24.05.2013 16:20
Bewerten
 (0)

Rickmers Holding will mit Anleihe 200 Millionen einnehmen

Interview
Der Schiffahrtskonzern Rickmers Holding GmbH will eine Unternehmensanleihe platzieren und damit 200 Millionen Euro einnehmen. Wofür der Konzern das Geld braucht und in welche Zukunft Rickmers steuert, beantwortet Unternehmenschef Ronald D. Widdows im Gespräch mit finanzen.net.
Finanzen.net: Die Rickmers Holding GmbH ist die Muttergesellschaft der Rickmers Gruppe, einem Schifffahrtsunternehmen mit 179-jähriger Familientradition. Herr Widdows, was unterscheidet Ihr Unternehmen von anderen Schifffahrtskonzernen? Was zeichnet die Rickmers Gruppe aus?

Ronald D. Widdows: Wir sind die ersten in der deutschen Reedereibranche, die ihr Unternehmen an den Kapitalmarkt bringen. Dies machte eine grundlegende Veränderung der Finanzstruktur und der Fähigkeiten des Unternehmens erforderlich. Dieser Wandel wurde in den letzten eineinhalb Jahren umgesetzt; personell haben wir uns insbesondere mit neuen Fachkräften aufgestellt, die über die Expertise und weitreichende Erfahrung im Bereich Kapitalmarkt und börsennotierter Unternehmen verfügen. Wir gehören zu den wenigen der Branche, die auf eine so lange und ereignisreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken und gleichzeitig einen Track Record mit stabilen und positiven Ergebnissen vorweisen können – sogar während des schwierigen Marktumfelds der letzten fünf Jahre.

Rickmers ist zudem mehr als nur ein Anbieter und Manager von Schiffen für die Container-Branche: Wir betreiben einen der Premium-Liniendienste im Bereich Schwergut- und Projektladungen, die Rickmers-Linie. Als Folge dessen sind wir etwas diversifizierter aufgestellt als viele der klassischen deutschen Reedereien, mit denen wir konkurrieren.

Die Rickmers Holding betreibt die Rickmers-Linie, einen der führenden Liniendienste im Bereich Stückgut, Schwergut und Projektladungen. Die Bilanz der Linie ist nicht besonders positiv: Im vergangenen Jahr hat sich das Minus beim EBIT erhöht auf fast 18 Millionen Euro, der Umsatz ist zurückgegangen. Was sind die Gründe? Was hat die Bilanz am meisten belastet?

Der Schwergut-Sektor – nicht anders als alle anderen Schifffahrtsbereiche – hat Raten verzeichnet mit einem Preisverfall von etwa 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2008, in dem der Markt seinen Höhepunkt erreicht hatte (vor Lehman). Die überbordenden Schiffsbestellungen – ebenfalls nicht anders als in anderen Bereichen – haben zu einem strukturellen Tonnage-Überangebot mit entsprechenden Auswirkungen auf die Charterraten geführt.

Nichtsdestotrotz ist dies ein faszinierendes Geschäft und wir betrachten es weiter als ein Kerngeschäft von Rickmers. Wir haben einen zuverlässigen, qualitativ hochwertigen und vorhersagbaren Liniendienst in einem Sektor etabliert, der in weiten Teilen ein Tramp-Geschäft ist. Und dies wird von unseren Kunden – darunter einige der größten und interessantesten Unternehmen der Welt, die die globale Infrastruktur-Entwicklung, Energieerzeugung oder Öl- und Gas-Gewinnung tätig sind – hoch geschätzt. Dieses Geschäft bauen wir seit 2012 weiter aus, erschließen neue Märkte und positionieren das Unternehmen, um weitere Märkte – insbesondere in den Schwellenländern – bedienen zu können. Da sich das strukturelle Überangebot an Schiffen über die kommenden Jahre abbauen wird, ist mit einer Erholung der Charterraten zu rechnen, was sich nicht nur am oberen Ende sondern sich auch direkt am unteren Ende abzeichnen wird. Dementsprechend haben wir in unser Netzwerk investiert, Schiffe hinzugenommen und unser Unternehmen in Regionen ausgebaut, die wir bis vor kurzem nicht bedient haben. Damit werden wir gut positioniert sein, um die Chancen optimal nutzen zu können, die die – von uns erwartete – Verbesserung der Marktkonditionen bieten wird.

