aktualisiert: 23.02.2011 16:40
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CFDs: Die Jagd nach schnellem Geld

Zocken, was das Zeug hält: Dank der Hausse sind die Trader zurück an den Bildschirmen
Hebelinvestments
Deutschland wird zum Eldorado für Zocker. So wünschen es sich zumindest die Anbieter sogenannter Contracts for Differences. Mit welchen Produkten sie neue Kunden gewinnen wollen.
€uro am Sonntag

von Jens Castner, €uro am Sonntag

Mit den steigenden Kursen am Aktienmarkt kehrt die Lust am Zocken zurück: CFD-Anbieter verzeichnen nach einem Durchhänger im ersten Halbjahr 2010 wieder zweistellige Wachstumsraten. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Deutsche Bank und Commerzbank stehen dem Vernehmen nach kurz vor dem Einstieg ins CFD-Geschäft.

S-Broker ist bereits einen Schritt weiter und bietet seit vorvergangener Woche – ähnlich wie Flatex oder die dänische Saxo Bank – den Handel von Aktien, Anleihen, Zertifikaten und CFDs über ein einziges Konto an. Bei den bisherigen Schwergewichten CMC Markets, Marketindex und IG Markets hingegen sind nur CFDs möglich. Wer andere Finanzprodukte erwerben will, benötigt ein weite­res Depot bei einer Bank oder einem Onlinebroker.

Zusätzlich buhlen unablässig neue Anbieter aus dem Ausland um die Gunst der Trader. Obwohl die Deutschen in den zurückliegenden Jahren nicht eben durch hohe Affinität zum Thema Börse glänzten, ist das einwohnerstärkste Land Europas offenbar ein Eldorado für die Branche. Allerdings: „Der Markt wird nie so groß werden wie in Großbritannien“, prognostiziert Heiko Müller, Deutschland-Geschäftsführer des britischen Devisenhandelsspezialisten Alpari, der die Kundenzahl seit der Eröffnung einer Niederlassung hierzulande im März 2010 von 500 auf aktuell immerhin 4500 steigerte. Müller: „Die Deutschen wetten auch weniger bei Pferderennen – eine Frage der Mentalität.“

Platzhirsch CMC Markets studiert die deutsche Mentalität schon seit einigen Jahren – und will die dabei gewonnenen Erkenntnisse in die nächste Generation von CFDs ein­fließen lassen, die auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart (18. bis 20. März) vorgestellt wird. Dass nicht viel beim Alten bleiben wird, steht jetzt schon fest; sogar der Begriff CFD soll durch eine griffigere Bezeichnung ersetzt werden. Ziel des Neustarts sei, sagt Deutschland-Chef Stefan Riße, „die breite Masse von Anlegern zu erschließen“. Was für Heavy-Trader alltäglich ist, erscheint konservativeren Investorenschichten bisweilen als Buch mit sieben Siegeln. „In Zukunft wird der Aufbau der Konten der Logik eines herkömmlichen Depots folgen“, verspricht Riße deshalb. „Wir wollen ein komplexes Geschäft etwas weniger komplex machen.“


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Neuer Produktname, mehr Übersicht, höherer Bedienkomfort und stylisheres Design allein werden aber nicht ausreichen, um die Marktführerschaft im gnadenlosen Konkurrenzkampf zu behaupten, dessen ist sich Riße bewusst. Wichtiger deshalb: Orderkommissionen werden abgeschafft, neue Produkte wie Cash Commodities (Rohstoffe ohne Contango-Verluste) eingeführt. Es reicht eben angesichts des zunehmenden Wettbewerbs nicht mehr, einfach nur CFD-Handel anzubieten, jeder Broker braucht Alleinstellungsmerkmale, um bei potenziellen Kunden Punkte zu sammeln. Dabei setzen die einen auf günstige Preise und enge Spreads, etwa durch direkten Zugang zu den liquidesten Handelssystemen. Andere schwören auf Transparenz, etwa durch Börsenhandel oder „CFDs made in Germany“, wie sie bei S-Broker oder Flatex angeboten werden.

Damit die wiedererwachte Lust am Zocken nicht zum Verlustgeschäft wird, können weniger erfahrene Investoren (oder erfahrene, die selbst nicht das Talent zum Trader haben) auch andere für sich arbeiten lassen: Ayondo, ein junges Unternehmen in Frankfurt, bietet die Mög­lichkeit, Handelssignale von erfolgreichen Tradern zu abonnieren und Orders – angepasst an die jeweilige Depotgröße und das individuelle ­Risikoprofil – gleich in Echtzeit mit ausführen zu lassen. Damit sich Anleger nicht an Hasardeure dranhängen, müssen die Signalgeber einen Zertifizierungsprozess durchlaufen, bei dem nicht allein die Performance, sondern auch die eingegangenen Risiken bewertet werden.

