15.11.2012 10:39
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Starke Schwellenstaaten

Hohes Wachstum: Starke Schwellenstaaten | Nachricht | finanzen.net
Hohes Wachstum
Die Zeiten, in denen Anleger mit Schwellenländer-Anleihen unüberschaubare Risiken eingehen, gehören der Vergangenheit an. Das Gros der Emerging Markets erzielt nicht nur Wachstumsraten, von denen die westlichen Industriestaaten träumen können.
Auch die Staatsverschuldung sowie die hohen Inflationsraten haben viele der aufstrebenden Volkswirtschaften in den Griff bekommen.

Zahlreiche Anleger befürchten offenbar, dass die Euro-Schuldenkrise noch längst nicht gelöst ist – trotz der Ankündigung der Europäischen Zentralbank, notfalls in unbegrenztem Umfang Anleihen von in Schieflage geratenen Euro-Staaten aufzukaufen. Wie verunsichert Anleger sind, signalisieren vor allem die weiterhin extrem niedrigen Renditen vermeintlich sicherer Staatsanleihen. So werfen zehnjährige Bundesanleihen gerade mal eine Rendite von knapp 1,4 Prozent ab, während US-Treasurys mit einer Laufzeit von zehn Jahren in etwa eine jährliche Rendite von 1,6 Prozent bieten. Dies bedeutet: Sparer, die derzeit lediglich Sicherheit suchen, akzeptieren unterm Strich – also nach Abzug der Inflation – eine negative Rendite.

Attraktives Chance-Risiko-Verhältnis

Risikofreudige Anleger, die ihre Ersparnisse real vermehren möchten, können etwa ihren Blick auf nachrangig besicherte Anleihen, Unternehmensbonds aus den Non-Investment-Bereich oder strukturierte Anleihen richten. Ein besonders attraktives Chance-Risiko-Verhältnis weisen in Euro laufende festverzinsliche Wertpapiere der sogenannten Schwellenstaaten auf. Mit solchen Bonds sind abhängig von der Laufzeit aktuell jährliche Renditen von über 5 Prozent möglich.

Fakt ist zwar, dass Investoren – sobald die Nervosität an den globalen Kapitalmärkten ansteigt – zeitnah den Emerging Marktets den Rücken kehren und ihr Vermögen in vermeintlich sicherere Anlagen umschichten. Richtig ist aber auch, dass Schwellenländer-Anleihen Krisen schneller verdauen als andere Asset-Klassen. So haben Emerging-Markets-Bonds bereits im Frühjahr 2009 das Niveau von vor der Lehman-Pleite erklommen; so zügig wie keine andere Asset-Klasse.

Hohes Wachstum, niedrige Schuldenquote

Zudem bleibt abzuwarten, ob Investoren auch künftig bei steigender Nervosität an den Börsen zunächst ihren Schwellenländer-Anteil herunterfahren werden. Schließlich hat das Gros der aufstrebenden Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte erzielt und damit einhergehend auch die Risiken für Anleger reduziert. Dass die Emerging Marktes die richtigen Weichen gestellt haben, ist nicht nur an den Wachstumsraten abzulesen, die ein deutlich höheres Niveau aufweisen als die BIP-Anstiege in den westlichen Industrienationen. Auch die enorm hohen Inflationsraten vergangener Dekaden haben viele Schwellenstaaten mittlerweile in den Griff bekommen. Hinzu kommt, dass die Emerging Markets in den vergangenen Jahren ihre Staatsschulden stetig reduzieren konnten, während die Verbindlichkeiten in den Industrieländern immer neue Negativrekorde erzielen. Konkret bedeutet dies: Während die etablierten Volkswirtschaften im Schnitt mit rund 100 Prozent des BIP in der Kreide stehen, sind die Schwellenstaaten durchschnittlich lediglich mit etwa 40 Prozent der Wirtschaftsleistung verschuldet.

Die positiven Entwicklungen vieler Emerging Markets werden auch von den Ratingagenturen honoriert. So haben die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der Schwellenstaaten in den vergangenen zwei Jahren rund 100 Mal hochgestuft, die der westlichen Industrieländer hingegen in etwa 100 Mal gesenkt.

Risikofrei sind Schwellenländer-Anleihen freilich dennoch nicht. Um die Restrisiken zu reduzieren und die Volatilität zu begrenzen, sollten vor allem weniger wagemutige Anleger ihren Blick nicht nur auf einzelne Anleihen richten, sondern eher auf einen breitgestreuten Emerging-Markets-Fonds. Damit wird nicht nur Profis die Auswahl der vielversprechenden Anleihen übertragen. Auch das Risiko eines Totalverlustes wird auf mehrere Schultern verteilt. Sollte etwa ein Schuldner seine Gläubiger nicht mehr bedienen können, wird dieser Verlust durch die verbleibenden Fonds-Mitglieder kompensiert.

Zum Autor: Franz von den Driesch ist Chefredakteur der Webmagazine AnleihenMonitor, Ruhestandsmonitor und econoafrica. Die Portale sind redaktionell unabhängig und werden von Wirtschaftsjournalisten mit langjähriger Berufserfahrung betreut. Für die monatlich kostenlosen Newsletter der Webmagazine können sich Anleger auf www.anleihenmonitor.de, www.ruhestandsmonitor.de und www.econoafrica.de anmelden.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: istock/webphotographeer, Linchaupan / Shutterstock.com

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