14.11.2012 05:21
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RENÉ LEZARD: Modekonzern bietet 7,25 Prozent Zinsen

Alexander Amend, RENÉ LEZARD
Interview
Der 1978 gegründete Modekonzern RENÉ LEZARD bietet vom 14. bis 23. November eine Unternehmensanleihe zur Zeichnung an. finanzen.net führte ein Interview mit Alexander Amend, dem kaufmännischen Leiter des Unternehmens.
finanzen.net: Mittelstandsanleihen sind dank des niedrigen Zinsniveaus derzeit schwer in Mode. Können Sie unseren Lesern in zwei oder drei Sätzen das Geschäftsmodell des Modeunternehmens RENÉ LEZARD vorstellen?
Alexander Amend:
Die RENÉ LEZARD-Gruppe ist ein Premium-Anbieter für Bekleidung im hochpreisigen Segment. Wir sind sowohl auf Damenoberbekleidung als auch Herrenbekleidung spezialisiert. Unsere Kernzielgruppe sind Männer und Frauen in der Altersklasse von 35 bis 50 Jahren, die einen hohen Anspruch an Qualität und Stil haben.
Unsere Produkte vertreiben wir auf drei Kanälen: Im Wholesale-Geschäft, das ca. 40 Prozent unseres Gesamtumsatzes ausmacht, verkaufen wir unsere Produkte an Einzelhändler, hauptsächlich Damen- und Herrenausstatter im gehobenen Fachhandel oder online über einen Internet-Shop. Dabei setzen wir auf innovative Vertriebskonzepte.
Im Eigenvertrieb bieten wir unsere Textilien in eigenen Stores und Factory-Outlet-Centern im In- und Ausland an. Dabei legen wir konsequent größten Wert auf Lage und Wirtschaftlichkeit.

Wie stark sind Sie von Auslandsmärkten abhängig und in welchen Regionen erzielt Ihr Unternehmen die Hauptumsätze?
75 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir in Deutschland. Schwerpunkte im Ausland bilden Russland, Österreich, die Schweiz und die USA. Insofern lässt sich sagen, dass unser Hauptaugenmerk auf Deutschland liegt, wir darüber hinaus aber auch Fuß in attraktiven Auslandsmärkten gefasst haben. In den nächsten Jahren wollen wir unser bereits bewährtes Vertriebskonzept sowohl im In- als auch im Ausland weiter ausbauen.

Wie haben sich bei RENÉ LEZARD in den vergangenen Geschäftsjahren Umsätze und Ergebnisse entwickelt?
Der Umsatz konnte von 48,9 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2010/11 auf 51,9 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2011/12 gesteigert werden. Der Grund hierfür ist, dass wir in den letzten Jahren mit gezielten Maßnahmen das Marken- und Kollektionsprofil von RENÉ LEZARD deutlich geschärft haben. Auch haben wir sukzessive seit 2009 mehr als 10 eigene Stores und Factory Outlet Center eröffnet, die sich insgesamt erfreulich entwickeln.
Durch die im letzten Jahr abgeschlossenen Maßnahmen zur Verschlankung der Kostenstruktur des Unternehmens konnte auch das Ergebnis wieder deutlich verbessert werden. Zwar war es auch aufgrund einer starken Konzentration auf Marketing- und Vertriebsmaßnahmen 2010/11 mit minus 2,7 Millionen Euro negativ. Doch bereits im darauffolgenden, am 31. März 2012 abgelaufenen Geschäftsjahr, erreichten wir mit 0,1 Millionen Euro planmäßig ein leicht positives Konzernergebnis. Bemerkenswert ist dabei, dass die Umsatzsteigerung nahezu vollständig auf die Ergebnisverbesserung durchschlug, was auch auf unsere verbesserten Margen zurückzuführen ist.

