21.06.2013 15:45
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paragon schaltet auf Wachstum

Klaus Dieter Frers (CEO), paragon AG
Interview
Der Automobilzulieferer paragon AG kann auf eine belebte Vergangenheit zurückblicken. finanzen.net sprach mit Klaus Dieter Frers (CEO) über die aktuelle Geschäftslage und die geplante Unternehmensanleihe.
finanzen.net: Herr Frers, wie laufen die Geschäfte?
Klaus Dieter Frers:
Wir sind sehr zufrieden. Unser Umsatz wächst stetig und lag 2012 bei mehr als 70 Millionen Euro. Unsere EBIT-Marge beträgt rund 11 Prozent. Die Zeichen stehen auf Wachstum.

Das war nicht immer so. Die Lehman-Pleite hatte die Konjunktur einbrechen lassen und die Autoindustrie ebenfalls. Als Zulieferer geriet auch paragon in Mitleidenschaft und musste sich sanieren. Operation gelungen?
Ja, absolut. Das war für viele Zulieferer eine sehr schwierige Zeit, aber drei Jahre nach der erfolgreichen Sanierung stehen wir besser da als jemals zuvor. Heute gibt uns Creditreform ein BB+ Rating – das ist nur eine Stufe unter Investment Grade. Wir sind solide und weitgehend bankunabhängig finanziert, haben eine Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent und können unser organisches Wachstum aus dem laufenden Geschäft stemmen. Wir haben den Neustart genutzt, um uns auf das zu besinnen, was unser Geschäft ist: Im Automobilsektor immer ein paar Ideen voraus zu sein und Produkte zu entwickeln, bevor die Hersteller wissen, dass sie sie brauchen.

Und Sie erkennen die Trends vorher?
Zumindest ist uns das bislang ganz gut gelungen. Wir warten nicht ausschließlich einfach darauf, bis man auf uns zukommt, sondern entwickeln innovative Produkte für neue Funktionen und Bedürfnisse, die wir dann den Herstellern anbieten. Es stimmt zwar, dass wir generell davon profitieren, wenn unsere Kunden mehr Autos verkaufen. Wichtiger als die Auto-Stückzahl ist aber eine andere Entwicklung, die uns zugute kommt: Das Auto wird immer elektronischer, immer individueller und bekommt immer mehr Fahrzeugfunktionen. Schlüsselinnovationen finden zunehmend in der Elektronik statt, und auch der Anteil der Elektronik an der Wertschöpfung steigt kontinuierlich. Damit nimmt auch die Zahl und der Wert der paragon-Produkte zu, die in einem einzelnen Fahrzeug eingebaut sind. Schon heute finden Sie kaum ein Premiumauto, in dem nicht mindestens eines unserer Produkte steckt.

2012 erzielten Sie mit dem VW-Konzern den Löwenanteil Ihrer Umsätze. Wie stark ist das Wohl und Wehe Ihres Unternehmens vom Erfolg der Marken VW, Audi, Porsche & Co. abhängig?
Ich spreche das Wort gern für Sie aus: Sie fragen nach dem Klumpenrisiko. Ein solches kann ich nicht erkennen. Hierzu muss man zunächst einmal wissen, dass der Anteil des VW-Konzerns erst durch die Übernahme unseres langjährigen Kunden Porsche auf 67% gestiegen ist. Vorher lag dieser bei um die 50%, was von außen betrachtet natürlich noch immer ein sehr hoher Anteil ist. Allerdings sind wir in den einzelnen VW-Marken mit sehr vielen verschiedenen Produkten in unterschiedlichsten Modellphasen vertreten. Das Risiko eines gleichzeitigen Umsatzwegfalls mehrerer Produkte ist sehr gering. Abgesehen davon sind wir in vielen Bereichen Marktführer, zu manchen unserer Produkte gibt es im Markt schlichtweg gar keine Alternative. Zudem bleiben wir ja nicht stehen und arbeiten permanent an neuen Produkten. Wir geben unserem wichtigsten Kunden keinen Grund, sich anderswo umzuschauen.

Investoren interessieren sich nicht nur für die Vergangenheit, sondern vor allem für die Perspektiven eines Unternehmens. Wie fällt ihr derzeitiger Unternehmensausblick aus?
Für 2013 erwarten wir hier ein Umsatzplus von fünf Prozent. Auch unsere EBIT-Marge von rund 11 Prozent werden wir halten können. Unser Geschäft ist mit langen Vorlaufzeiten sehr gut planbar. Schon Ende Mai lagen für den geplanten Umsatz des laufenden Geschäftsjahres mehr als 96 Prozent der Kundenabrufe vor. Derzeit haben wir eine Vertriebsniederlassung in China, planen dort aber auch den Aufbau einer eigenen Produktion. China ist für uns ein wichtiger Markt, in dem wir zusammen mit unseren Kunden wachsen, aber auch die chinesischen Autohersteller im Blick haben. Für unsere Produkte gibt es dort immenses Potenzial. Saubere Luft zum Beispiel finden Sie in chinesischen Großstädten oft nur in Autos mit unserer Luftqualitätselektronik. Die ionisiert die Luft im Fahrzeug, und Sie können wieder aufatmen. Wir arbeiten zudem daran, unser bestehendes Geschäft mit gezielten Akquisitionen weiter auszubauen.

