18.05.2013 12:20
Bewerten
 (0)

Sanha: Unser Geschäft ist weitgehend branchenunabhängig

Bernd Kaimer, Sanha GmbH & Co. KG
Interview
Die Firma Sanha will im Frankfurter Entry Standard eine Unternehmensanleihe platzieren. Finanzen.net führte anlässlich dieses Vorhabens ein Interview mit Bernd Kaimer, dem Geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens.
Finanzen.net: In der Finanzwelt ist die Sanha GmbH & Co. KG noch nahezu unbekannt. Können Sie das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens in zwei oder drei Sätzen kurz erläutern?
Bernd Kaimer:
Wir sind ein familiengeführter Spezialist für Rohrleitungssysteme und Verbindungsstücke – sogenannte Fittings – mit rund 650 Mitarbeitern und Aktivitäten in 40 Ländern. Sie finden unsere mehr als 8.000 Produkte aus Kupfer, Edelstahl, C-Stahl oder Verbundwerkstoff in Wänden, Böden oder Decken und immer dort wo die Richtung von Rohren geändert oder die Verbindung zu einer anderen Anwendung, beispielsweise einer Armatur, hergestellt wird. Sie kommen in zahlreichen Anwendungen in den Bereichen Wasser, Heizung, Gas, Solar, Industrie und Brandschutz zum Einsatz.

Wie haben sich in den vergangenen drei Jahren die Umsätze und Ergebnisse Ihrer Gesellschaft entwickelt?
Wir sind in den vergangenen drei Jahren solide gewachsen. Von 2010 bis 2012 haben wir den Umsatz von 98 Millionen Euro auf 119 Millionen Euro erhöht. Unser operatives Ergebnis hat sogar von 2,4 Millionen Euro auf 6,2 Millionen Euro zugelegt. Unsere Eigenmittelquote lag Ende 2012 bei guten 30 Prozent.

Die künftigen Inhaber der Unternehmensanleihen dürften vor allem an der Zukunft von Sanha interessiert sein. Welche geschäftlichen Perspektiven können Sie den Investoren in Aussicht stellen?
Wir wollen in Deutschland weiter wachsen, aber auch in anderen europäischen Ländern, im ostasiatischen Raum sowie in Australien und Russland unsere Aktivitäten ausbauen. Sanha befindet sich in einer konservativen Branche, die zahlreiche Chancen für nachhaltiges Wachstum bietet. Wir profitieren von der starken Baukonjunktur in Deutschland. Dies betrifft sowohl Neubauten als auch Renovierungen und Sanierungen. Daneben haben wir ein breites Anwendungsfeld, da unsere Produkte nicht nur in Privathäusern, sondern auch in Industriegebäuden zum Einsatz kommen. Deshalb ist unser Geschäft weitgehend unabhängig von einzelnen Branchen und deren konjunktureller Entwicklung – auch deshalb, weil ein sehr großer Teil unserer Produkte für Renovierungen gebraucht werden.

Innerhalb Ihres Branchensegments bezeichnen Sie sich als Nummer 3 in Deutschland und als Nummer 4 in Europa. Ihre Haustechnik-Produkte werden auch in Solarthermieanlagen eingesetzt. Wie stark ist deren Anteil am Gesamtumsatz und inwiefern tangieren Sie die existenziellen Probleme der Solarbranche?
Man muss im Bereich Solar zwischen der Fotovoltaik und der Solarthermie unterscheiden. Bei der Solarthermie wird warmes oder heißes Wasser, das zur Warmwasserversorgung oder Heizungsunterstützung verwendet wird, erzeugt. Nur dieser Bereich ist für uns relevant und hier kennt man die existenziellen Probleme der Fotovolatik Branche auch nicht. Mit unseren Rohrleistungssystemen sorgen wir für die Verbindung der Solarthermiemodule mit den Pufferspeichern des Heizungs- und Wassersystems. Der Anteil ist bisher unwesentlich, bietet aus unserer Sicht jedoch Potenzial.

