16.11.2012 17:22

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INTERVIEW

Prozente statt Promille – Stauder begibt Anleihe



Axel Stauder und Thomas Stauder, Stauder GmbH & Co. KG
Der Bierbrauer Stauder möchte mit der Emission einer Unternehmensanleihe erstmals den Kapitalmarkt anzapfen. Finanzen.net führte ein Interview mit Dr. Thomas Stauder und Axel Stauder, den Geschäftsführern des Unternehmens.

Finanzen.net: Ein Stauder Pils könnte der eine oder andere Anleger bereits kennengelernt haben, die Stauder Brauerei dürfte in der Finanzwelt hingegen weniger bekannt sein. Können Sie bitte den Nutzern von finanzen.net Ihr Unternehmen in zwei oder drei Sätzen kurz vorstellen?
Thomas Stauder:
Wir sind ein traditionsreiches Familienunternehmen aus Essen mit einer fast 150-jährigen Unter-nehmensgeschichte. Unser Kerngeschäft sind Biere sowie Biermix- und alkoholfreie Erfrischungsgetränke. Unser klares Flaggschiff ist die hochwertige Marke „Stauder“, zusätzlich haben wir die Marken „Stern“, „tut gut“ und „Borbecker“. Zu unseren wesentlichen Kunden gehören der Lebensmitteleinzelhandel und Getränkeabholmärkte in Nordrhein-Westfalen, insbesondere in der Region zentrales Ruhrgebiet sowie Gastronomiebetriebe in Nordrhein-Westfalen, im Bereich der Top-Gastronomie auch in ganz Deutschland.

In Deutschland buhlen über 1.300 Brauereien um die Gunst des Konsumenten. Mit welchem Rezept möchten Sie sich in dem stark zersplitterten Biermarkt in Deutschland behaupten?
Thomas Stauder: Wir verfügen mit unserer Kernmarke „Stauder“ über eine hohe Markenbekanntheit, Präferenz und Sympathie im zentralen Ruhrgebiet und somit über einen hohen Marktanteil mit weiterem Wachstumspotenzial. Ferner verfügen wir über eine hohe Gastronomiekompetenz mit überproportional hohem Absatzanteil in der Gastronomie im Branchenvergleich. Zugute kommt uns dabei auch die hohe Qualität und außergewöhnliche Distribution von „Stauder Premium Pils“, welches über Nordrhein-Westfalen hinaus in ganz Deutschland in ausgewählten Betrieben der Top-Gastronomie mit einem hohem Anspruch an die angebotenen Biermarken ausgeschenkt wird. Darüber hinaus grenzen wir uns bewusst durch die Positionierung als kleiner, familiengeführter Premiumhersteller von den großen Biermarken ab. Damit einher geht auch der Anspruch an die Qualität unserer Produkte und Rezepturen weg vom Einheitsgeschmack und hin zu besonderen Bieren und Getränken. Nicht zuletzt durch unsere zentrale Lage im Ruhrgebiet und dem damit verbundenen logistischen Vorteil, die hohe Flexibilität in der Wertschöpfungskette sowie durch unsere qualifizierten, motivierten und engagierten Mitarbeiter sehen wir uns bestens auf dem deutschen Biermarkt positioniert.

So richtig bekannt ist die Biermarke Stauder vor allem in Ihrem Heimatmarkt Ruhrgebiet. Welche Expansionspläne betreiben Sie mit Blick auf das restliche Deutschland bzw. das Ausland?
Axel Stauder: Gerade auf Basis der bereits erreichten hohen Markenbekanntheit im zentralen Ruhrgebiet steht die weitere Stärkung der Marke im Zentrum unserer Strategie. Insbesondere in den Nachbarstädten von Essen wie Gelsenkirchen, Bottrop, Gladbeck, Oberhausen und Mülheim sehen wir noch weiteres Potenzial, um in unserer bevölkerungsreichen Heimatregion klarer Marktführer zu werden. In der Gastronomie ist unsere Zielsetzung die Akquisition von Neukunden in ganz Nordrhein-Westfalen sowie selektiv in der Top-Gastronomie in ganz Deutschland.

