23.12.2012 06:00
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Ausgebombte Bonds: Bitte aufs Parkett!

Ausgebombte Bonds: Bitte aufs Parkett!
Eurokrise
Staatsanleihen: Wegen Niedrigzinsen und nachlassender Eurosorgen werden 2013 mehr Fondsmanager einen riskanten Tanz mit Krisenländern wie Irland, Spanien oder Italien wagen.
€uro am Sonntag

von Andreas Höß, Euro am Sonntag

Beginnt die Musik, muss jemand den Schritt aufs Parkett wagen. Michael Hasenstab, ein Schwergewicht unter den globalen Bondinvestoren, hatte diesen Mut: Ab Sommer 2011 deckte er sich mit Staatsanleihen aus Irland ein. Heute besitzt er irische Staatspapiere für etwa 8,5 Milliarden US-Dollar — rund zehn Prozent des gesamten Marktes. Anfangs standen seine Kollegen irritiert am Rande, nun riskieren immer mehr Fondsmanager den Tanz mit Europas Krisenstaaten.

Wer in die Jahresausblicke der Fondshäuser schaut, entdeckt einige Hinweise darauf, dass Staatsanleihen aus Irland, Spanien oder Italien im kommenden Jahr gefragt sein könnten. Die Renditen in Europas Kernstaaten wie Deutschland oder Frankreich sind mickrig. Zudem hat Mario Draghi ein Sicherheitsnetz für Euroland-Investoren gespannt. Die Eu­ropäische Zentralbank werde auf dem Sekundärmarkt, falls nötig mit unbegrenzten Mitteln, Anleihen strauchelnder Eurostaaten kaufen, hatte der EZB-Chef im Sommer angekündigt.

Rückkehr der Peripheriepapiere
Das schafft Zuversicht. „In Europa wird das Ende der pauschalen Risiko­aversion den Weg für selektive Engagements frei machen“, heißt es beim französischen Fondsriesen Carmi­gnac. Man werde Staatsanleihen aus Irland oder Spanien jenen aus Frankreich vorziehen. Auch Bill Gross von Pimco, der den weltgrößten Anleihefonds leitet, twitterte vor Kurzem: „Kauft Spanien und Italien.“

Genau das haben zuletzt viele An­leger getan. Spanien konnte im Dezember erstmals seit mehr als einem Jahr 30-jährige Papiere an den Mann bringen. Die Renditen für zehnjährige Anleihen fielen von mehr als 7,5 Prozent im Juli auf 5,2 Prozent, in Italien gingen sie von 7,3 auf 4,4 Prozent zurück. In Irland war die Erholung noch deutlicher. Hier lagen die Renditen zwischenzeitlich bei fast 15 Prozent, heute liegen sie bei 4,4 Prozent. Zur Freude Hasenstabs: Dessen Templeton Global Bond Fund profitierte von Anfang an von der irischen Erholung und gehörte 2012 mit knapp 15 Prozent Plus zu den besten Rentenfonds am Markt.

Risikolos sind Investitionen in die Rentenmärkte der Peripheriestaaten aber keineswegs. Irland gilt als Musterschüler unter den Krisenländern, die Grüne Insel hat ihre Banken bereits rekapitalisiert und harte Sparmaßnahmen und Reformen hinter sich gebracht. Dennoch wird die Neuverschuldung 2012 über acht Prozent liegen, schätzt die EU. Im Moment lebt Irland von Hilfskrediten. Ob die Rückkehr an den Kapitalmarkt wie geplant 2013 gelingt, ist unter Experten umstritten.

Über Spanien wird dagegen seit Längerem gemutmaßt, es sei der nächste Kandidat für den Rettungsschirm. Die Arbeitslosigkeit ist ex­trem hoch, der Immobilienmarkt bricht weiter ein, die Zahl der faulen Kredite steigt. Es ist unklar, wie viel Hilfe die spanischen Banken und die Regionen des Landes künftig brauchen. Und in Italien dürften die Reformen wohl nur weitergehen, wenn Silvio Berlusconis Rückkehr als Regierungschef scheitert. Über all dem schwebt die Gefahr, dass die konzertierten Sparmaßnahmen die Konjunktur weiter abwürgen oder die Bürger die Reformer abwählen.

Dennoch werden viele Fondsmanager 2013 den Schritt aufs Parkett der Krisenstaaten wagen. Die Niedrigzinsen zwingen sie dazu, ins Risiko zu gehen — vor allem, wenn es die Konkurrenz bereits getan hat. Bisher war EZB-Dirigent Mario Draghi gut darin, die beunruhigenden Signale zu übertönen und der Eurozone Zeit für Reformen zu verschaffen. Ob diese Zeit effektiv genutzt wird, muss sich zeigen. Solange ­Draghi aber weiterspielt, wird sich das Parkett auch weiter füllen.

Bildquellen: Mediagram / Shutterstock.com, Roman Sigaev / Shutterstock.com

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