15.05.2013 17:05
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DF Deutsche Forfait: Exportfinanzierer auf Wachstumskurs

DF Deutsche Forfait: Exportfinanzierer auf Wachstumskurs
Interview
Die DF Deutsche Forfait bietet Exportunternehmen den regresslosen Ankauf von Forderungen. Finanzen.net führte ein Interview mit Marina Attawar, Mitglied des Vorstands der DF-Gruppe, anlässlich der Emission einer Mittelstandsanleihe.
Finanzen.net: Das Geschäftsgebiet Forfaitierung dürfte dem einen oder anderen bereits Probleme beim Buchstabieren bereiten. Können Sie ihr Geschäftsmodell in zwei oder drei Sätzen kurz erklären?
Marina Attawar:
Die Geschäftstätigkeit der DF-Gruppe besteht hauptsächlich im regresslosen An- und Verkauf von Forderungen aus Exporten in Emerging Markets. Wir kaufen die Forderungen von Exporteuren durch unser internationales Netzwerk an, strukturieren sie und verkaufen diese an Investoren wie z.B. Banken weiter. Das verschafft den Exporteuren schnell Liquidität und Risikoentlastung, den Investoren eine attraktive Rendite und wir verdienen an der Marge zwischen An- und Verkauf. Dabei ist das Marktumfeld derzeit günstig, denn der Anteil der Emerging Markets am Welthandel steigt stetig und die Forfaitierung ist hier besonders geeignet.

Inwiefern betreffen die bis dato ungelösten Staatsschuldenkrisen die Zukunftsperspektiven ihres Unternehmens?
Die Staatsschuldenkrise hat nur geringe Auswirkungen auf unser Geschäft. Ein positiver Effekt sind die daraus resultierenden niedrigen Zinsen, die unsere Handelsforderungen mit höheren Renditen für Investoren noch attraktiver machen. Unser Markt ist der Welthandel, der im vergangenen Jahr ein Volumen von 12,5 Billionen Euro umfasste. Da bleibt genügend Potenzial für unser Geschäft – unabhängig von Konjunkturrisiken.

Ihre Kunden exportieren Waren in die entlegensten Winkel dieser Welt. Wie können Sie sich als mittelständisches Unternehmen gegenüber großen, international vernetzten Banken erfolgreich behaupten?
Das ist ganz einfach. Wir konzentrieren uns nicht auf den Handel zwischen den großen traditionellen Exportnationen wie z.B. zwischen Japan und den USA. In diesem „Standardgeschäft“ sind die Banken viel besser aufgestellt als wir und die Margen sind geringer. Unser Fokus liegt auf dem Handel mit Emerging Markets. Hier verfügen wir über eine langjährige Expertise und viele Banken können und wollen Exporte in diese Länder nicht finanzieren, da sie ein anderes Geschäftsmodell haben.

Das Risikomanagement dürfte in Ihrem Unternehmen einen hohen Stellenwert einnehmen. Wie oft kommt es vor, dass Forderungen ausfallen?
Wir verfügen über ein ausgereiftes Risikomanagementsystem. Die Ausfallquote unserer Forfaitierungsgeschäfte beträgt 0,18 Prozent bezogen auf unser gesamtes Geschäftsvolumen, das wir seit Gründung im Jahr 2000 realisiert haben.

Vorbehaltlich einer vorzeitigen Schließung bieten Sie noch bis zum 24. Mai Anleihen zur Zeichnung an. Mit welchen Konditionen sind diese ausgestattet und wofür soll der geplante Emissionserlös von bis zu 30 Millionen Euro verwendet werden?
Die Anleihe ist mit einem festen Zinssatz von 7,875 Prozent und einer Laufzeit von 7 Jahren ausgestattet. Die Mittel aus der Anleiheemission sollen primär zur Ausweitung des Geschäftsvolumens und dem angekündigten Einstieg ins Fondsgeschäft verwendet werden.

Ein Teil des Fremdkapitals soll dem Aufbau neuer Geschäftsfelder dienen. Worum handelt es sich zum Beispiel beim Trade-Finance-Fondsgeschäft. Ergibt sich dadurch für den Inhaber der Anleihe eine Diversifikation des Anlagerisikos?
Ja, mit dem Fondsgeschäft werden wir ein zusätzliches Standbein schaffen und damit unsere Ertragsbasis verbreitern. Davon profitieren sowohl unsere Aktionäre als auch unsere Anleihe-Investoren. In der vergangenen Woche haben wir die Genehmigung für das Fondskonzept von der Regulierungsbehörde im Dubai International Financial Center (DIFC)erhalten, wo das Asset Management der Fonds sitzt. Das heißt wir können jetzt mit der Investorenansprache starten und gehen für den ersten Fonds von einem Volumen von 50 Millionen Euro aus. Das Trade Finance Fonds Konzept erfüllt aus Sicht der DF-Gruppe zwei Funktionen. Zum einen dient es als zusätzliche Platzierungsadresse für unsere Forderungen, zum anderen erzielen wir zusätzliche Einnahmen aus Dienstleistungen für den Fonds.

Welcher Risikofaktor bereitet Ihnen derzeit mehr Kopfzerbrechen, die Unsicherheit bezüglich der weiteren Konjunkturperspektiven oder die labile Verfassung der globalen Finanzsysteme?
Unser Geschäftsmodell hat sich in unterschiedlichen Marktphasen bewährt. Wir haben auch in der Finanzkrise 2009 ein positives Ergebnis erwirtschaftet. Der Vorteil unseres Geschäftsmodells ist, dass es auf realen Warenströmen beruht und wir damit vom steigenden Welthandel profitieren.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Attawar.

Zur Person:

Marina Attawar verantwortet gemeinsam mit Herrn Wippermann den Bereich Markt/Vertrieb, den sie nach Büros und Regionen aufgeteilt haben sowie den Bereich Personal. Frau Attawar war nach Abschluss ihres Studiums der Komparatistik an der Universität Bonn von 1986 bis 1990 zunächst bei der Österreichischen Länderbank in London im Bereich Loans/Trade Finance tätig.
Von 1990 bis 1994 war Frau Attawar in leitender Position im Vertrieb der Oppenheim Forfait GmbH beschäftigt. In den Jahren 1994 bis 1999 war Frau Attawar geschäftsführende Gesellschafterin der BB Aval GmbH. Seit dem Jahr 2000 ist sie Mitglied des Vorstandes der DF Deutsche Forfait AG.

Bildquellen: DF Deutsche Forfait
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