Finanzen.net: Unter deutschen Investoren dürfte Ihr Unternehmen – trotz des markigen Namens „Best in Development and Technology (BDT)“ – noch relativ unbekannt sein. Können Sie Ihre Gesellschaft in zwei oder drei Sätzen kurz vorstellen?
Dr. Holger Rath: Wir sind ein traditionsreiches Technologieunternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von Druckerkomponenten und Datenspeichersystemen spezialisiert hat. Wir arbeiten eng mit nahezu allen führenden IT- und Bürotechnikanbietern zusammen. Diese integrieren unsere Produkte in ihre eigenen oder verkaufen diese unter ihrem eigenen Namen. Grundsätzlich kann man sich vorstellen, dass in nahezu jedem Serverraum dieser Welt ein Produkt aus unserem Geschäftsbereich Storage Automation und in jedem großen Drucker eine Komponente aus unserem Geschäftsbereich Media and Paper Handling zu finden ist.
Inwiefern wirkt sich der Trend zum Cloud Computing, also das Outsourcen von Rechner- und Speicherkapazitäten, auf Ihre Geschäftsperspektiven aus?
Das Cloud Computing führt dazu, dass riesige Datenmengen gespeichert werden müssen. Dieses Wachstum hat zur Folge, dass auch der Bedarf an automatisierten Zugriffsystemen für diese Daten steigt. Letztendlich ist die "Cloud" nur eine Ansammlung von Hard- und Software in Rechenzentren, die ohne extrem zuverlässige, preiswerte und robuste Speichermedien wie „Tape“ – also „Band“ – nicht auskommt. Je mehr die Cloud wächst, desto größer wird auch der Bedarf an automatisierten Tape-Lösungen von BDT. Wie wichtig gerade hier die zuverlässige Bandsicherung ist, zeigte der Ausfall des Cloud-E-Mail-Dienstes von Google in 2011. Verloren gegangene Anwenderdaten konnten nur dank einer Bandsicherung wiederhergestellt werden.
Der Zugriff auf diese Bänder muss flexibel anpassbar sein, um auf steigende oder auch fallende Datenmengen reagieren zu können. Unsere Systeme können das. Zudem müssen Daten, die aktuell nicht mehr gebraucht werden, lokal in der eigenen IT oder im Rechenzentrum archiviert werden. Aus Kosten- und Effektivitätsgründen kommen auch hier unsere auf der Bandtechnologie aufsetzende Datenspeichersysteme zum Einsatz.
Auf der diesjährigen Branchenmesse drupa sorgte die von BDT entwickelte Tornado Technologie, die sich durch eine deutlich verbesserte Energieeffizienz auszeichnet, für erhebliches Aufsehen. Können Sie deren Besonderheit kurz erläutern und welche Rolle wird das Produkt innerhalb Ihres Unternehmens künftig spielen? Haben Sie bereits größere Aufträge abgeschlossen oder in Aussicht?
Mit der Tornado Technologie haben wir eine Druckerkomponente entwickelt, die das Potenzial hat, den digitalen Druckermarkt zu revolutionieren. Das System basiert auf dem Prinzip eines Wirbelsturms und macht es möglich, unterschiedlichste Materialien schonend und vor allem kostensparend in den Drucker zu transportieren bzw. zuzuführen. Alte, unterdruckbasierte Systeme, die viel Platz einnehmen und hohe Energiekosten verursachen, können so der Vergangenheit angehören. HP Indigo, führender Anbieter im Bereich industrieller Digitaldrucker, hat unsere Tornado Technologie bereits in einigen ihrer Drucker implementiert und zeigt sich begeistert. Zudem haben wir viele weitere Interessenten auf der drupa gewonnen, mit denen wir zur Zeit in engen Vertragsverhandlungen stehen. Hier erwarten wir in den kommenden Geschäftsjahren erhöhte Umsätze.
Die Wurzeln Ihres Unternehmens reichen 45 Jahre zurück. Wie entwickelten sich in den vergangenen Jahren Umsätze und Ergebnisse und wann mussten Sie letztmals ein Verlustjahr ausweisen?
Da wir Umstrukturierungen in unserer Geschäftsstruktur vorgenommen haben, gibt es die BDT Media Automation in ihrer jetzigen Aufstellung erst seit Ende 2010. Weder in 2011 noch in 2012 haben wir hier Verluste geschrieben.
Die letzten Verluste aus den Geschäftsbereichen der Vorgängergesellschaft, die heute die BDT Media Automation GmbH ausmachen, liegen rund zehn Jahre zurück.