Klassisches Bier gilt schon seit längerem nicht mehr als Wachstumsmarkt. Welches künftige Absatzpotenzial sehen Sie bei Biermischgetränken, alkoholfreiem Bier bzw. Malzbier, die von Stauder ebenfalls vermarktet werden?
Thomas Stauder: Zunächst einmal sehen wir auch beim klassischen Bier Wachstumschancen für unsere Marke, da wir in diesem Jahr bereits gegen den Trend des Marktes mit der Marke Stauder wachsen. Natürlich wollen wir auch unsere Produktpalette erweitern und suchen nach Alternativen zum klassischen Bier. Hier sind Biermischungen und – seit 2010 – Fassbrausen weiter auf dem Vormarsch. Daher ist es Teil unserer Strategie, insbesondere im Teilgeschäftsbereich alkoholfreie Erfrischungsgetränke die Produktpalette weiter auszubauen. Die Entwicklung und Markteinführung der „Stauder Fassbrause Zitrone“ ist ein gelungenes Beispiel für eine solche Erweiterung der Produktpalette. Fassbrausen sind beliebte Alternativen zu anderen alkoholfreien und auch alkoholischen Getränken und substituieren beispielsweise Getränke wie Bitter Lemon oder Apfelschorle. Mit der „Stauder Fassbrause Zitrone“ ist es uns gelungen, neue Kundengruppen und neue Verzehrsituationen zu erschließen, die uns mit unseren bisherigen Produkten verschlossen waren. Auf der Grundlage einer Studie der puls Marktforschung GmbH verfügte „Stauder Fassbrause Zitrone“ bereits wenige Monate nach der Einführung über eine Marktbekanntheit von mehr als 40 Prozent im Ruhrgebiet und konnte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2012 bereits einen spürbaren Umsatzanteil erzielen.

Wie entwickelten sich in den vergangenen beiden Jahren Umsätze und Ergebnisse und welchen Ausblick können Sie den Anlegern für 2012 und die kommenden Jahre geben?
Axel Stauder: Im Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2011 ermäßigten sich die Umsatzerlöse von rund 20,9 auf 20,7 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss im Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2011 fiel von 246.400 auf 92.500 Euro.
Gegenüber dem Geschäftsjahr 2010 hat sich das Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2011 weiter positiv entwickelt und stieg um 65.000 auf 442.000 Euro. Auch im Jahr 2011 sind weitere Kostensenkungsmaßnahmen und organisatorische Optimierungen umgesetzt worden, die sich nachhaltig positiv auf die Ertragslage des Unternehmens auswirken.
Im laufenden Geschäftsjahr 2012 haben wir von Januar bis September Umsatzerlöse von 15,8 Millionen Euro und damit eine Steigerung um über 150.000 Euro zum Vorjahr erreicht. Das Periodenergebnis per September 2012 liegt mit 148.000 Euro etwas über dem Vorjahreswert von 142.000 Euro.
Wir rechnen damit, dass der eingeschlagene Wachstumspfad voraussichtlich dazu führen wird, dass sich die Umsatzerlöse weiter erhöhen werden. Im Vordergrund steht insbesondere die Intensivierung der Marktbearbeitung mit dem Ziel der regionalen Marktführerschaft. Darüber hinaus ist die Intensivierung der Marktbearbeitung darauf ausgelegt, im Gastronomiebereich die Akquisition von Neukunden weiter zu fördern, um die Effekte des Rückgangs der traditionellen Gastronomie zu überkompensieren.

Investoren können vom 19. bis 21. November 2012 Ihre Unternehmensanleihe zeichnen. Mit welchen Konditionen ist das Wertpapier ausgestattet?
Axel Stauder: Das Emissionsvolumen beträgt bis zu 10 Millionen Euro. Die Laufzeit der Anleihe beträgt fünf Jahre und hat eine Stückelung von 1.000,00 Euro mit einen Kupon von 7,5 Prozent p. a.

