05.09.2013 03:00
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Mittelstandsanleihen: Protzen mit Prozenten

Mittelstandsanleihen: Protzen mit Prozenten
Euro am Sonntag-Titel Teil 1
Minibonds versprechen hohe Zinsen. Allerdings sind viele der Mittelstandsanleihen riskant. Wo die Gefahren liegen, wie Anleger dennoch attraktive Papiere finden.
€uro am Sonntag

von Thomas Strohm, Euro am Sonntag

Auf zur Zinsjagd. Weil mit Festgeld nichts zu holen ist, boomt der Markt mit sogenannten Mittelstandsanleihen. Schließlich steht das Wort Mittelstand für Qualität und Solidität. Was soll da schon schiefgehen?, denken sich viele Bundesbürger. Und Zinskupons von sieben, 7,5 oder acht Prozent sind das Vielfache der mickrigen Zinsen, die es auf der Bank gibt.

Doch das ist eine naive und leichtfertige Herangehensweise. Denn gerade wer in sogenannte Minibonds investiert, sollte ausgesprochen wählerisch sein.

Mehr als 100 Mittelstandsanleihen (!) sind in Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, München und Hamburg seit dem Start des Segments 2010 emittiert worden. Doch was sich darunter findet, ist von sehr unterschiedlicher Qualität: Von Firmen, die aus purer Verzweiflung dort ihr Heil suchten, bis zu soliden Unternehmen ist alles vertreten. Insgesamt haben sie rund vier Milliarden Euro eingesammelt. Ein großer Teil davon stammt von Privatanlegern, die teils aggressiv umworben werden. Blind sollte dem Etikett Mittelstand niemand vertrauen. Wer die Emittenten aber genau unter die Lupe nimmt, kann durchaus einige mit attraktiven Zinsen und vernünftiger Bonität finden.

Bonds zur Beimischung
€uro am Sonntag hat alle gelisteten Minibonds geprüft — und 15 Anleihen ausgewählt, die empfehlenswert sind. Auch diese Papiere sollten jedoch lediglich als Beimischung in einem Depot dienen. Ein Festgeldersatz sind sie nicht. Dafür versprechen sie deutlich höhere Renditen als Bankeinlagen, mit denen nicht einmal die Inflationsrate ausgeglichen werden kann.

Generell wird der Markt mit Minibonds zunehmend kritisch beäugt. Das muss nicht schaden — im Gegenteil. „Es gab Fehlentwicklungen, die es zu beheben gilt“, sagt Robin Huber von der Investmentbank Viscardi: „Grundsätzlich sind Mittelstandsanleihen für Emittenten wie Investoren ja eine gute und sinnvolle Idee.“ Jedenfalls, wenn die Unternehmen die nötige Reife für den Kapitalmarkt mitbringen — und nicht schon an der ersten Zinszahlung scheitern und pleitegehen wie Windkraftanlagenbauer Siag Schaaf oder BKN Biostrom. Das hat am Ruf des Segments gekratzt.

Der Boom der Minis scheint aber ungebrochen. Derzeit herrscht zwar Sommerpause. Die hat der Markt aber auch bitter nötig: Von Mai bis Juli buhlten zwei Dutzend Emittenten mit neuen Anleihen um Investoren, zudem wurden einige schon emittierte aufgestockt. Wegen des großen Angebots konnte mit einigen Bonds weit weniger Geld eingesammelt werden als erhofft.

Der Herbst wird ebenso heiß: Etliche Minibonds sind in der Vorbereitung. Den Anfang wird wohl der Eigenheimbauer Helma machen, Details soll es diese Woche geben. Auch die österreichische Baufirma Porr wird mit einer Anleihe erwartet. Die ursprünglich geplante Emission war im Sommer — kurz nach der Pleite des Konkurrenten Alpine — verschoben worden.

Projektanleihen als Sonderfall
Zudem dürften vermehrt Projektanleihen an den Markt drängen. Seit Mitte Juli gelten schärfere Regeln für Geschlossene Fonds. Einige Emittenten werden deshalb auf Bonds ausweichen. Einen Vorgeschmack lieferte bereits Cloud No. 7: Mit der Anleihe wird ein Wohn- und Hotelturm in Stuttgart finanziert.

Derlei Investments können interessant sein — aber nur für Anleger, die auch in Geschlossene Fonds investieren würden. Immerhin einen großen Vorteil haben diese Anleihen gegenüber den klassischen Beteiligungsmodellen: Sie sind wesentlich einfacher handelbar.

Wichtig auch: Hat der Kurs einer Anleihe kräftig zugelegt, sollten sich Anleger hüten, Rückschlüsse auf die Bonität des Unternehmens oder die Sicherheit des Bonds zu ziehen. Die Notierungen von Mittelstandsanleihen entwickelten sich „nach dem Zufallsprinzip“, sagt Hans-Werner Grunow von der Unternehmensberatung Capmarcon.