Viel wichtiger als die Vergangenheit sind für Investoren bekanntlich vor allem die Perspektiven einer Gesellschaft. Welchen Ausblick zur Umsatz- und Gewinnentwicklung von BDT können Sie hier den Lesern von finanzen.net geben?
Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir mit einem Umsatz von rund 124 Millionen Euro und einem EBIT von etwa fünf Millionen Euro. Für die kommenden fünf Jahre planen wir mit einem moderaten Umsatzwachstum von ca. zwei Prozent pro Jahr. Durch Effizienzsteigerungen im operativen Geschäft, wie beispielsweise durch das Outsourcing unserer Produktion in China, wird sich die Profitabilität überproportional zum Umsatz verbessern. So rechnen wir in 2017 mit einem EBIT von rund sieben Millionen Euro.
Mit welchen Konditionen ist Ihre Unternehmensanleihe konkret ausgestattet und wofür wollen Sie den geplanten Emissionserlös verwenden?
Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird mit 8,125 Prozent p. a. verzinst. Das Gesamtvolumen beläuft sich bis zu 30 Millionen Euro bei einer Stückelung von 1.000 Euro.
Mit dem Emissionserlös wollen wir unsere starke Marktposition festigen und ausbauen. Im Geschäftsbereich Storage Automation werden wir insbesondere in das Segment größerer Datenspeichersysteme investieren. In den Bereich Paper and Media Handling sollen Mittel zur Weiterentwicklung der Tornado Technologie fließen. Darüber hinaus sind die fortlaufende Stärkung des Bereichs Forschung und Entwicklung sowie die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten geplant.
Mit einem Kupon von mehr als acht Prozent gehören Sie im Frankfurter Entry Standard für Unternehmensanleihen zweifellos zu den „großzügigen“ Emittenten. Doch hohe Zinsen gelten bekanntlich auch als Indiz für ein erhöhtes Risiko. Welche Risiken stehen bei Ihnen ganz oben auf der Watchlist?
Zuerst einmal wissen wir, dass Unternehmen mit einem starken Markennamen zuletzt besser vom Markt angenommen wurden – egal, ob diese hinsichtlich ihrer Bilanzen besser aufgestellt waren, als unbekanntere Firmen. Wir sind ein Technologieführer im Hintergrund und auf das BtoB-Geschäft spezialisiert. Zwar stecken unsere Entwicklungen in Produkten großer Konzerne wie HP, Dell oder Fujitsu; beim Endverbraucher sind wir aber weitestgehend unbekannt. Daher ist der Kupon etwas höher als bei Emittenten mit starkem Markennamen.
Zudem sind auch wir natürlich nicht gänzlich unabhängig von konjunkturellen Schwankungen. Da wir aber beinahe zu allen führenden Anbietern unserer Zielbranchen enge Geschäftsbeziehungen pflegen, ergeben sich für uns aufgrund unserer weltweit marktführenden Zuliefererposition auch große Chancen am Marktwachstum unserer Kunden zu partizipieren.
Was gab letztendlich den Ausschlag sich über eine Unternehmensanleihe und nicht über Banken oder Mezzanine-Darlehen frisches Kapital zu besorgen?
Als mittelständisches Unternehmen, das vor allem innovativ tätig ist, also ein nicht geringes Maß in den Bereich der Forschung und Entwicklung investiert, wollen wir uns keine großen Abhängigkeiten von nur einer Finanzierungsform leisten. Die Finanzierung über den Kapitalmarkt durch die Begebung einer Anleihe ist für uns ein komplementärer Finanzierungsweg zum klassischen Bankdarlehen. Wir gehören zu den Marktführern in unseren Segmenten, und das auch, weil wir der Innovationsführer in unseren Geschäftsfeldern sind. Um unsere starke Marktposition zu halten und weiter auszubauen, müssen wir uns in unserer Finanzierung unabhängig aufstellen. Die Begebung einer Anleihe sehen wir hier als gutes Mittel an.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Rath.
Zur Person:
Dr. Holger Rath, geboren am 28. September 1967 in Kirchheim unter Teck, kam Im April 2011 zu BDT und wurde zum Geschäftsführer Finanzen bestellt.
BDT Media Automation GmbH mit Sitz in Rottweil/ Baden-Württemberg, sieht sich als einer der weltweit führenden Technologiepartner der wichtigsten Unternehmen der IT- und Druckerbranche. 1967 gegründet, entwickelt und produziert die Firma innovative und hochspezialisierte Lösungen zur Datenspeicherautomation sowie automatisierte Papier- und Medienhandhabungsapplikationen für Druckersysteme zum Zuführen oder Ablegen von Papier und anderen Medien.
Bildquellen: BDT