Anleger können die Anleihen Ihrer Gesellschaft vom 23. Mai bis zum 31. Mai – vorbehaltlich einer vorzeitigen Schließung – zeichnen. Mit welchen Konditionen sind diese ausgestattet und wofür soll der geplante Emissionserlös von bis zu 25 Millionen Euro verwendet werden?
Das Sanha-Wertpapier ist mit einem festen Zinssatz von 7,75 Prozent pro Jahr und einer Laufzeit von 5 Jahren ausgestattet. Der Emissionserlös dient je zur Hälfte der Wachstumsfinanzierung und der Umfinanzierung. So wollen wir unter anderem die Kapazität für die Produktion von Press-Fittings aus bleifreier Silizium-Bronze für die Trinkwasserinstallation erweitern. Außerdem wollen wir unseren Vertrieb im In- und Ausland ausbauen.

Gibt es bei Ihrer Anleihe Ausstattungsmerkmale, die Anlegern gewisse Vorteile gegenüber „gewöhnlichen Mittelstandsanleihen“ bieten?
Die Anleihe bietet die üblichen Covenants wie Kündigungsrechte bei Zahlungsverzug des Emittenten und bei Kontrollwechsel. Außerdem haben wir uns zu einer Ausschüttungssperre während der Laufzeit verpflichtet. So werden mindestens 80 Prozent des Gewinns im Unternehmen bleiben. Daneben dürfen Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern erst bei einer Eigenmittelquote von mindestens 30 Prozent zurückgezahlt werden.

Spüren Sie als mittelständisches Familienunternehmen, dass die Bereitschaft der Banken Kredite an Industrieunternehmen zu vergeben trotz rekordniedriger Leitzinsen in der Vergangenheit nachgelassen hat? Wer stellt Ihrem Unternehmen bei einem unterstellten Platzierungserfolg der geplanten Anleihe künftig mehr Fremdkapital zur Verfügung, Banken oder Finanzinvestoren?
Leider tun sich Banken bei Finanzierungen mit Laufzeiten ab drei Jahren schwer. Dabei braucht man nicht nur als Mittelständler einen solchen mittelfristigen Finanzierungsrahmen, um ein Unternehmen mit Weitsicht nachhaltig zu entwickeln. Wir nutzen schon seit Jahren Alternativen wie Leasing und Factoring, um eine diversifizierte Unternehmensfinanzierung sicherzustellen. Die Anleihe wird jetzt zu einer weiteren wichtigen Säule.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kaimer.

Zur Person:

Bernd Kaimer führt die Sanha GmbH & Co. KG aus Essen in zweiter Generation. Im Jahr 2012 hat das Familienunternehmen mit rund 650 Mitarbeitern 118,6 Millionen Euro umgesetzt und einen operativen Gewinn (EBIT) von rund 6,2 Millionen Euro erzielt.

Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX schließt unter 9.000 Punkten -- 25 Banken sollen Stresstest nicht bestanden haben -- US-Börsen leicht im Plus -- Ford, BASF, Amazon, Microsoft im Fokus

Apple will Beats-Musik-App in iTunes aufgehen lassen. Deutsche Bank leidet unter Rückstellungen. S&P hebt Bonitätsnote von Zypern an. Ryanair-Chef unterschreibt für fünf weitere Jahre. FMC besorgt sich 900 Millionen US-Dollar am Bondmarkt. Chiquita lässt Fyffes-Fusion platzen. Cameron: Werden Milliarden-Rechnung aus Brüssel nicht bezahlen.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

So platzieren sich die Deutschen

Die öffentliche Verschwendung

Umfrage

Verkehrsminister Dobrindt erwägt scheinbar, die Pkw-Maut vorerst nur auf Autobahnen einzuführen. Was halten Sie von diesem Rückzieher?

Anzeige