23.11.2012 12:13
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Angst frisst Rendite

Inflationsgeschütze Bonds
Deutschland hat jüngst eine neue inflationsgeschützte Anleihe auf den Markt gebracht und auch Italien stockte zwei der sogenannten Linker auf. Doch anders als der Name vermuten lässt, müssen Anleger auch mit diesen Papieren derzeit eine negative Realrendite akzeptieren.
Der Goldpreis steigt – abgesehen von kurzfristigen Kursdellen – seit Jahren stetig an, Immobilien verkaufen sich blendend und Linker sind ebenfalls gefragt wie kaum zuvor. Kurzum: Anleger fürchten scheinbar einen kräftigen Anstieg der Inflation und suchen Schutz vor einer schleichenden Geldentwertung. Noch hat die Inflation zwar kein beunruhigendes Niveau erreicht; im Oktober lag die Rate hierzulande bei 2,0 Prozent. Doch Vorsicht: Auf mittel- und langfristige Sicht birgt der Beschluss der EZB, im Notfall unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, erhebliche Inflationsrisiken.

Schleichende Geldentwertung

Ohne Inflationsschutz kann die Kaufkraft im Laufe der kommenden Jahre vor allem aufgrund der sehr expansiven Geldpolitik der weltweit wichtigsten Notenbanken enorm schwinden. So schrumpft die Kaufkraft bei einer unterstellten Teuerungsrate von jährlich 4 Prozent in nur zehn Jahren von aktuell 100 Euro auf nur noch knapp 68 Euro.

Mit Linkern können sich Anleger gegen eine schleichende Geldentwertung schützen. Grund: Sowohl die jährliche Zinszahlung als auch der Rückzahlungsbetrag sind an die Entwicklung eines Preisindex – häufig der in der Europäischen Union erhobene harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) – gekoppelt. So weit, so gut.

Fakt ist jedoch, dass vor allem aufgrund der zuletzt gestiegen Inflationsangst vieler Investoren und der damit einhergehenden kräftigen Nachfrage nach diesen Papieren mittlerweile auch die reale Rendite von heimischen Linkern ins Minus gerutscht ist. So rentiert etwa der Linker der Bundesrepublik Deutschland mit Fälligkeit April 2018 (ISIN: DE0001030534) mit minus 0,4 Prozent. Einziger, wenngleich schwacher Trost: Im Vergleich zu traditionellen Bundesanleihen fällt das reale Minus geringer aus. So liegt die reale Rendite traditioneller Staatsanleihen mit vergleichbarer Restlaufzeit aktuell bei etwa minus 1,6 Prozent.

Wette auf die Zukunft

Ob Anleger nun mit Linkern oder "normalen" Bundesanleihen ein besseres Geschäft machen, ist von der künftigen Entwicklung der Inflation abhängig. Die Schwelle, ab der diese Papiere lukrativer sind als traditionelle Bonds, heißt im Fachjargon Break-even-Inflationsrate. Sie errechnet sich aus dem Renditeunterschied einer konventionellen Anleihe und einer inflationsgeschützten. Vereinfacht ausgedrückt spiegelt sie die erwartete Preisentwicklung bis zur Fälligkeit wider, die auf Sicht der kommenden zehn Jahre derzeit bei gut 1,7 Prozent liegt. Fällt die tatsächliche Teuerungsrate höher aus als die Break-even-Inflationsrate vermuten lässt, lohnen sich Linker eher als herkömmlichen Bonds – und umgekehrt.

Da die reale Rendite bereits ins Minus gerutscht ist, erfüllen diese Papiere für Anleger, die nun erst einsteigen, nicht mehr ihren eigentlichen Zweck; sprich: eine reale Rendite zu erwirtschaften. Interessant sind diese Bonds daher mittlerweile nur noch für Anleger, die eine kräftig steigende Inflation erwarten und sich vor einer noch höheren Geldentwertung schützen wollen. Alle anderen Investoren sollten bedenken: Mit ein wenig Risiko sind trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfelds immer noch reale Renditen – beispielsweise mit Schwellenländer-Anleihen – möglich.

Franz von den Driesch ist Chefredakteur der Webmagazine AnleihenMonitor, Ruhestandsmonitor und econoafrica. Die Portale sind redaktionell unabhängig und werden von Wirtschaftsjournalisten mit langjähriger Berufserfahrung betreut. Für die monatlich kostenlosen Newsletter der Webmagazine können sich Anleger auf www.anleihenmonitor.de, www.ruhestandsmonitor.de und www.econoafrica.de anmelden.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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