20.11.2012 08:00
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PORR-Gruppe: Unternehmensanleihe bietet 6,25 % p.a.

Karl-Heinz Strauss, Allgemeine Baugesellschaft-A. Porr Aktiengesellschaft
Interview
Das österreichische Bauunternehmen Porr begibt in den nächsten Tagen eine Unternehmensanleihe. Finanzen.net führte ein Interview mit Karl-Heinz Strauss, dem Vorstandschef des Unternehmens.
Finanzen.net: Die Wurzeln Ihres Unternehmens reichen bis ins Jahr 1869 zurück und bieten sicherlich reichlich Gesprächsstoff. Können Sie für die Nutzer von finanzen.net die wichtigsten Fakten zur PORR-Gruppe auf zwei oder drei Sätze komprimieren?
Karl-Heinz-Strauss:
Die Allgemeine Baugesellschaft-A. Porr Aktiengesellschaft notiert in der Tat bereits seit 1869 an der Wiener Börse. Seit über 140 Jahren sind wir als ein traditionsreiches österreichisches Großbauunternehmen erfolgreich tätig und sehen uns derzeit als einen der führenden Anbieter in Europa. Als Full-Service-Provider decken wir die gesamte Wertschöpfungskette der Bauwirtschaft ab. Die technische Bauleistung, insbesondere im Bereich Infrastruktur bildet nach wie vor unsere Kernkompetenz. Unsere Gruppe ist daneben in allen Bereichen der modernen Bauwirtschaft tätig, d.h. von der Projektentwicklung über den Hoch-, Tief- und Straßenbau bis hin zur Energie und Umwelttechnik.

Auf welche bereits realisierten Bauprojekte sind Sie besonders stolz und welche aktuellen Bauaufträge sind für das Unternehmen unter betriebswirtschaftlichen und Image-Aspekten von besonders großer Bedeutung?
Wir sind grundsätzlich auf jedes realisierte Projekt stolz und widmen ihm – egal ob groß oder klein – unsere volle Aufmerksamkeit. Besonders attraktive Projekte aus jüngster Zeit sind zum Beispiel die Save Brücke in Belgrad, der Wienerwald Tunnel in Österreich, der Flagshipstore von Peek&Cloppenburg in der Wiener Kärntner Straße und generell die Feste Fahrbahn, ein von uns entwickeltes System, das bei verschiedenen Bahnbauprojekten zum Einsatz kommt.
Im Geschäftsjahr 2011 und im Verlauf des Jahres 2012 ist es uns außerdem gelungen, neben vielen anderen auch einige prestigeträchtige Großprojekte zu akquirieren. In Deutschland sind für uns die Projekte rund um STUTTGART-ULM von besonderer Bedeutung. Wir haben zwei Baulose mit einem Volumen von rund 266 Millionen Euro im Rahmen des Bahnhofprojekts akquiriert und im Juli dieses Jahres einen weiteren Zuschlag erhalten. Im Oktober dieses Jahres wurden wir außerdem von der Deutschen Bahn für den Bau des technisch anspruchsvollen Streckenabschnitts „Albaufstieg“ beauftragt, das Projekt hat ein Gesamtauftragsvolumen von rund 635 Millionen Euro. Der Zuschlag der Deutschen Bahn zum Bau der Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke Erfurt – Leipzig/Halle bestätigt unsere Kompetenz im Infrastrukturbereich. In Österreich wurde unser Konzern mit dem Rohbau des neuen Krankenhauses Wien Nord beauftragt und am 1. November haben wir in Berlin die Grundsteinlegung des Steigenberger Hotels am Kanzleramt gefeiert. In die Entwicklung dieses Bauprojekts haben wir rund 75 Millionen Euro investiert. In Katar sind wir in diesem Jahr mit allen vorbereitenden Maßnahmen zum Bau der Metro Doha beauftragt worden. Mit diesem Markteintritt ist uns der erste Schritt gelungen, auch von diesem aufstrebenden Wirtschaftsraum zu profitieren.

Solch anspruchsvollen Projekten haftet erfahrungsgemäß auch ein gewisses Maß an Unsicherheit an. Wie versucht die PORR-Gruppe die Risiken bei Großaufträgen zu minimieren?
Für den langfristigen Erfolg von PORR ist es absolut notwendig, die Risiken bei Großaufträgen gezielt kontrollieren zu können. Wir haben ein striktes Kontrollsystem etabliert, das eine verbindliche Risikomatrix beinhaltet. Daneben setzen wir auf enge Letztentscheidungsregelungen. Grundsätzlich konzentrieren wir uns auf unser Grundgeschäft BAUEN und entwickeln uns stetig weiter, um alle Prozesse zeitnah und effizient steuern zu können.

