GmbH)

Nachdem bereits Standard & Poor’s und Moody’s Frankreich die Bestnote „AAA“ entzogen haben, droht mit Fitch nun auch die letzte der drei maßgeblichen Ratingagenturen, die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabzustufen. Frankreich plagen mit einem deutlichen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und enttäuschenden Wachstumsraten die gleichen Probleme wie die Europeripherie. Zwar sind diese noch nicht so prekär wie etwa in Spanien, dafür ist in der französischen Bevölkerung die Erkenntnis noch gar nicht angekommen, dass das Land dringend Reformen à la Agenda 2010 benötigt. Natürlich weiß der neue Präsident Hollande, dass er für große Geschenke keinen Spielraum hat. Zunächst muss er aber seine Wahlversprechen einlösen wie die He­rabsetzung des Rentenalters von 62 auf 60 Jahre. Auch die 35-Stunden-Woche hat er als unantastbar bezeichnet.

Dies alles spricht eigentlich für einen deutlichen Zinsabstand zwischen deutschen und französischen Anleihen. Doch viele institutionelle Anleger und nicht zuletzt die französischen Großbanken ­haben kräftig in Anleihen der „Grande Nation“ investiert, weil es zumindest noch etwas mehr Zinsen gibt als für Bundesanleihen.

Daher liegen die Zinsen für zehnjährige französische Staatsanleihen mit 1,94 Prozent auf Rekordtief und nur rund 0,5 Prozent höher als hierzulande. Das zeigt, dass französische Staatstitel bisher zu den sicheren Häfen zählen. Doch das könnte sich bald ändern. Kommt es erneut zu einer Verschärfung der Eurokrise, dürfte auch Frankreich unter Beschuss kommen, die französischen Zinsen dürften deutlich steigen. Im Gegenzug würden die Kurse französischer Staatsanleihen fallen. Kommt es hingegen zunächst nicht zu einer Verschärfung, dann könnte sich ein Short-Engagement genauso auszahlen, denn dann dürfte es zu einem Liquiditätsabzug aus den sicheren Häfen kommen, was dann sicher nicht nur zu einem gewissen Zinsanstieg für Bundesanleihen, sondern auch für französische Anleihen führen würde. Interessant sind daher Knock-out-Put-Optionsscheine auf den OAT-Future, der an der Terminbörse Eurex gehandelt wird. Die Knock-out-Schwelle von 142,40 bietet noch genug Luft nach oben.
ISIN: DE000CZ2XXA6

Ihr bestes Investment? Mein gehebeltes Goldengagement seit 2005.
Ihr schlechtestes Investment? Das Spracherkennungsentwicklungsunternehmen Lernout & ­Hauspie, das in Bilanzbetrügereien unterging.

Die Kolumne "Ich kaufe jetzt" beziehungsweise "Ich verkaufe jetzt" erscheint regelmäßig in €uro am Sonntag. Die Redaktion befragt dabei Börsenprofis aus verschiedenen Bereichen.

Bildquellen: Ivonne Wierink / Shutterstock.com

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Kommentare zu diesem Artikel

konig schrieb:
06.12.2012 22:12:17

hmm ganz schön riskant. egal was passiert. solange es den euro gibt, werden die zinsen bei um die null bleiben. denn anleihezinsätze von über 3% würden die meisten staaten und auch EUunternehmen nicht verkraften. siehe japan und jetzt auch usa. jede generation erwischt es im durchschnitt einmal.

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