19.12.2012 06:37
Bewerten
 (0)

Hoffnung auf schwachen Yen - Fokus der neuen Regierung liegt auf der Deflation

von Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank Sarasin & Cie AG

Shinzō Abe, der neu gewählte japanische Ministerpräsident, wird den Fokus seiner Politik auf die Bekämpfung der Deflation richten. Ein schwächerer Yen könnte den Teufelskreis hoher Staatschulden und sinkender Preise durchbrechen. Japanische Exporteure würden von einem schwächeren Yen profitieren, während die importierte Inflation steigen würde. Wird Abe gelingen, was seinen Vorgängern (und schließlich ihm selbst) im vergangen Jahrzehnt nicht gelungen ist?

Ein direktes Eingreifen in die Geschehnisse der Devisenmärkte ist ein naheliegendes Instrument. Die Bank of Japan (BoJ) hat in der Vergangenheit mehrfach versucht, den Yen mit Devisenkäufen zu schwächen. Der erhoffte negative Effekt auf den Yen blieb jedoch mehrheitlich aus. Die einzige Intervention mit einem maßgeblichen Währungseffekt fand im März 2011 kurz nach Fukushima statt. Allerdings hatte die BoJ damals die volle Unterstützung der US-Fed sowie der Zentralbanken der übrigen G7 Staaten. Heute kann die BoJ nicht mit internationaler Unterstützung rechnen.

Um einen andauernden Währungseffekt zu bewirken, müsste sich die BoJ stärker verpflichten und dem Schweizer Vorbild folgen. Bei einer USD-Untergrenze müsste die BoJ jedoch mit politischem Widerstand rechnen. Im Gegensatz zur Schweiz ist Japan eine große Volkswirtschaft; der Yen ist sodann fair bewertet. Japan wird das politische Klima mit den USA nicht belasten wollen - zumal sich Japan bereits im Inselstreit mit China befindet - und wird auf eine Untergrenze verzichten.

Anstelle von Deviseninterventionen könnte die BoJ versuchen, durch quantitative Geldpolitik (QE) die japanische Währung zu schwächen. Normalerweise führt QE zu niedrigeren Zinsen. Die Attraktivität der Anleihen dieses Währungsgebietes nimmt ab und führt damit zu einer geringeren Nachfrage nach der jeweiligen Währung. Da die japanischen Anleihen jedoch vorwiegend in einheimischen Händen liegen, funktioniert dieser Transmissionsmechanismus weniger gut. Quantitative Maßnahmen der BoJ könnten sogar zu einem stärkeren Yen führen, da sie dem japanischen Aktienmarkt Auftrieb verleihen und ausländische Anleger vermehrt in den Nikkei investieren. Tatsächlich ist der Yen im Jahr 2011 in den zwei Monaten nach der Ankündigung von QE-Maßnahmen im Durchschnitt gestiegen.

Der direkte Währungseinfluss seitens der japanischen Geld- und Devisenpolitik ist somit limitiert. Der Haupttreiber des USD-JPY-Wechselkurses werden die Zinsdifferenzen zwischen den USA und Japan bleiben. So lange sich die USA auf dem Pfad der Erholung befinden, dürfte sich der Yen weiter abschwächen. Bricht die sich abzeichnende Erholung der US-Wirtschaft im Rahmen des von der Bank Sarasin angenommenen Konjunkturszenarios im zweiten Quartal 2013 ab, werden Anleger erneut den defensiven Währungen den Vorrang geben. In diesem Umfeld wird der Yen zu den Gewinnerwährungen zählen.

----------------------------------------
Soeben erschienen: BOND YEARBOOK 2012/13 -
Das Nachschlagewerk für Anleiheinvestoren und -Emittenten
Renommierte Autoren und Interviewpartner nehmen Stellung zu den Themenfeldern High Yield-Anleihen, Mittelstandsanleihen, Covered Bonds, Investmentstrategien sowie Tax & Legal. Das jährliche Nachschlagewerk erscheint bereits im 4. Jahrgang und hat einen Umfang von 108 Seiten. Die Ausgabe kann zum Preis von 29 Euro beim Verlag bezogen werden:
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2012-11/Flyer_Bestellformular_BondBook_12_13.pdf
----------------------------------------



Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.
Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Heute im Fokus

DAX geht schwächer ins Wochenende -- MorphoSys-Aktie und Roche-Aktie fallen kräftig -- US-Börsen in der Gewinnzone -- GfK-Konsumklima auf höchstem Stand seit acht Jahren

BayernLB verklagt Ecclestone. Euro gibt leicht nach. Studio Babelsberg erwartet für 2014 Millionenverlust. Sartorius verkauft Sparte. Ölpreise deutlich gestiegen. Verdi ruft an vier Amazon-Standorten zu Streiks bis Heiligabend auf. Allianz stimmt Vergleich nach Amoklauf von Winnenden zu. Facebook will mehr über Datenschutz informieren.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Welche Unternehmen sind am attraktivsten für Informatiker?

Diese Flughäfen werden hoch frequentiert

Umfrage

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich mit Haut und Haar für das Freihandelsabkommen mit den USA stark machen. Was halten Sie von TTIP?

Anzeige