Im dritten Quartal erwies sich vor allem das Geschäft im Inland als wachstumsträchtig, während im Ausland sowohl bei der Bauleistung als auch beim Auftragseingang Rückgänge zu verzeichnen waren. Was waren die Gründe für diese Entwicklung?
Die unterschiedliche Präsenz auf den verschiedenen Märkten ist in unserer Strategie begründet. Wir haben uns vor dem Hintergrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes strategisch neu positioniert. Mit dem Ziel, intelligent zu wachsen, legen wir den Fokus darauf, selektiv margenstarke Projekte zu akquirieren. Dabei setzen wir neben einem qualitativen und ertragsorientierten Wachstum den Fokus auch auf die Sicherheit der Entwicklung. Konkret heißt das, dass wir uns auf die starken Heimmärkte Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Tschechien konzentrieren. Der überwiegende Teil unserer Produktionsleistung ist auf diese wirtschaftlich stabilen Länder zurückzuführen. Deshalb streben wir in diesen Märkten weiterhin ertragreiches und nachhaltiges Wachstum an. In den wirtschaftlich volatileren Märkten in der CEE-/SEE-Region wählen wir bewusst einen selektiven Marktauftritt. Das ermöglicht es uns, das Risiko zu diversifizieren und flexibel auf veränderte Marktentwicklungen reagieren zu können. Auf dem internationalen Markt fokussieren wir unsere Tätigkeit darauf, punktuell attraktive Rahmenbedingungen und Nischen zu nutzen, insbesondere im Bahn- und Tunnelbau.

Im Geschäftsjahr 2011 rutschte PORR in die Verlustzone. Wann rechnen sie wieder mit schwarzen Zahlen?
Wir sind bereits in diesem Jahr wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Grundsätzlich sehe ich unsere Entwicklung sehr positiv. Obwohl wir derzeit innerhalb des Konzerns einen Optimierungsprozess (fitforfuture) durchführen, liegt das EBT leicht über dem Vergleichswert des Vorjahres. Wir konnten zum 30. Juni 2012 ein EBIT von fast 19 Millionen Euro verzeichnen. Damit lag der Wert um knapp 8 Millionen deutlich über dem des Vorjahres. Außerdem sind unsere Auftragsbücher bereits jetzt so gut gefüllt, dass für das laufende Jahr beinahe alle Kapazitäten voll ausgelastet sind. Mit einem Auftragsbestand von fast 3,2 Milliarden Euro per Ende Juni 2012 liegen wir rund 36 Prozent über dem Vergleichszeitraum im Vorjahr. Deshalb gehe ich davon aus, dass unsere attraktiven Projekte auch künftige Erträge und Cashflows sichern werden.

Anleger können ab dem 22.November 2012 Ihre Unternehmensanleihe zeichnen. Über welche Konditionen verfügt sie und wofür soll der geplante Emissionserlös verwendet werden?
Das Emissionsvolumen unserer Unternehmensanleihe beläuft sich auf bis zu 50 Millionen Euro mit einer Aufstockungsmöglichkeit auf bis zu 100 Mllionen. Die Anleihe mit einer Stückelung von 1.000 Euro bietet dem Anleger einen Zinskupon von 6,25 Prozent p.a. über eine Laufzeit von vier Jahren. Voraussichtlich am 4. Dezember soll die Anleihe erstmals nach erfolgreicher Platzierung zum Handel in den Geregelten Freiverkehr der Wiener Börse zugelassen und in den „Entry Standard für Anleihen“ der Frankfurter Wertpapierbörse einbezogen werden.
Den Erlös aus der Anleiheemission nutzen wir, um das Finanzportfolio unseres Konzerns zu optimieren und die Finanzkraft nachhaltig zu stärken. Daneben verwenden wir die finanziellen Mittel, um Finanzverbindlichkeiten, die in 2013 fällig werden, bedienen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Strauss.

Zur Person:

Karl-Heinz Strauss studiert nach Abschluss der HTL für Tiefbau an der Harvard University sowie an der Management Business School in St. Gallen und absolviert ein MBA-Programm an der IMADEC University in Wien. Bis zum Jahr 2000 ist er in verschiedenen Funktionen bei der Raiffeisen Zentralbank tätig – unter anderem in den Bereichen Bau und Immobilien. Danach gründet er die Strauss & Partner Immobilien GmbH, zu deren bekanntesten Projekten das EURO PLAZA am Wienerberg zählt. Im September 2010 übernimmt er die Funktion des Generaldirektors der Allgemeine Baugesellschaft-A. Porr Aktiengesellschaft und ist daneben auch Großaktionär.

Bildquellen: Porr
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