24.06.2013 09:10
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German Pellets: Interview mit Geschäftsführer Peter Leibold zur Unternehmensanleihe

Die German Pellets GmbH plant die Emission einer zweiten Unternehmensanleihe. In den letzten Jahren hat das Unternehmen mehrere Akquisitionen realisiert und ein Pelletwerk in den USA errichtet, bereits im kommenden Jahr soll ein zweites Werk in den USA fertiggestellt werden. Im Gespräch mit dem BOND MAGAZINE erläutert Geschäftsführer Peter Leibold seine Strategie.

BOND MAGAZINE:
Wie entwickelt sich derzeit die Nachfrage nach Holzpellets?
Leibold:
Der Pelletmarkt in Westeuropa entwickelt sich sehr positiv und verzeichnet zweistellige Wachstumsraten, sowohl bei der Neuinstallation von Öfen und Heizungen als auch beim sich daraus ergebenden Pelletverbrauch. German Pellets ist in allen wichtigen westeuropäischen Absatzmärkten vertreten. Das Absatzrisiko ist dadurch stark diversifiziert. Getrieben wird das Marktwachstum u.a. von hohen und steigenden Preisen für fossile Energien und vom immensen Modernisierungsbedarf im Heizungsmarkt. In Deutschland verzeichnen wir Zuwachsraten von 20 bis 30% beim Pelletkesselabsatz, sodass aktuell über 300.000 Pelletheizungen und -öfen installiert sind. Ähnlich dynamisch ist die Entwicklung in anderen Ländern Mitteleuropas. In Österreich wurde Ende vergangenen Jahres die 100.000. Pelletheizung eingebaut. Mit 12,5 Pelletheizungen pro 1.000 Einwohner hat Österreich die höchste Dichte in Europa. In Deutschland sind es 2,3 - das belegt, welches Potenzial wir noch im eigenen Land haben. Schauen wir nach Italien, den
mit Abstand größten Markt für Pelletkaminöfen in Europa: Im Mittelmeerraum dienen Holzpelletöfen häufig als einzige Wärmequelle im Haus. 1,5 Millionen solcher Öfen stehen in Italien, jährlich kommen rund 200.000 dazu. Parallel zum Privatverbrauchermarkt steigt auch die Nachfrage nach Holzpellets für gewerbliche Anlagen. Schulen, Kliniken, Industrie- und Gewerbebetriebe, die große Wärmemengen benötigen, stellen auf Pellets um und profitieren vom Preisvorteil, den Holzpellets im Vergleich zu Öl oder Gas bieten. Ein Drittel der 2012 in Deutschland verbrauchten Holzpellets wurde bereits in solchen Anlagen genutzt. Holzpellets dienen im Wesentlichen zur Produktion von Wärme, sie können aber auch in Kraftwerken zur Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt werden. Auch hier steigt aufgrund gegenwärtig laufender und noch geplanter Umstellungen von Kraftwerken die Nachfrage nach Holzpellets an. Besonders dynamisch entwickelt sich dieser Markt in Großbritannien. Dort wurden die Rahmenbedingungen für die Stromerzeugung aus Biomasse signifikant verbessert.

BOND MAGAZINE:
Aber dennoch gibt es in Deutschland ein Überangebot ?
Leibold:
Im Gegenteil. Deutschland ist für andere westeuropäische Länder ein wichtiges Pelletexportland. In Deutschland wurden 2012 rd. 2,2 Mio. Tonnen Holzpellets produziert. Damit ist Deutschland Europameister in der Pelletproduktion. Im Inland verbraucht wurden 1,7 Mio. Tonnen. German Pellets liefert wesentliche Mengen nach Italien, das den Inlandsbedarf nicht aus eigener Kraft decken kann. Gleiches gilt beispielsweise für Dänemark, Österreich, Belgien und Großbritannien. Gleichzeitig führen wir Pellets aus baltischen Staaten und Amerika ein, die in Westeuropa verbraucht werden. Marktstudien gehen davon aus, dass sich der Pelletbedarf in Europa bis 2020 auf bis zu 60 Mio. Tonnen annähernd vervierfacht. Wir haben gerade ein erstes Pelletwerk in den USA in Betrieb genommen, für ein weiteres erfolgt der Baubeginn in Kürze. In den USA stehen nach dem Einbruch in der amerikanischen Papier- und Holzwerkstoffindustrie große Rohstoffmengen zur Verfügung. Die daraus produzierten Pellets können den Pelletbedarf in Europa mitdecken, insbesondere bei saisonal bedingten Schwankungen in der Verfügbarkeit, zum Beispiel im Winter, wenn der Pelletbedarf besonders hoch ist, aber weniger Rohstoff zur Verfügung steht.

BOND MAGAZINE:
Wie hoch ist aktuell der Preisvorteil von Pellets gegenüber fossilen Brennstoffen?
Leibold: Im Vergleich zu Öl haben wir in Deutschland gegenwärtig einen Preisvorteil von 35 bis 4%0, in anderen Ländern ist der Preisvorteil noch deutlich höher, weil fossile Brennstoffe dort noch teurer sind. Der Preisvorteil von Holzpellets im Vergleich zu konventionellen Energieträgern ist seit Jahren konstant. Ich gehe davon aus, dass das auch in Zukunft so bleiben wird. Allein im vergangenen Jahr hat sich Heizöl in Deutschland im Schnitt um 17% verteuert, Erdgas um 14%, hat der Energiedienstleister Techem ermittelt. Nicht unerheblich ist auch die Energieeinsparung aufgrund des besseren Wirkungsgrades einer neuen Pelletheizung. Der Heizungsbestand in Deutschland ist so alt, dass Experten davon ausgehen, dass allein durch den Austausch der Heizungen ein Drittel Energie eingespart werden könnte. Heißt also: Wer seine alte Ölheizung gegen eine neue Pelletheizung eintauscht, spart 30% Brennstoff ein, der dann auch noch 35 bis 40% preiswerter ist.

