13.03.2012 12:00

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INTERVIEW

Risikoforscher Beck: Die Brutalität des Scheiterns bedroht auch Deutschland



Soziologe Ulrich Beck
Der Soziologe Ulrich Beck ist einer der bedeutendsten Risikoforscher der Welt. Ein Gespräch über die Eurokrise, ignorante Ökonomen und kaschiertes Nichtwissen.

Das Interview führte €uro-Redakteur Mario Müller-Dofel.

€uro: Herr Beck, Sie sind Soziologe. Warum lassen Sie sich von einem Wirtschaftsmagazin zur Eurokrise befragen?
Ulrich Beck: Lassen Sie mich mit einer Anekdote antworten: An der London School of Economics, wo ich lehre, wurde 2009 ein neues Gebäude eingeweiht. Hauptrednerin war Königin Elisabeth und sie fragte: Liebe Ökonomen, warum haben Sie uns nicht die Krise vorausgesagt, die jetzt über uns hereingebrochen ist? Das hat in Großbritannien hitzige Diskussionen ausgelöst. Ich sage: Die Wirtschaftswissenschaften haben versagt — und es ist höchste Zeit, die Pluralität der sozialwissenschaftlichen Stimmen zur Krise in Europa öffentlich zur Sprache zu bringen.

Weiß die Soziologie denn mehr als die Ökonomie?
Beck: Die eine Soziologie gibt es nicht. Aber Soziologen haben andere Sichtweisen. Für mich hängt die Krise eng mit der Kombination aus Risiko und Gesellschaft zusammen. Mit der Risikogesellschaft, wie ich sie nenne.

Was verstehen Sie unter „Risiko“?
Beck: In der globalisierten Welt ist Risiko faszinierend, außerordentlich beweglich und unberechenbar. Es ist die Antizipation einer Zukunft, über die wir nichts wissen können, die aber angeblich über Risikoberechnungen kontrollierbar gemacht werden kann.

Was charakterisiert Ihrer Ansicht nach unsere Risikogesellschaft?
Beck: Vor allem dieses Nichtwissen und seine Folgen, deren Ausmaß wir nicht erkennen können. Uns fehlt ein Instrumentarium, das die Riskanz bestimmter Entscheidungen transparent macht. Denn ihre Folgen können extrem gefährlich für ganze Gesellschaften werden.

Sie sind ein Pessimist, oder?
Beck:
Im Gegenteil. Die Gefahren, die uns die Finanz- und Schuldenkrise gebracht hat, haben eine enorme Mobilisierungskraft und zwingen Institutionen zu neuen Antworten darauf, wie die durch die Krise offenbarten Schwächen unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems beseitigt werden können. Das ist natürlich ein Realexperiment, bei dem die Teilnehmer auch viel spekulieren.

Bildquellen: Axel Griesch
Seite: 123

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Kommentare zu diesem Artikel

Mattef schrieb:
14.03.2012 07:48:31

... Vielleicht sollten Sie nicht auf ein Fach schimpfen, von dem sie überhaupt keine Ahnung haben. Andernfalls kompromittieren sie sich selbst.

Mattef schrieb:
14.03.2012 07:48:02

... da vielleicht nicht jeder Leser von finanzen.net mit der soziologischen Terminologie vertraut ist. Das ändert jedoch nichts daran, dass er empirische Fakten auf höchstem Abstraktionsniveau reflektiert...

Mattef schrieb:
14.03.2012 07:45:38

... Vielleicht ist Ihnen ja auch der Unterschied zwischen einem journalistischen Artikel und einer wissenschaftlichen Arbeit nicht bekannt. Natürlich greift Beck hier teilweise auf ein polemisches Vokabular zurück, ...

Mattef schrieb:
14.03.2012 07:44:40

@ AndiDD
Na dann begründen Sie doch einmal, warum die Messlatte angeblich nicht sehr hoch liegt! Eigentlich lernt man ja schon in der Schule, dass Argumente nicht ohne Begründung auskommen. Ein -Europa ist wie Rührei- Zitat reicht hierzu nicht aus.

AndiDD schrieb:
13.03.2012 21:49:23

@Mattef:
Na, dann passen Sie mal auf. Auch wenn die Messlatte in Ihrem Fachgebiet nicht sehr hoch liegt - nicht umsonst sind Soziologen innerhalb der echten akademischen Disziplinen immer für den Witz der Woche gut - sollte Ihnen in Ihrer Dissertation mehr einfallen als -Europa ist wie Rührei-.

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