Kursgewinne mitnehmen
Die Folgerung für Investoren: Wer Minibonds zu 100 Prozent gezeichnet hat, sollte überlegen, sie bei Kursen weit über pari loszuschlagen und sich den Gewinn zu sichern. Wenn etwa die Anleihe des Modehändlers Rudolf Wöhrl zu Preisen von knapp 111 Prozent gehandelt wird, bedeutet das eine Rendite von weniger als vier Prozent. Anleger müssen sich fragen, ob sie dem Unternehmen ihr Geld auch zu diesem Zinssatz leihen würden. Wer verneint, sollte schleunigst verkaufen.

Wie rasch es bergab gehen kann, zeigte gerade erst die Recyclingfirma Scholz, der Kurs sackte schlagartig ab. Das Unternehmen soll mit harten Einschnitten saniert werden. Glaubt man den Beteuerungen, müssen die Anleihegläubiger nicht um ihr Geld fürchten. Viele fliehen dennoch. Andere nutzen die Chance, um spekulativ einzusteigen.

Mit Spekulieren haben jedoch wohl die wenigsten Käufer von Minibonds etwas am Hut. Entsprechend vorsichtig sollten sie bei der Zinsjagd agieren — und im Zweifel auch bei den vielen anstehenden Emissionen nicht zeichnen. Trotz der sicherlich wieder tollen Emissionsstorys.

Außerdem sollten Anleger auf eine ausreichende Streuung achten. Letztlich sind die Anleihen kleiner Firmen vergleichbar mit Small Caps am Aktienmarkt. Und kaum ein Anleger käme doch auf die Idee, weite Teile des Vermögens wenig gestreut in diese Papiere zu investieren.

Genau dort, am Aktienmarkt, ist auch ein weiterer wichtiger Grund für den Boom der Minibonds zu suchen. „Der Markt für Börsengänge von mittelständischen Unternehmen ist seit 2010 fast ausgetrocknet“, sagt Investmentbanker Huber: „Einige, die Geld am Kapitalmarkt einsammeln wollten, haben statt des Instruments Aktie deshalb das Vehikel der Anleihe gewählt.“

Viele verdienen am Boom
Befeuert wurde das Ganze von den Dienstleistern, die früher ihr Geld mit Börsengängen verdienten und auf der Suche nach neuen Einkommensquellen ihre Begeisterung für Bonds entdeckt haben. „Die Mittelstandsanleihe ist aus Dienstleistersicht ein voller Erfolg“, sagt Berater Grunow. Abgesehen von den Börsen handelt es sich meist um kleine Adressen: Aus dem Geschäft mit großvolumigen Unternehmensanleihen bekannte Banken oder Berater muss man im Umfeld von Minibonds lange suchen. Nach Ansicht von Grunow ein Indiz dafür, dass diese Adressen den möglichen Schaden für ihren Ruf durch Ausfälle bei Mittelstandsanleihen als enorm ansehen.

Einige Experten raten, den Markt grundsätzlich zu meiden. So empfiehlt Finanzprofessor Max Otte den Anlegern, die Minibonds halten: „Verkaufen — falls und solange es noch geht. Es ist in diesem Fall besser, als auf ein Wunder zu hoffen.“ Sechs Pleiten hat es bisher gegeben, weitere werden folgen.

Investor-Info

Der Markt
Stark schwankend

Der Index Mibox bildet die Entwicklung aller Mittelstandsanleihen ab, die in den spezialisierten Börsensegmenten hierzulande gehandelt werden. Auf Sicht von zwölf Monaten hat er vier Prozent zugelegt. Die Kupons werden bei der Berechnung berücksichtigt. Dennoch notiert der Index derzeit nur bei 100 Punkten, also in etwa beim Startwert von Anfang 2011.

Die Handelbarkeit
Rapide sinkend

Schon wenige Wochen nach der Emission sinkt das Handelsaufkommen von Mittelstandsanleihen rapide und verharrt dann auf sehr niedrigem Niveau. Die Papiere wechseln selten den Besitzer. Viele wollen sie offensichtlich bis zur Fälligkeit halten und bis dahin die hohen Zinsen kassieren. Diese Buy-and-Hold-Strategie kann gefährlich werden.

Die Refinanzierung
Ziemlich herausfordernd

Der Anteil der Minibonds an der Bilanzsumme der Emittenten ist im Schnitt gestiegen, so die Ratingagentur Scope. Diese Abhängigkeit kann zum Problem werden, wenn das Geld zurückgezahlt werden muss. Aus dem Cashflow werden das die wenigsten schaffen — eine andere Anschlussfinanzierung muss her. Einige Firmen haben aber vor allem deshalb eine Anleihe emittiert, weil sie woanders kein Geld mehr bekommen haben oder nicht zu diesen Konditionen.

Bildquellen: travellight / Shutterstock.com
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