Die Besten schafften bei recht moderaten Kursschwankungen über 100 Prozent seit Mitte 2010. 66 Profi-Trader dürfen inzwischen Signale liefern, 300, darunter ein derzeit arbeitsloser Hedgefondsmanager alias „SucheJob“, befinden sich noch im Zertifizierungsprozess. Ayondo hat inzwischen 15000 User gewonnen und ist gerade dabei, ins Ausland zu expandieren. Auch wenn Ayondo selbst kein Broker ist, sondern mit Adressen wie AVA FX, Activetrades und demnächst auch ­Alpari zusammenarbeitet, zeigt das Beispiel, dass nicht nur Ausländer in den deutschen Markt drängen. Mit dem richtigen Konzept lässt sich der Spieß auch umdrehen.

CFDs: Die 10 beliebtesten Basiswerte*

1. DAX
2. Euro/US-Dollar
3. Dow Jones
4. S & P 500
5. Nasdaq 100
6. Britisches Pfund/Euro
7. Euro Stoxx 50
8. US-Dollar/Yen
9. Euro/Yen
10. Deutsche Börse (Aktie)

*seit Anfang 2010, Quelle: IG Markets

Investor-Info

CFDs Noch mehr
Rendite mit Hebel

Rallys wie bei Sky oder ProSiebenSat.1­ sind ein gefundenes Fressen für Trader. Aber auch bei den etwas behäbigeren Titeln sind zwei- oder dreistellige Renditen drin, wenn man die Sache richtig angeht. Hier bieten sich Contracts for Difference, kurz CFDs, an. Bei dieser Art von Produkten können Anleger den Hebel selbst bestimmen. Wer sich für den Faktor 10 entscheidet, verdoppelt den Einsatz bereits, wenn die gehandelte Aktie zehn Prozent zulegt.

Handel Wie an
der Terminbörse

Wer CFDs handeln möchte, muss ein Konto (neudeutsch: Account) bei einem der zahlreichen Anbieter eröffnen. Der auf dieses Konto eingezahlte Betrag wird auch als Sicherheitsleistung (Margin) bezeichnet. Ähnlich wie an den Terminbörsen muss nicht die komplette Position bezahlt werden, sondern die Margin bestimmt, wie viele Kontrakte gehandelt werden können. Bei CFD-Anbietern, die maximale Hebel von 100 oder 200 zulassen, können mit 1000 Euro Guthaben bereits sechsstellige Summen bewegt werden.

Tipps Nichts für
ungeübte Anleger

Der CFD-Handel ist nicht jedermanns Sache. Bevor Anleger sich auf das heiße Spiel mit hohen Hebeln einlassen, sollten sie ausreichend Erfahrung mit Aktien und Derivaten gesammelt haben – oder zumindest mit einem Demokonto (das bieten nahezu alle CFD-Broker an) so lange geübt haben, bis sie sich ihrer Sache sicher sind. Allerdings: „Es ist ein gravierender Unterschied, ob man mit virtuellem oder echtem Geld handelt“, sagt Kemal Bagci von Marketindex, der CFD-Plattform der Royal Bank of Scotland. Er rät deshalb, am Anfang nur kleine Positionen einzugehen und enge Stopps zu setzen, falls es nicht läuft: „Beim ersten Mal sollte man nicht mehr riskieren als ein Mittagessen.“ Überhaupt liegt das Geheimnis darin, Verluste klein zu halten und Gewinne laufen zu lassen. „Am erfolgreichsten“, das hat Stefan Riße von CMC Markets beobachtet, „sind Trader, die Verlustpositionen sofort killen.“

Rohstoffhandel
CFDs besonders kostengünstig

Vor allem im Rohstoffhandel sind CFDs eine besonders kostengünstige Möglichkeit für Privatanleger, in einem Markt mitzumischen, der sonst weitgehend Profis vorbehalten bleibt. Baumwollkontrakte zum Beispiel haben nahezu alle Anbieter im Programm. Interessenten sollten mehrere Broker testen, bevor sie sich entscheiden, wem sie ihr Geld anvertrauen. Denn einer der häufigsten Kritikpunkte sind (angeblich) unfaire Preisstellungen, über die Anleger meist dann klagen, wenn sie Geld verloren haben. Damit das nicht zu oft passiert, bieten die meisten CFD-Broker inzwischen umfangreiche Schulungen wie Seminare oder Webinare an und bemühen sich, etwa durch den CFD-Verband, um Transparenz.