Die Staatsschuldenprobleme dies- wie jenseits des Atlantiks dürften auf längere Sicht ungelöst bleiben. Welche Geschäftsperspektiven zur Umsatz- und Gewinnentwicklung Ihres Unternehmens können Sie in diesem Umfeld den Lesern von finanzen.net geben?
Deutschland ist unser Kernmarkt und hat sich im Vergleich zu anderen Ländern in der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise vergleichsweise robust gezeigt. Auch künftig erwarten wir für uns in Deutschland eine stabile Entwicklung. In den letzten Jahren haben wir die Vertriebsbasis durch Eröffnung von Stores und Factory Outlet Center verbreitert und so eine treue Stammkundschaft aufgebaut, die uns eine gewisse Umsatzsicherheit bietet. Diese Kundschaft wollen wir sukzessive in den nächsten Jahren durch neue Stores erweitern. Außerdem konnten wir durch die konsequente Prozess- und Kostenoptimierung der letzten Jahre unsere finanzielle Stabilität festigen und steigern. Wir schauen von daher sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Wie sieht der Finanzierungsmix von RENÉ LEZARD derzeit aus und was gab letztendlich den Ausschlag, sich über eine Unternehmensanleihe und nicht über Banken oder andere Quellen frisches Kapital zu besorgen?
Unser aktueller Finanzierungsmix besteht überwiegend aus Kreditlinien, Darlehen sowie Factoring. Seit vielen Jahren arbeiten wir sehr vertrauensvoll und konstruktiv mit unseren Banken zusammen. Mit der Anleihe ist es unser Ziel, diesen Mix weiter zu diversifizieren und solide zu gestalten. Denn als nachhaltig denkendes Unternehmen wollen wir frühzeitig eine Verbreiterung unserer Finanzierung sicherzustellen. Durch die Emission einer Unternehmensanleihe erreichen wir vor dem Hintergrund einer konstanten Zinsbelastung eine langfristige Planungssicherheit und eine verbesserte Strukturierung der Passivseite.

Die Zeichnungsfrist Ihrer Unternehmensanleihe läuft vom 14. bis zum 23. November. Über welche Konditionen verfügt das Wertpapier und wofür soll der geplante Emissionserlös in Höhe von 15 Millionen Euro konkret verwendet werden?
Die Anleihe hat einen Zinssatz von 7,25 Prozent, läuft über 5 Jahre und kann entweder über das eigene Wertpapierdepot oder über die Homepage unter www.rene-lezard-anleihe.com ab 14. November 2012 gezeichnet werden. Der Börsenplatz ist der Entry Standard der Frankfurter Wertpapierbörse.
Aus dem Nettoemissionserlös soll ein Betrag in Höhe von bis zu 7,5 Millionen Euro zur Refinanzierung von Finanzverbindlichkeiten verwendet werden, um so einen besseren Finanzierungsmix sicherzustellen. Ein Betrag in Höhe von bis zu 3,8 Millionen Euro soll für die Stärkung der Marke „RENÉ LEZARD“ in Form von Marketingmaßnahmen verwendet werden. Weitere bis zu drei Millionen Euro werden für die Expansion im In- und Ausland genutzt, wobei insbesondere die Eröffnung neuer Einzelhandelsgeschäfte und die Ausweitung des Wholesale-Geschäfts beabsichtigt ist. Das umfasst auch Länder, in denen die RENÉ LEZARD-Gruppe bislang noch nicht oder nicht so stark vertreten ist.

Bei hochpreisigen Premiumtextilien spielt wahrscheinlich auch das Einkaufserlebnis eine große Rolle bei der Kaufentscheidung. Welche Rolle wird bei René Lezard Ihrer Meinung nach künftig der Direktvertrieb via Internet spielen? Kann er mit dem allgemeinen Boom des Online-Shopping mithalten?
Wir haben in den letzten Jahren sehr erfreuliche Erfahrungen mit dem Online-Shop bzw. mit dem Online-Verkauf unserer Produkte gemacht. Es konnten überproportionale Umsatz- und Ergebniszuwächse in diesem Bereich realisiert werden. Es ist unsere klare Absicht, den Vertrieb über das Internet zu forcieren. Die hier erwirtschafteten Umsätze machen zwar im Vergleich zum Gesamtumsatz noch keinen nennenswerten Anteil aus, jedoch sind die Wachstumsraten sehr beachtlich.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Amend.

Zur Person:

Alexander Amend, 39 Jahre, Betriebswirt, verantwortet seit 2010 als kaufmännischer Leiter den Finanzbereich der RENÉ LEZARD-Gruppe. Zuvor bekleidete der ausgewiesene Fachmann für Controlling, Finanzen und Strategie verschiedene Leitungspositionen im Finanzbereich von mittelständischen Unternehmen sowie auch im Konzerncontrolling der adidas Group.

Bildquellen: Rene Lezard
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