Wofür sollen diese zehn Millionen Euro konkret verwendet werden?
Axel Stauder: Der Nettoemissionserlös könnte konkret wie folgt verwendet werden:
Ablösung von bestehenden Kreditverbindlichkeiten, cirka 5,0 Millionen Euro.
Finanzierung der Intensivierung des Ausbaus bestehender Markenkonzepte, cirka 2,5 Millionen Euro.
Finanzierung der Abfindung von Pensionsansprüchen, cirka eine Million Euro.
Finanzierung technischer Investitionen, cirka eine Million Euro.

Die tatsächliche zeitliche Reihenfolge, in der Mittel aus dem Nettoemissionserlös für die vorgenannten Maßnahmen verwendet werden, wie auch die konkrete Allokation, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, so dass die tatsächliche Reihenfolge der Mittelverwendung von der beabsichtigten Reihenfolge abweichen kann.
Soweit und solange der Nettoemissionserlös noch nicht für andere, insbesondere die beschriebenen Zwecke benötigt wird, beabsichtigen wir, diesen in liquiden kurzfristigen Bankeinlagen, Geldmarktinstrumenten, Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten oder ähnlichen Instrumenten anzulegen, damit er bei Bedarf kurzfristig zur Verfügung steht.

In den vergangenen Wochen gab es aufgrund der Zuteilung geringer Volumina unter Anlegern immer wieder Unmut, weil sich dadurch – bedingt durch anfallende Wertpapiergebühren – die erzielbare Rendite signifikant verschlechtert hat. Welche Zuteilungspolitik strebt Stauder für den Fall einer Überzeichnung der Anleihe an?
Thomas Stauder: Solange keine Überzeichnung vorliegt, werden die im Rahmen des Öffentlichen Angebots über die Zeichnungsfunktionalität eingegangenen Zeichnungsangebote, die einem bestimmten Zeitabschnitt zugerechnet werden, sowie die Close Brothers im Rahmen der Privatplatzierung im selben Zeitabschnitt zugegangenen Zeichnungsangebote grundsätzlich jeweils vollständig zugeteilt. Sobald eine Überzeichnung vorliegt, erfolgt die Zuteilung der im letzten Zeitabschnitt eingegangenen Zeichnungsangebote nach Abstimmung mit uns durch Close Brothers.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Thomas Stauder und Herr Axel Stauder.

Zu den Personen:

Herr Dr. Thomas Stauder studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Betriebswirtschaftslehre und schloss 1992 sein Studium als Diplom-Kaufmann ab. Anschließend promovierte er an der Ruhr-Universität Bochum über Qualitätsmanagement im Kundenservice. Im Anschluss war er mehrere Jahre bei der Unternehmensgruppe Tengelmann angestellt, wo er als Referent der Geschäftsleitung begann und Ende 2004 als Leiter Corporate Controlling das Unternehmen verließ, um als Geschäftsführer bei der Jacob Stauder GmbH & Co. KG einzusteigen. Er ist heute verantwortlich für die Bereiche Vertrieb und Marketing, Personal sowie EDV. Sein Vetter, Herr Axel Stauder, studierte an der Technischen Universität München / Weihenstephan Brauwesen und Getränketechnologie und schloss das Studium 1992 als Diplom-Brauerei-Ingenieur ab. Im Anschluss absolvierte er ein zweisprachiges MBA Studium an der IESE in Barcelona /Spanien. Erste Berufserfahrungen sammelte er als Trainee im Controlling der Braun AG und wurde bald Manager Group Planning. Anschließend übernahm er die Leitung Expansion und später zusätzlich noch die Leitung Finanzen & Controlling der AlnaturA GmbH ehe er im Oktober 2004 bei der Jacob Stauder GmbH & Co. KG einstieg. Hier verantwortet er heute die Bereiche Produktion und Logistik sowie Rechnungswesen und Finanzen.

Bildquellen: Stauder

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