04.12.2012 08:32
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MS Deutschland: Wachstum voraus!

Konstantin Bissias, MS “Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft mbH
Interview
Die MS “Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft mbH will mit einer geplanten Unternehmensanleihe bis zu 60 Millionen Euro unter Anlegern einsammeln. finanzen.net sprach mit dem Geschäftsführer Konstantin Bissias über das Vorhaben.
finanzen.net: Das Geschäftsmodell der Deutschland dürfte den Anlegern dank der TV-Serien „Das Traumschiff“ und „Kreuzfahrt ins Glück“ bereits hinlänglich bekannt sein. Wie stufen Sie den Markt für Kreuzfahrt-Reisen im Allgemeinen und ihr Segment „5-Sterne-Kreuzfahrten“ im Besonderen derzeit ein?
Konstantin Bissias:
Der Markt boomt und er hat jede Menge Potenzial. Bereits seit 2000 verzeichnet der deutsche Markt für Hochseekreuzfahrt zweistellige Wachstumsraten. Im internationalen Kontext gibt es jedoch noch Nachholbedarf. 2011 machten nur 1,7 Prozent der Bundesbürger eine Hochseekreuzfahrt. In den USA/Kanada waren es mit 3,4 Prozent doppelt so viele. Die steigende Nachfrage wird zu mehr Wettbewerb führen. Dies gilt auch für das Luxuxsegment. Die DEUTSCHLAND ist dafür gut gerüstet. Wir sind nicht nur ein luxuriöses Kreuzfahrtschiff sondern verfügen durch unsere überschaubare Größe mit einer Kapazität von rund 500 Passagieren über eine besondere Positionierung im Markt. Wir sind das traditionsreiche „Grandhotel auf See“. Wir bieten Persönlichkeit und Exklusivität in einem von Riesenschiffen und Massentourismus geprägten Umfeld. Diese Nischenpositionierung macht uns stark.

Bis 2017 bleibt die MS DEUTSCHLAND Drehort der beiden bereits erwähnten ZDF-Serien. Wie bewerten Sie den Deal aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht. Der Nutzen dürfte aufgrund der enormen Werbewirkung relativ groß sein, aber welche Kosten müssen dabei gegengerechnet werden?
Sie haben Recht. Die Werbewirkung durch die Serie „Das Traumschiff“ ist enorm. Bis zu 9 Millionen Zuschauer lernen die DEUTSCHLAND pro Folge in all ihren Facetten kennen. Dabei sind die internationalen Zuschauer noch nicht einmal berücksichtigt. Anhand der steil ansteigenden Buchungsanfrage in Folge jeder Ausstrahlung sehen wir, wie hoch unser Imagegewinn als „Traumschiff“ ist.

Die Geschäftsjahre 2010 und 2011 wurden mit einem Verlust im Millionenbereich abgeschlossen und die Neunmonatszahlen für 2012 weisen ebenfalls einen roten Anstrich aus. Wann nimmt das Traumschiff wieder Kurs auf schwarze Zahlen?
Unsere aktuelle Geschäftsentwicklung sieht sehr gut aus. Seit Anfang des Jahres haben wir die Auslastung um 25 Prozentpunkte steigern können. Das Orderbuch für 2013 ist bereits jetzt um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angewachsen. Umfangreiche Investitionen in das Schiff und Einmaleffekte wie die Umroutung wegen der Fukushima Katastrophe haben kurzfristig das Ergebnis in den Jahren 2010 und 2011 belastet. In den Jahren davor hat die DEUTSCHLAND wiederum EBITDA-Margen erwirtschaftet, die teilweise im zweistelligen Bereich lagen.

Im Jahr 2011 war die MS Deutschland beim Blick auf das Alter der Passgiere fest in Seniorenhand. Was macht diese Kundengruppe für Sie so interessant?
Die DEUTSCHLAND ist ein lebendiges 3-Generationen-Schiff. Aber in der Tat, unsere Wachstumsstrategie setzt bewusst auch auf die Gruppe der „Best Ager“. Die Kreuzfahrer dieser Generation 50+ verfügen über finanzielle Unabhängigkeit und genügend Zeit, unsere Angebote umfassend und regelmäßig zu nutzen. Ihre Interessen liegen im Bereich Wellness, Kultur und Kulinarik und somit kommt unser Angebot und individueller Service ihnen sehr entgegen. Es eine wundervolle Art, sehr komfortabel zu reisen und dabei doch aktiv viel zu sehen und zu erleben. Langfristig steigert der demografische Wandel die Bedeutung dieser Kundengruppe für den gesamten Kreuzfahrtmarkt. Dreiviertel unserer Passagiere kommen seit vielen Jahren regelmäßig auf die DEUTSCHLAND zurück. Diese Kundentreue ist für mich ein großes Lob für unsere Arbeit und unser Schiff.