Dieser Sektor hat ein Schiffs-Orderbuch, das derzeit nicht über 2014 hinausreicht. Es ist daher begründet zu erwarten, dass sich dieser Sektor ein wenig schneller als andere Bereiche der Schifffahrtsbranche erholen wird.

Die Schifffahrtsbranche befindet sich derzeit in einer schwierigen Phase. Wie manövrieren Sie Ihr Unternehmen sicher durch dieses schwierige Fahrwasser?

Wie bereits erwähnt, konzentrieren wir uns auf die Stärkung unseres Unternehmens und seiner Zukunftsfähigkeit. Wir haben sehr gute Beziehungen zu einem festen Kundenstamm, sowohl im Linien-Geschäft als auch zu denjenigen, für die wir Schiffe bereitstellen und managen. Wir beginnen neue Designs für Schiffe zu entwickeln, die deutlich treibstoffsparender sind – was in nicht allzu ferner Zukunft verstärkt nachgefragt werden wird.

Außerdem haben wir begonnen mit Carriern, die über ihren zukünftigen Asset-Bedarf nachdenken, auf einer strategischeren Ebene zusammenzuarbeiten. Nachdem das deutsche KG-System nicht mehr das Mittel zur Finanzierung der von der Branche benötigten hohen Investitionen ist, wird sich die Art und Weise, wie Assets finanziert und vermarktet werden, fundamental ändern. Wir bereiten unser Unternehmen darauf vor, in dieser sich verändernden Welt künftig Investoren und Finanzierungen für sich zu gewinnen.

Wir profitieren in nächster Zeit davon, dass ein Großteil unseres Cashflows von Schiffen in unserer Bilanz generiert wird, die langfristig verchartert sind, und dass unser Schiffsportfolio insgesamt eine durchschnittliche Charterlaufzeit von rund fünf Jahren ausweist. Damit haben wir das Geschäft von der Volatilität und Zyklizität abgekoppelt, dem andere Schiffseigener in der Branche etwas mehr ausgesetzt sind.

Rickmers besorgt sich nun mit einer Anleihe frisches Geld. Die Zeichnungsfrist beginnt am 27. Mai. Wie sind die Konditionen der Anleihe?

Wir streben an 200 Millionen Euro zu begeben mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 8,875 Prozent. Dies ist ein erster Schritt an den Kapitalmarkt und es soll nicht der letzte sein, da wir daran glauben, dass die fortlaufende Fähigkeit Zugang zum Kapitalmarkt zu haben, ein kritischer Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen in unserer Branche sein wird.

Sie wollen mit der Anleihe 200 Millionen Euro einnehmen. Wofür brauchen Sie das Geld?

Wir haben einige Restrukturierungen vor und wollen die Mittel sowohl zur Refinanzierung nutzen als auch für Wachstumsinvestitionen.

Hätten Sie sich das Geld nicht auf andere Weise besorgen können? Warum muss es ausgerechnet eine Anleihe sein?

Es standen natürlich verschiedene Alternativen zur Auswahl – ein Schuldscheindarlehen, Eigenkapital etc. Aus unserer Sicht war eine Anleihe der beste erste Schritt für uns; eine Möglichkeit mit einem neuen Investorenkreis in Kontakt zu treten, welcher die großen Chancen sieht, die Rickmers vor sich hat und die auch zukünftig Interesse daran haben wird, uns auf verschiedene Weisen in unserer Wachstumsgeschichte zu unterstützen.

Herr Widdows, Sie haben vor Kurzem gesagt, die Branche erfährt einen strukturellen Wandel und die Rickmers Gruppe sucht nach neuen Finanzierungsquellen. Welche könnten das außer einer Anleihe noch sein? Denken Sie auch über einen Börsengang nach?

