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21.10.2012 03:00

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€uro am Sonntag

EUROKRISE

Eurobonds würde ich nicht kaufen



Europa: Weiterhin stürmische Zeiten
Eurobonds sollen die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Euromitglieder ausräumen. Fondsmanager Ariel Bezalel ist dennoch skeptisch. Er würde einen großen Bogen um europäische Gemeinschaftsanleihen machen.

von Ariel Bezalel, Gastautor von Euro am Sonntag

Frankreichs Präsident François Hollande sieht in sogenannten Eurobonds ein geeignetes Mittel zur Überwindung der Schuldenkrise. Würde ich als Bondanleger solche gemeinschaftlichen Anleihen der Eurostaaten kaufen? Wohl eher nicht. Auch nach der Einführung von Eurobonds würde ich weiter bezweifeln, dass das europäische Projekt überlebt.

Trotzdem: Es gibt bereits konkrete Vorschläge, wie man bei der Einführung dieser Anleihen vorgehen könnte. Oft heißt es, man müsse mit kurzen Laufzeiten beginnen. Diese Auffassung teile ich. Für sogenannte Kurzläufer brauchte man weniger Genehmigungen, man könnte sie schneller einführen. Außerdem würden sie den Druck immer nur kurzzeitig von der Eurozone nehmen. Die Regierungen müssten ihre Spar- und Reformziele nach wie vor einhalten. Schritt für Schritt könnte man dann die Laufzeiten ausdehnen, wenn die Lage sich bessert.

Keine überzeugenden Kaufargumente
Im Moment gäbe es für mich aber keine überzeugenden Argumente für eine Investition in solche europäische Gemeinschaftsanleihen. Bei Staatsanleihen bin ich ohnehin vorsichtig. Zurzeit bin ich mit meinem Fonds nur in Staats­papiere aus Australien investiert. Bevor ich mich aber bei europäischen Gemeinschaftsanleihen engagierte, würde ich eher Bonds aus Norwegen, Kanada, den USA und sogar Großbritannien kaufen. Das hängt ganz einfach damit zusammen, dass die Zentralbanken dieser Länder als Käufer der letzten Instanz agieren — eine Rolle, in der sich die Europäische Zentralbank bisher überhaupt nicht bewährt hat.

Und ich wäre wohl nicht der einzige Investor, der Eurobonds mit einer gewissen Skepsis begegnen würde. Denn die Schuldenvergemeinschaftung in Europa müsste echt und bedingungslos sein, damit Anleger den Kauf von Eurobonds in Erwägung zögen. Die Mitgliedsländer der Eurozone müssten sich dazu auf derart weitreichende und einschneidende Veränderungen einigen, dass ich mir derzeit kaum vorstellen kann, wie sich dies in die Realität umsetzen ließe.

Reformen und Souveränitätsverzicht nötig
Denn Eurobonds würden Einsparungen und Reformen nicht ersetzen. Im Gegenteil: Spanien, Italien und andere Club-Med-Staaten, die seit Langem an das wirtschaftliche Sicherheitsnetz ihrer sozialistisch ausgerichteten Regierungen und einen ausufernden öffentlichen Sektor gewöhnt sind, hätten eine massive Lohndeflation und gewaltige fiskalische Sparmaßnahmen zu verdauen. Die Staatsfinanzen müssten neu geordnet und Haushaltskriterien strikt eingehalten werden. Für Versäumnisse müsste man sich auf ein einheitliches Sanktionssystem einigen, das entschieden durchgesetzt wird. Das alles ist hart, unpopulär und politisch schwer durchsetzbar.

Europas Politiker klammern sich dafür auch zu sehr an ihre nationale Souveränität. Durch die Vergemeinschaftung von Schulden in der Eurozone würde sich in Europa aber eine ähnliche Situation wie in den USA ergeben, in der ein Finanzminister die Mittel der Zentralregierung in jene Staaten transferieren kann, die sie benötigen.

Im Falle Europas wären das die Mitglieder der ­Eurozone. Der Souveränitätsverlust, der damit zwangsläufig einherginge, ist in meinen Augen für Länder wie Deutschland oder Frankreich zu unattraktiv, um in absehbarer Zeit Realität zu werden.

Das andere große Problem: Der Plan, dass die wohlhabenderen Länder der Eurozone die Peripheriestaaten finanzieren können, wird schlicht nicht aufgehen. Deutschland muss selbst Schulden in Höhe von rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung stemmen — deutlich mehr als in der Defizitgrenze festgelegt. Eine Finanzierung der angeschlagenen Eurostaaten könnte sich das Land einfach nicht leisten, zumal sich auch die deutsche Konjunktur mittlerweile deutlich abkühlt.

Es gibt dynamischere Regionen als Europa
Ohnehin gleichen gemeinsame Schulden jene Probleme nicht aus, die Investoren an Europas wirtschaftlicher Zukunft zweifeln lassen. Die Welt hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert. Die Europäer beginnen erst langsam, das wirkliche Ausmaß dieser Veränderungen zu begreifen. In sogenannten Schwellenländern wie China oder Indien leben insgesamt drei Milliarden Menschen. Sie sind bereit, härter und für weniger Geld zu arbeiten, als es die Europäer tun.

Das hat die Wettbewerbsfähigkeit Europas bereits geschwächt, und es wird sie weiter untergraben. Die Anpassung an diese neue Realität erweist sich meiner Meinung nach bestenfalls als schleppend. Daran ändern auch Eurobonds nichts.

zur Person:

Ariel Bezalel ist seit 1997 für die ­britische Fonds­gesellschaft Jupiter tätig. Der Anleiheexperte leitet dort unter anderem den Rentenfonds ­Jupiter Dynamic Bond ­SICAV. Bezalel hat Wirtschaft an der Universität ­Middlesex studiert.

Bildquellen: iStock

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