Markt
Große Banken vor Einstieg

Im Unterschied zu Optionsscheinen und Zertifikaten sind CFDs in der Regel keine börsengelisteten Produkte. Sollten nach der Royal Bank of Scotland mit Deutscher Bank und Commerzbank tatsächlich zwei weitere große Institute in den Markt einsteigen, die auch ein starkes Derivategeschäft haben, könnten beide Welten über kurz oder lang zusammenwachsen. Auch bei Zertifikaten und Optionsscheinen läuft heute schon ein großer Teil des Geschäfts über außerbörsliche Plattformen.

Börsenhandel
Bayerisches Schmankerl

Mit dem Handelssegment Contrex bietet die Bayerische Börse in München ein reguliertes Handelssegment für CFDs an. Im Unterschied zu den sogenannten Market­maker-Modellen, bei denen der CFD-Anbieter auch gleichzeitig die Kurse stellt, fungiert hier die Handels­überwachung als neutrale Schiedsstelle. Zugleich bietet die Bayerische Börse eine Bestpreisgarantie, die sich an den Xetra-Spreads orientiert. Über Contrex können Kunden der FXdirekt Bank und von Cortal Consors handeln.

Direct Market Access
An dunklen Börsen mitmischen

Einige wenige CFD-Broker bieten Direct Market Access (DMA) an, eine mögliche Alternative zum regulierten Börsenhandel. Hier wird die Order direkt in das Handelssystem der jeweiligen Börse durchgeleitet, die Ausführung erfolgt zum dort gültigen Kurs. Als einziger Anbieter in Deutschland ermöglicht IG Markets Privatanlegern ­Zugang zu den Handelsplattformen Chi-X und Turquoise, über die institutionelle Anleger (vor allem Banken) heute schon mehr Transaktionen abwickeln als über die tradi­tionellen Börsen. An diesen sogenannten dunklen Börsen sind die Spreads wegen der höheren Liquidität in der Regel enger als beispielsweise auf Xetra. Ähnlich verhält es sich im Devisenhandel bei der institutionellen Plattform Currenex, auf der Alpari-Kunden bereits ab 10000 Dollar handeln können (sonst gilt eine Million als Minimum).

Nachschusspflicht
Totalverlust plus x?

CFD-Positionen müssen nicht vollständig bezahlt werden, sondern es wird eine Sicherheitsleistung auf einem Margin-Konto hinterlegt. Die Höhe des Kontoguthabens bestimmt den Hebel. Wer mit 5000 Euro Guthaben den Gegenwert einer halben Million handelt, hebelt also 100-fach. Klingt verlockend, doch der Schuss kann nach hinten losgehen. Wenn das Margin-Konto ins Minus rutscht, verlangt der Broker einen Nachschuss, was bedeutet, dass der Verlust 100 Prozent des eingesetzten Kapitals übersteigen kann. Alle CFD-Anbieter bauen Sicherheitsmechanismen ein, um diesen Worst Case zu verhindern. Bei S-Broker zum Beispiel werden Kunden gewarnt, wenn der Kontostand unter 500 Euro rutscht, ab 300 Euro Restguthaben werden die offenen Positionen zwangs­liquidiert. Trotzdem kann es bei extremen Markt­bewe­gungen zur Nachschusspflicht kommen. Einzig RBS-Marketindex verzichtet auf Nachschüsse (CMC Markets beim konservativeren Investment-Account ebenfalls). Unter normalen Umständen kommt es freilich gar nicht so weit, da auch hier die Zwangsliquidierung erfolgt, sobald sich der Kontostand dem kritischen Bereich nähert.

Vermögensverwaltung
Den besten Anonymen folgen

Vermögensverwaltung per CFDs? Was abenteuerlich anmutet, ist in Russland bereits Realität. Mit großem Erfolg bietet Alpari dort die Möglichkeit, am Know-how ausgewiesener Devisenexperten zu partizipieren. Da das Ganze anonymisiert wurde, weiß der Kunde nicht, wem er sein Geld anvertraut – er entscheidet sich aufgrund von Perfor­mancedaten einfach für denjenigen der für Alpari tätigen Top-Ten-Vermögensverwalter, der seiner persönlichen ­Risikoneigung am meisten entspricht. Dessen Transaktio­nen folgt er mit seinem Konto („Managed Account“) eins zu eins. Das Konzept soll über kurz oder lang auch in Deutschland angeboten werden. Ähnlich wie bei Alpari läuft es bei Ayondo, allerdings sind die Trader, mit denen Anleger mithandeln können, nicht unbedingt Vermögensverwalter. Oft sind die zertifizierten Signalgeber auch versierte Privatanleger oder Hedgefondsmanager auf Jobsuche, die sich auf diese Weise empfehlen wollen.

Bildquellen: Julian Mezger
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12:36 UhrCommerzbank OutperformMacquarie Research
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02.09.2014Commerzbank overweightHSBC
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11:06 UhrCommerzbank NeutralBNP PARIBAS
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