Wir machen den ersten Schritt und etablieren die Beziehung zu einer neuen Investorenbasis. Wir haben unser Unternehmen auf weitere Schritte vorbereitet, die sicherlich auch zu einem gegebenen Zeitpunkt und bei Vorliegen sinnvoller Rahmenbedingungen eine Börsennotierung beinhalten können. Aber das ist für einen späteren Zeitpunkt. Heute fokussieren wir uns auf die Anleihe und die Maßnahmen, die wir unternehmen können, um unser Geschäft zu stärken und auszubauen, so dass wir mit weiteren Schritten in der Zukunft das Wachstum der Rickmers Gruppe fortführen können.

Wie schätzen Sie die Zukunftsperspektiven der Branche ein? Welche Rolle kann dabei Rickmers spielen?

Wir erwarten in den nächsten Jahren eine Konsolidierung des deutschen Marktes der Schiffseigner. Und Rickmers wird in jedem Fall einer der Marktteilnehmer sein, der dafür positioniert ist, von diesem Umfeld zu profitieren. Wir sehen auch große Chancen bei der Konsolidierung innerhalb des Schwergut- und Projektladungssektors und haben das Ziel, auch hier aktiv an dem Prozess teilzunehmen.

Die Branche wird sich insgesamt erholen. Es wird ein paar Jahre dauern, bevor es zu einem signifikanten Aufschwung in der Container-Schifffahrt und in dem Markt für Schwergut und Projektladung kommen wird. Aber den Aufschwung wird es geben. Wann genau und wie stark er sein wird, ist heute schwer zu sagen. Nichtsdestotrotz wird er kommen und wir arbeiten daran unser Unternehmen so zu positionieren, dass wir in der Zwischenzeit Chancen nutzen und noch stärker davon profitieren, sobald sich die Branche zu einem positiveren Marktumfeld hin bewegt.

Herr Widdows, ich danke Ihnen für das Gespräch.


Zur Rickmers Gruppe:
Die Rickmers Gruppe mit Hauptsitz in Hamburg ist ein international etablierter Anbieter von Dienstleistungen für die Schifffahrtsindustrie, Schiffseigentümer und Seefrachtführer. Sie ist mit mehr als 20 eigenen Büros in elf Ländern und mehr als 50 Vertriebsagenturen weltweit vertreten. Die Geschäftstätigkeit der Rickmers Gruppe ist in drei Geschäftsbereiche unterteilt: Maritime Assets, Maritime Services und Rickmers-Linie. Im Geschäftsbereich Maritime Assets ist die Rickmers Gruppe als Asset Manager für ihre eigenen Schiffe und Schiffe Dritter tätig, arrangiert und koordiniert Schiffsprojekte, organisiert Finanzierungen und erwirbt, verchartert und verkauft Schiffe. Im Geschäftsbereich Maritime Services erbringt die Rickmers Gruppe Dienstleistungen im Schiffsmanagement für die eigenen Schiffe der Rickmers Gruppe und für Schiffe Dritter, zu denen technisches und operatives Management, Crewing, Neubauüberwachung, Beratungsleistungen und Dienstleistungen im Zusammenhang mit Versicherungen gehören. Im Geschäftsbereich Rickmers-Linie ist die Rickmers Gruppe als Linienreederei für Stückgut, Schwergut und Projektladung tätig und bietet ergänzend zu ihren Liniendiensten auch Einzelreisen an.



Das Interview mit dem Chef der Rickmers Holding GmbH Ronald D. Widdows führte unser Redakteur Markus Gentner.


Bildquellen: Rickmers Holding
Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX leicht im Plus erwartet -- Zalando will noch 2014 an die Börse -- Commerzbank-Chef Blessing für Eurobonds -- Tesla-Aktie auf Rekordhoch -- Concur stellt sich zum Verkauf

United Internet übernimmt Versatel komplett. ProSieben bleibt der DAX-Aufstieg weiter verwehrt. Home Depot prüft möglichen Hackerangriff. 'Deepwater Horizon': Halliburton zahlt 1,1 Milliarden Dollar Entschädigung. Apple: Konten von Prominenten wurden gezielt angegriffen. Frankreich rückt von Sparziel für 2015 ab.
Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Welche Billig-Airline ist die beste der Welt?

Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Seit wie vielen Jahren beschäftigen Sie sich mit Zertifikaten?
Abstimmen
Direkt zu den Ergebnissen

Anzeige