Wie sieht der Finanzierungsmix der MS “Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft mbH derzeit aus und was hat Sie dazu bewogen, sich über eine Unternehmensanleihe und nicht über Banken oder andere Quellen frisches Kapital zu besorgen?
Die Anleihe ist Teil unseres kürzlich aufgelegten Investitions- und Wachstumsprogramms.
Wir arbeiten derzeit mit einem klassischen Finanzierungsmix aus Eigen– und Fremdkapital in Form von Bankkrediten. Durch die Anleihe werden wir unabhängig von Banken, erhalten eine homogenere Bilanzstruktur und können uns langfristig Konditionen sichern, die der stabilen Situation des Unternehmens angemessen sind.

Die Zeichnungsfrist Ihrer Unternehmensanleihe läuft bis zum 14. Dezember. Über welche Konditionen verfügt das Wertpapier und wofür soll der geplante Emissionserlös in Höhe von bis zu 60 Millionen Euro verwendet werden?
Der Kupon beträgt 6,875 Prozent p.a. bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Anleihe ist im ersten Rang mit einer Schiffshypothek besichert. Die DEUTSCHLAND Anleihe ist mit dem erstklassigen Rating A bewertet. Die Zeichnungsfrist läuft vom 5. bis zum 14. Dezember. Um die erstrangige hypothekarische Besicherung für die Anleiheinvestoren darstellen zu können, müssen die bestehenden Finanzverbindlichkeiten abgelöst werden. Wir werden weiter in die DEUTSCHLAND investieren: unter anderem bereiten wir den Einbau sogenannter French Balconies auf Deck 7 und 8 vor und planen die Erweiterung eines Restaurants. Zur Umsetzung unserer „Kurs Voraus-Strategie“ wird weiterhin die Präsenz im österreichischen und Schweizer Markt für Kreuzfahrten intensiviert und das Angebot an Themenreisen und Veranstaltungs-Charter ausgebaut.

Die Anleihe verfügt über drei Besonderheiten: Eine erstrangige, dingliche Besicherung, eine 90 Prozent LTV-Klausel sowie eine zusätzliche Zinssicherheit. Können Sie bitte die daraus resultierenden Vorteile für den Anleger kurz erläutern?
Die Anleger haben die Chance mit der Anleihe in den Wachstumsmarkt Hochseekreuzfahrt zu investieren. Sie investieren dabei nicht in irgendein Schiff, sondern in eine starke Marke – die DEUTSCHLAND. Die Anleihe bietet mit 6,875 Prozent einen sehr attraktiven Kupon bei erstrangiger, dinglicher Besicherung. Die von Ihnen angesprochenen Sicherungsmechanismen würde ich folgend kurz erläutern:
Zum Ersten ist die Anleihe mit einer Schiffshypothek auf die DEUTSCHLAND besichert. Dies bedeutet, die Anleihezeichner haben ein vorrangiges Recht an der DEUTSCHLAND, welches im Schiffsregister eingetragen ist.
Zum Zweiten bedeutet die 90 Prozent LTV-Klausel, dass das Anleihevolumen höchstens 90 Prozent der Sicherheit ausmachen darf. Dieser Wert wird jährlich überprüft und, damit dieser „10 prozentige Puffer“ über die Laufzeit der Anleihe eingehalten wird, verpflichtet sich die Gesellschaft bei Bedarf dem Treuhänder zusätzliche Vermögenswerte zur Verfügung zu stellen.
Und zum Dritten stehen für die Zinszahlungen in den ersten beiden Jahren Gesellschafterdarlehen zur Absicherung der Kuponzahlung zur Verfügung.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bissias.

Bildquellen: MS Deutschland
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