27.10.2012 14:42
Bewerten
 (1)

Laurel-Anleihe: Frisches Geld für modisches Wachstum

Neue Mittelstandsanleihe vom Modeunternehmen Laurèl in der Zeichnung
Interview
Die in der Nähe von München beheimatete Laurèl GmbH bietet Anlegern derzeit eine Unternehmensanleihe zur Zeichnung an. finanzen.net führte ein Interview mit Dirk Reichert, dem Geschäftsführer des Modeunternehmens.
finanzen.net: Unter modebewussten Frauen dürfte das Unternehmen Laurèl um einiges bekannter sein als in der Finanzwelt. Können Sie die wichtigsten Informationen zur Gesellschaft kurz erläutern?
Dirk Reichert:
Es ist richtig, dass uns vor allem modebewusste Damen kennen – das dann aber fast weltweit, denn wir erzielen 50 Prozent unserer Umsätze außerhalb Westeuropas, beispielsweise in China, Russland oder Mexiko. Laurèl ist ein international tätiges Modeunternehmen. Wir entwerfen Damenbekleidung, Taschen, Schuhe und Accessoires und vertreiben diese weltweit unter der Marke „Laurèl“. Unsere Zielgruppe sind moderne Frauen mit Orientierung auf internationale Mode, Klasse und dem Wunsch nach qualitativ hochwertigen Produkten – erschwinglicher Luxus, wenn Sie so wollen. Deshalb haben wir den Anspruch, Produkte in hoher Qualität anzubieten, die feminin und zu jedem Anlass tragbar sind. Unsere Kunden sollen die Marke „Laurèl“ mit „Luxury Ease“ in Verbindung bringen und als Premium-Marke mit Premium-Qualität, Feminität, Glamour, hervorragender Passform und Internationalität verstehen.

Und worin bestehen die Besonderheiten im Vergleich zu anderen Modeunternehmen?
Wir sehen uns selbst an der Grenze zwischen Premium- und Designermode positioniert – durchaus ähnlich wie die größeren Labels Boss Woman oder Max Mara. Viele andere unserer Mitbewerber treffen wir aber nur in Deutschland oder Westeuropa. Das ist eine Besonderheit von Laurèl: Wir sind sehr international. Unsere Marke ist in vielen Ländern eingeführt. Wir sind bereits in starken Zukunftsmärkten wie China oder Russland vertreten und haben dort eine gute Ausgangslage, um unsere Position auszubauen. Auf dieser Basis können wir dann auch in neue Ländermärkte einsteigen, wie später vielleicht einmal Brasilien oder Indien. Insgesamt sind wir heute mit zehn eigenen Stores, 30 Franchiseflächen und über 700 Multi-Brand- und Shop-in-Shop-Flächen in über 40 Ländern vertreten. Wir sehen unsere Stärken also vor allem in unserer starken internationalen Marke, unserer Positionierung im attraktiven Premium-Segment sowie unserem erfolgreichen und international ausbaufähigen Retail-Konzept.

Mode und Börse haben eine große Gemeinsamkeit: Beide sind in hohem Maße von Trends abhängig. Wie haben sich bei Laurèl in den vergangenen Jahren Umsätze und Ergebnisse entwickelt?
Laurèl war schon immer eine ertragsstarke Modemarke. Umsatzseitig liegen wir bei knapp unter 40 Millionen Euro. Hier wollen wir jetzt deutlich zulegen und in fünf Jahren den Umsatz auf bis zu 80 Millionen Euro verdoppeln – bei einer stabilen Marge. Das kann uns gelingen, weil wir seit Mai dieses Jahres erstmals alle unsere selbst erwirtschafteten Gewinne für unser Wachstum verwenden dürfen. In unserer gesamten Unternehmenshistorie – das Label wurde 1978 gegründet – mussten wir unsere Erträge immer an unsere jeweiligen Mutterunternehmen abführen. Jetzt sind wir voll und ganz selbständig. Das ist auch wichtig für das von Ihnen angesprochene Trendgespür. Wir haben ein Team von sechs Senior-Designern, die bewiesen haben, dass sie sehr erfolgreiche Mode machen können. Und jetzt ging aus meiner Sicht nochmal ein zusätzlicher Ruck durch das Unternehmen: Dieses Team von aktuell 121 Mitarbeitern lebt Mode und Laurèl – durch und durch.

Viel wichtiger als die Vergangenheit sind für Investoren aber vor allem die Perspektiven einer Firma. Welchen Ausblick zur Umsatz- und Gewinnentwicklung können Sie den Lesern von finanzen.net geben?
Wir beabsichtigen, die Umsätze von heute fast 40 Millionen Euro bis zum Ende des Geschäftsjahres 2016/2017 auf ca. 80 Millionen Euro zu verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen und die Marke „Laurèl“ als eine internationale Top-Premium-Marke zu etablieren, die für erschwinglichen Luxus steht, wollen wir unser Vertriebsnetz, insbesondere die eigenen Stores, und den Internetvertrieb ausbauen, in den US-Markt eintreten, das Lizenzgeschäft aufbauen, durch gezielte Marketing- und PR-Maßnahmen unsere Markenbekanntheit weiter erhöhen sowie ggf. durch Akquisitionen wachsen.