Welche Geschäftsfelder bereiten Ihnen unter Rentabilitätsgesichtspunkten derzeit besonders viel Freude und welche eher weniger?
Alle unsere Geschäftsbereiche entwickeln sich hervorragend, das eine vielleicht schneller als das andere. Vom Umsatz her ist das Sensorgeschäft das stärkste, gefolgt von Cockpit und Akustik. Aber auch die noch recht neuen Geschäftsfelder Elektromobilität und Karosserie-Kinematik haben schneller PS auf die Straße bekommen als erwartet. In der Elektromobilität z.B. haben wir kürzlich einen besonders großen Schritt nach vorn gemacht: Vossloh, der Marktführer für Elektrobusse, bekommt seine Batteriepacks künftig von paragon.

Wo Sie die beiden jüngsten Marktsegmente Elektromobilität und Karosserie-Kinematik ansprechen: Können Sie diese Unternehmensbereiche etwas näher erläutern?
In der Karosserie-Kinematik stellen wir Bauteile und Systeme her, die bewegte Teile der Karosserie betreffen, sei es nun im Fahrzeuginnenraum die Lenkrad-Schaltwippen zum Schalten der Gänge oder eben ausfahrbare Spoilersysteme, die mit neuartigen Antrieben versehen sind. Im Bereich Elektromobilität stellen wir hauptsächlich große Batteriepacks her, für die wir nur die Batteriezellen extern einkaufen. Batterieregelung und -gehäuse werden von uns entwickelt und produziert. Die Bereiche haben wir erst neu aufgebaut, aber sie zeigen sehr schnell, dass die Entscheidung richtig war.

Welches hauseigene Produkt fasziniert Sie – losgelöst von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen – unter technologischen Aspekten am meisten?
Da will ich zwei nennen – und zwar aus verschiedenen Gründen. Das eine ist aus dem Bereich Akustik: Wir sind der weltweit einzige Hersteller eines Sicherheitsgurts mit integrierten Freisprechmikrofonen. Diese sind dadurch sehr nahe am Sprecher platziert und in der Klangqualität kaum zu schlagen; Nebengeräusche fehlen fast völlig. Dieses Produkt fasziniert mich, weil die Idee an sich ja recht simpel ist, die Umsetzung aber nicht ganz so einfach, und wir können es. Das andere Produkt ist unser bereits erwähnter Luftgütesensor. Den finden Sie schon in unzähligen Autos, und noch immer hat es niemand geschafft, eine vergleichbar praxistaugliche Lösung für die Qualität der Innenraumluft herzustellen. Es ist technisch eine zu harte Nuss.

Anleger können die Anleihe Ihrer Gesellschaft – vorbehaltlich einer vorzeitigen Schließung – vom 25. bis 28. Juni zeichnen. Mit welchen Konditionen ist diese ausgestattet und wofür soll der geplante Emissionserlös von bis zu 20 Millionen Euro verwendet werden?
Die Anleihe hat eine Laufzeit von fünf Jahren und ist mit 7,25% jährlich verzinst. Unser Rating ist wie gesagt BB+. Mit dem Emissionserlös wollen wir die weitere Internationalisierung vorantreiben, noch mehr in unsere neuen Geschäftsfelder Elektromobilität und Karosserie-Kinematik investieren und die Produktion am Standort St. Georgen erweitern. Zudem planen wir Akquisitionen. Wo notwendig, werden wir Kredite tilgen und unsere Liquiditätsreserve stärken.

Wie sieht bei der paragon AG der aktuelle Finanzierungs-Mix aus? Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben, sich über eine Unternehmensanleihe frisches Kapital zu besorgen?
Dass wir unsere Bankenabhängigkeit stark verringern konnten, sehen wir gerade mit Blick auf die aktuell schwierige Situation der Banken als großen Vorteil. Unsere Eigenkapitalquote ist mit über 30 Prozent sehr komfortabel. Insofern ist „Finanzierungs-Mix“ ein gutes Stichwort, und unseren ergänzt die Anleihe perfekt.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Frers.

Zur Person:

Klaus Dieter Frers ist CEO der paragon AG und gründete das Unternehmen im Jahr 1988. Im Jahr 2000 brachte er paragon an die Börse. Zu den Kunden zählen vorrangig deutsche Premium-Automarken wie Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen.

Bildquellen: Paragon
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