11.06.2012 12:00
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Steilmann-Boecker: Wir wachsen seit Jahren stärker als der Markt

Dr. Michele Puller, CEO Steilmann Holding AG
Interview
Der Boom bei Mittelstandsanleihen geht weiter. Finanzen.net sprach mit Dr. Michele Puller, Geschäftsführer der Steilmann-Boecker Fashion Point GmbH & Co. KG über die geplante Anleiheemission des Unternehmens.
Finanzen.net: Ihr Modeunternehmen kann zwar auf eine lange Historie zurückblicken, an den Kapitalmärkten sind Sie bislang aber nicht in Erscheinung getreten. Können Sie in zwei drei Sätzen das Geschäftsmodell und die Strategie von Steilmann-Boecker kurz vorstellen?
Michele Puller:
Steilmann-Boecker wächst seit Jahren schneller als der Markt, weil wir konsequent auf die Erfolgsfaktoren unseres Geschäftsmodells setzen. Dabei konzentrieren wir uns auf kaufkräftige Konsumenten ab 35 Jahren und setzen auf ein diversifiziertes Markenportfolio mit starken Eigenmarken sowie einer Vielzahl an international führenden Lizenz- und Fremdlabels. Außerdem wird bei uns eine starke Serviceorientierung und hohe Kundentreue groß geschrieben.
Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von den Skaleneffekten im Verbund der Steilmann Holding AG, welche die gesamte Wertschöpfungskette der Bekleidungswirtschaft abdeckt.

Sie bieten ab dem 11. Juni eine festverzinsliche Anleihe zur Zeichnung an. Mit welchen Konditionen ist diese ausgestattet?
Das Wertpapier ist mit einem festen Zinssatz von 6,75 % p.a. und einer Laufzeit von fünf Jahren ausgezeichnet. Damit bieten wir angesichts eines Ratings von BBB (Investmentgrade) eine attraktive Rendite gemessen am geringen Risiko.

Als Garantiegeber haftet auch Ihr Mutterkonzern Miro Radici für die Zins- und Tilgungszahlungen der Anleihe. Wie stark hängen beide Gesellschaften voneinander ab?
Die Steilmann-Boecker Fashion Point ist der Retailbereich des Konzerns – sie ist die Verkaufsplattform und damit unerlässlich für das Geschäft mit dem Endkunden. Mit der Erfüllungsübernahme garantiert der Konzern für die Zins- und Tilgungszahlungen gegenüber der Tochtergesellschaft Steilmann-Boecker. Das ist ein klares Bekenntnis und eine zusätzliche Sicherheit für den Anleger.

Im Gegensatz zu vielen anderen Emittenten von Mittelstandsanleihen nutzen Sie den Emissionserlös nicht zum Abbau von Bankverbindlichkeiten. Was haben Sie mit dem Kapital konkret vor?
Wir sind sehr solide aufgestellt und haben keine Bankverbindlichkeiten. Wir wollen vor allem unser Wachstum beschleunigen, aber mit Augenmaß und nicht auf Kosten der Ertragskraft. Deshalb werden wir Schritt für Schritt in der Fläche expandieren, unser Filialnetz ausbauen und unser Sortiment erweitern. Nicht zuletzt wollen wir durch die Mittel aus der Anleihe Skontierungsangebote bei der Warenbeschaffung stärker nutzen, um damit zusätzliche Erträge zu realisieren.

Derzeit fordern einige Marktexperten im Marktsegment Mittelstandsandsanleihen eine bessere Transparenz. In welcher Form möchten Sie dem Informationsbedarf der Anleger in Zukunft gerecht werden?
Nach unserer Einschätzung verfügt der Entry Standard der Frankfurter Börse über die höchsten Transparenzanforderungen unter den Handelsplattformen für Mittelstandsanleihen. Das ist auch ein Grund, warum wir den Börsenplatz Frankfurt gewählt haben.

Die Angst vor einem globalen Konjunktureinbruch hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Wie entwickelte sich das Geschäft von Steilmann-Boecker im Jahr nach der Pleite von Lehman Brothers?
Steilmann-Boecker ist seit 2008 beim Umsatz um 15 % und beim bereinigten Gewinn vor Steuern um 83 % pro Jahr gewachsen. Auch im Krisenjahr 2009 nach der Lehman Pleite haben wir ein positives Vorsteuerergebnis von 1,7 Millionen Euro erzielt. Insgesamt sind die Aussichten für die Modebranche positiv – ungeachtet von Konjunkturschwankungen. Das bestätigen auch die Analysten von Independent Research.

Die Eurokrise scheint von einer Lösung noch meilenweit entfernt zu sein. Wie stark beeinflussen die Probleme Griechenlands und anderer europäischer Peripheriestaaten Ihr Geschäft negativ?
Wir haben bewiesen, dass wir auch in Krisenzeiten wie 2008/2009 Gewinne erwirtschaften können. Steilmann-Boecker hat keine Bankverbindlichkeiten und wir diversifizieren mit der Anleihe unsere Finanzierungsstruktur. Deshalb blicken wir – trotz Euro-Schuldenkrise – optimistisch in die Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Puller.

Zur Person:

Dr. Michele Puller (Jahrgang 1948) ist Geschäftsführer der Steilmann-Boecker Fashion Point GmbH & Co. KG und CEO des Mutterkonzerns Steilmann Holding AG. Der an der Universität Rom promovierte Betriebswirt hat die Miro Radici AG (heutige Steilmann Holding AG) in Deutschland in den 80er Jahren aufgebaut und verantwortet als Vorstandsvorsitzender die strategische Ausrichtung des Konzerns.
Zum Unternehmen:
Die Steilmann-Boecker Fashion Point GmbH & Co. KG mit Sitz in Herne ist ein traditionsreiches deutsches Modeunternehmen mit 10 Boecker-Filialen und 5 Outlets schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen. Das Sortiment besteht aus den konzerneigenen Brands wie Steilmann, Apanage und Kapalua sowie Fremdlabels namhafter Hersteller, die über High Street Stores und Shop-in-Shop-Konzepte für Premiummarken angeboten werden. Im Fokus steht die finanzstarke, qualitätsbewusste Zielgruppe 35+, die auf Markenvielfalt und hohe Servicequalität setzt. Steilmann-Boecker ist Teil der Steilmann Holding AG (ehemals Miro Radici AG), ein europäischer Modekonzern mit weltweit 7.000 Mitarbeitern und 700 Mio. Euro Jahresumsatz. Steilmann-Boecker selbst ist seit der Übernahme im Jahr 2005 kontinuierlich gewachsen und erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 56 Mio. Euro und einen bereinigten Gewinn vor Steuern von 3,3 Mio. Euro.

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