Sie bieten Anlegern bis zum 14. November eine festverzinsliche Anleihe zur Zeichnung an. Mit welchen Konditionen ist das Wertpapier ausgestattet und wofür soll der geplante Emissionserlös in Höhe von 20 Millionen Euro verwendet werden?
Die Anleihe hat eine fünfjährige Laufzeit und ist mit einem Volumen von bis zu 20 Millionen Euro ausgestattet. Der Zins beträgt 7,125% und wird jährlich nachträglich am 16. November eines jeden Jahres gezahlt.
Wir planen, den Emissionserlös in unser weiteres Unternehmenswachstum zu investieren. Konkret konzentrieren wir uns dabei auf den Ausbau eigener Stores, die IT-Optimierung, den Aufbau des Lizenzgeschäfts, den Markteintritt in den USA sowie die Akquisition eines Mode-Labels. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau unserer eigenen Stores: Bis Ende 2013 sind bereits fünf Stores in Amsterdam, Wien, Shanghai, Berlin und Düsseldorf fest geplant – und zwar unabhängig vom Emissionserlös. Zusätzliche neue Stores sollen in Europa und in den asiatischen Märkten entstehen, in denen wir bereits vertreten sind. Bis zum Geschäftsjahresende 2016/2017 wollen wir die Zahl unserer eigenen Stores von derzeit zehn auf über 40 und der eigenen Outlets von derzeit drei auf acht erhöhen.

Was gab letztendlich den Ausschlag, sich über eine Unternehmensanleihe und nicht über Banken oder andere Wege frisches Kapital zu besorgen?
Die unternehmerische Freiheit. Wir waren zum letzten Bilanzstichtag 30. April 2012 praktisch frei von Bankkrediten. Jetzt sind wir dabei, unsere Finanzierungsstruktur etwas neu zu ordnen, um das Wachstum bestmöglich finanzieren zu können. Dabei ist uns wichtig, möglichst geringe Abhängigkeiten von einzelnen Kreditgebern einzugehen und uns diversifiziert aufzustellen. Aus unserer Sicht stellt die Anleihe neben dem Eigenkapital und Bankdarlehen eine ideale Ergänzung zur nachhaltigen und unabhängigen Unternehmensfinanzierung dar. Die Unternehmensanleihe ist mit einer Verzinsung von 7,125% im aktuellen Kapitalmarktumfeld sowohl für Investoren als auch für uns eine attraktive Alternative.

Ihre Mode vermarkten Sie mit dem Slogan „See • Feel • Love Laurèl“. Warum sollten sich Investoren gerade in Ihre Anleihe verlieben?
Wir sind ein internationales Markenunternehmen im sehr stabil wachsenden Luxus- und Premium-Segment mit sehr breiter internationaler Aufstellung. Das bedeutet, wir können uns sehr schnell auf Märkte verlegen, in denen es Wachstum gibt, und können Krisenregionen, die es auch immer gibt, umschiffen. Wir verfügen mit BBB über ein gutes Rating und mit einer Eigenkapital-Quote von 69 Prozent sind wir sehr solide aufgestellt. Die Mittel aus der Anleihe brauchen wir nicht zu Schuldentilgung, sondern sie gehen direkt ins Geschäft und können zusätzliche Cash-Flows erzielen. Ich hoffe, das ist für Investoren in Kombination mit einem jährlichen Zins von 7,125% ein attraktives Paket.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Reichert.

Zur Person:
Dirk Reichert ist seit Oktober 2010 Geschäftsführer der Laurèl GmbH. Insgesamt kann er auf 25 Jahre Erfahrung in der Bekleidungsbranche zurückblicken. So war Herr Reichert von 1987 bis 1997 in der Lloyd Textile Gruppe in unterschiedlichen Positionen in der Geschäftsleitung tätig. Von 1997 bis 2000 war er geschäftsführender Gesellschafter der Textile Partners GmbH. Zwischen 2001 und 2007 war er Mitglied der Geschäftsleitung und später Geschäftsführer der Olsen GmbH & Co. KG und zwischen 2007 und 2008 auch Geschäftsführer der Steilmann-Gruppe.

Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX schließt knapp im Plus -- US-Börsen treten auf der Stelle -- Nokia kehrt zurück in den EuroStoxx -- Audi, Lufhansa, Apple im Fokus

Tesla baut 400 neue E-Tankstellen in China. Alno schreibt durch Übernahme schwarze Zahlen. HOCHTIEF-Großaktionär ACS macht mehr Gewinn. WMF soll von der Börse. Großbritannien hebt Terrorwarnstufe auf 'ernst' an. Flugverbot über Vulkan wieder aufgehoben. Fiat: Chrysler-Fusion geht trotz Kapriolen am Aktienmarkt voran.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Beste Produktmarken

Welche Darstellerin verdient am meisten?

Angesichts möglicher Streiks bei der Lufthansa und der Bahn werden die Forderungen nach einer gesetzlichen Lösung lauter. Wie stehen Sie dazu?
Abstimmen
Direkt zu den Ergebnissen

Anzeige