BOND MAGAZINE: Wie hat sich Ihr Geschäft seit Begebung der ersten Anleihe 2011 entwickelt und wofür haben Sie die Mittel eingesetzt?
Leibold:
Wir haben unsere Wachstumspläne realisiert. Der Konzernumsatz ist seit 2010 von 159 auf 519 Mio. Euro gestiegen. Mit dem Emissionserlös aus der Anleihe 2011 konnten wir unsere Produktionskapazitäten erweitern und durch gezielte Zukäufe unser Händlernetzwerk ausweiten und somit weitere Marktanteile gewinnen. Im Sommer 2011 haben wir die FireStixx-Unternehmensgruppe, ein erfolgreiches Pellethandelshaus mit wesentlichen Marktanteilen in Deutschland, Österreich und Italien, übernommen. 2012 wurde die österreichische Glechner-Gruppe mit der Holzpelletmarke "Hot?ts" , einem Direktvertrieb und drei Produktionsstandorten in die Gruppe integriert. In allen westeuropäischen Ländern haben wir nennenswerte Marktanteile dazu gewonnen und uns auch zu einem Handelshaus für den europäischen Pelletmarkt entwickelt. Wir haben aufgrund dieser Entwicklungen die Möglichkeit, Märkte aktiv und positiv mitzugestalten.

BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie die Mittel aus der zweiten Anleihe verwenden?
Leibold:
Konkret investieren wir das Kapital in den Ausbau unseres internationalen Lager- und Logistiksystems für Holzpellets. Darüber hinaus wollen wir durch weitere Rationalisierungsmaßnahmen die Effizienz unserer Werke steigern. Nach der erfolgreichen Emission der Anleihe 2011 hat sich dieses Kapitalmarktinstrument für unser Unternehmen als Finanzierungsbaustein bewährt und etabliert. Wir blicken der Emission unserer zweiten Anleihe daher sehr positiv entgegen.

BOND MAGAZINE:
Ihr erstes US-Werk wird zurzeit in Texas in Betrieb genommen. Ab wann können Sie produzieren?
Leibold: Die Inbetriebnahme läuft bereits. Alle Beteiligten haben erwartet gute Arbeit geleistet, sodass wir nach kurzer Zeit volle Kapazität erreichen werden. Parallel zum Werk haben wir im Hafen von Port Arthur ein von der Größe her für die Pelletindustrie wegweisendes Lager und eine Verladeeinrichtung gebaut, die kurz vor der Fertigstellung steht. Von dort werden die Holzpellets nach Europa verschifft.

BOND MAGAZINE:
Auch im holzreichen US-Bundesstaat Louisiana planen Sie ein Werk. Wann soll dieses in Betrieb gehen und sollen auch von diesem Werk europäische Kraftwerkskunden beliefert werden?
Leibold:
Demnächst beginnt der Abriss des ehemaligen Georgia-Pacific-Werkes auf dem Grundstück. Dann folgt der Neubau. Fertigstellung wird 2014 sein. Auch für Mengen aus dem Werk in Louisiana haben wir bereits langfristige Abnahmeverträge.

BOND MAGAZINE:
Sind die Pellets aus den USA trotz der Transportkosten günstiger als hier produzierte Pellets?
Leibold: Auf beiden Seiten des Atlantik zu produzieren, macht das Unternehmen krisenresistenter und steigert die Wettbewerbsfähigkeit. Im Süden der USA stehen, nachdem andere Abnehmer wie Papier- und Holzwerkstoffindustrie weggefallen sind, große Mengen Rohstoff für die Pelletproduktion zur Verfügung. In Louisiana beispielsweise ist die Nutzung von Rundholz allein zwischen 2007 und 2009 um 26% zurückgegangen. Für dieses Holz haben amerikanische Waldbesitzer in den vergangenen Jahren keine Abnehmer gefunden und sind heute entsprechend froh, dass mit der Pelletindustrie wieder ein Markt für diese Holzsegmente, die die Sägeindustrie nicht nutzen kann, entsteht. Früher wurde daraus Papier hergestellt, heute Pellets. In den Regionen um die Werke entstehen Hunderte neuer Jobs. Wir transportieren die Holzpellets per Schiff nach Europa. Diese fassen bis zu 60.000 Tonnen Holzpellets, entsprechend wirtschaftlich sind die Logistikkosten. Wir gehen davon aus, dass Pellets von außerhalb der Versorgungssicherheit in Europa dienen, denn an erster Stelle steht der Verbraucher. Das Wichtigste neben dem Preisvorteil ist für ihn die Versorgungssicherheit.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.

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Literaturhinweis: BOND YEARBOOK 2012/13 -
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Renommierte Autoren und Interviewpartner nehmen Stellung zu den Themenfeldern High Yield-Anleihen, Mittelstandsanleihen, Covered Bonds, Investmentstrategien sowie Tax & Legal. Das jährliche Nachschlagewerk erscheint bereits im 4. Jahrgang und hat einen Umfang von 108 Seiten. Die Ausgabe kann zum Preis von 29 Euro beim Verlag bezogen werden:
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2012-11/Flyer_Bestellformular_BondBook_12_13.pdf
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Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.
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