08.09.2012 00:00
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Karlsberg will entgegen dem Markttrend weiter wachsen

Karlsberg emittiert Unternehmensanleihe
Karlsberg-Interview
Die Karlsberg Brauerei GmbH bietet an der Frankfurter Wertpapierbörse eine Inhaberschuldverschreibung mit einem jährlichen Kupon von 7,375 Prozent zur Zeichnung an. finanzen.net führte ein Interview mit Christian Weber, Generalbevollmächtigter und Verantwortlicher für die strategische Unternehmensführung der Gruppe.
Hinweis: Die Anleihe der Karlsberg Brauerei GmbH (ISIN DE000A1REWV2) konnte bereits am ersten Zeichnungstag (10. September 2012) am Markt platziert werden.

finanzen.net: Der Biermarkt gilt ja nicht gerade als Wachstumsmarkt. Mit welchem Rezept möchten Sie sich in dem stark zersplitterten Markt in Deutschland behaupten?
Christian Weber:
Unser Produktportfolio ist sehr facettenreich und von starken Marken geprägt. Mit unseren Kernmarken Karlsberg, Mixery und Gründel’s Alkoholfrei treffen wir den Verbrauchergeschmack und sind in Wachstumssegmenten des deutschen Biermarktes sehr gut positioniert. Alkoholfreie Biere werden immer beliebter, weswegen unser Gründel’s und Gründel’s Fresh innerhalb des Produkportfolios die besten Wachstumschancen besitzen. Mit Mixery haben wir ein zusätzliches Trendgetränk. Als Pionier in diesem Segment sind wir mit Biermischgetränken bereits seit 1996 unterwegs, sind bundesweit die Nummer eins bei Cola-Bier und die Nummer drei bei Biermischgetränken insgesamt. Hier wollen wir mittelfristig auch an die Spitze. Wir haben uns in unserer 134-jährigen Geschichte den Ruf der Innovationsbrauerei erarbeitet. Mit innovativem Denken und Handeln, neuen Getränken und intelligenten Gesamtkonzepten sind wir entgegen dem allgemeinen Markttrend gewachsen und wollen das auch weiterhin tun.

Und wie sieht Ihre Strategie für den Bierverkauf im Ausland aus?
Die Karlsberg Brauerei ist international in über 50 Ländern aktiv, hier vor allen Dingen im Handelsmarkengeschäft aber natürlich auch im Markengeschäft. Traditionell fokussiert sich unsere Gruppe vor allen Dingen auf Frankreich und Westeuropa, sind aber beispielsweise auch in Kanada mit einer eigenen Brauerei vertreten. Unsere Produkte gibt es auf allen fünf Kontinenten. Generell gilt aber: Das Biergeschäft ist ein sehr regional geprägtes Business. Das sieht man schon alleine daran, dass es in der Bier-Nation Deutschland über 1.300 Brauereien gibt.

Welche Rolle spielen in Ihrer Brauerei alkoholfreies Bier und die trendigen Biermischgetränke hinsichtlich Umsatzanteil, Rentabilität und künftigem Marktpotenzial?
Wir sind mit Mixery in einem modernen Trendsegment für die Szenegastronomie und den Handel unterwegs und waren in diesem Bereich 1996 in Deutschland First Mover. Hier sehen wir Potenzial nach oben und wollen mittelfristig nicht nur national mit Cola-Bier ganz oben stehen, sondern den Biermischgetränke-Markt insgesamt anführen. Alkoholfreies Bier ist stark im Kommen und birgt ein sehr gutes Wachstumspotential sowohl in der Gastronomie als auch im Handel. Gesundheitsbewusster Genuss und isotonische Durstlöscher sind in. An unserem Markenumsatz machen Mixery und Gründel’s insgesamt rund 50 Prozent aus. Im Vergleich zu den Handelsmarken als taktischem Segment sind alle unsere Kernmarken ertragsstark.

Die Karlsberg Brauerei hält mit 52 Prozent die Mehrheit an der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG. Welche strategische Bedeutung räumen Sie dieser Beteiligung auf lange Sicht ein?
Nicht die Karlsberg Brauerei GmbH als Emittentin ist beteiligt, sondern die Karlsberg Holding. Unsere Holding ist bereits seit dem Jahr 2001 bei Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG investiert. Wir sehen diese Beteiligung also als langfristiges Engagement. Wir haben seinerzeit diesen Schritt getan, um uns zu diversifizieren und Marktpotenziale optimal nutzen zu können. Die Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG ist wie wir mit starken Marken in Gastronomie und Handel vertreten und eine Größe in Süddeutschland. Hier bietet vor allen Dingen der allgemeine Trend zu regionalen Erzeugnissen noch gute Wachstumschancen. Daran arbeiten wir.

Mit der anstehenden Anleiheemission möchten Sie erklärtermaßen Ihr traditionsreiches Familienunternehmen weiterhin erfolgreich in die Zukunft steuern. Wie entwickelten sich Umsätze und Ergebnisse und wann gab es letztmals ein Verlustjahr zu beklagen?
Wir haben in den letzten Jahren nachhaltig in die Neuausrichtung unseres Unternehmens und in die Weiterentwicklung unserer Kernmarken investiert, was sich natürlich auf das Ergebnis ausgewirkt hat. Auch mit Hilfe des Anleihe-Emissionserlöses wollen wir diesen Weg weitergehen und Wachstumschancen realisieren. Unser Umsatz ist von 2010 auf 2011 leicht gesunken, von 162,2 Millionen Euro auf 161,8 Millionen Euro. Im Jahr 2009 hatten wir noch einen Umsatz von 195,6 Millionen ausgewiesen, allerdings waren hier noch rund 30 Millionen Umsatz mit der Tequilla-Biermarke Desperados enthalten. In 2009 haben wir die Desperados-Vertriebsrechte veräußert. Unsere Ertragsentwicklung hat sich seit 2009 nachhaltig positiv entwickelt. So stieg das EBITDA von auf 14,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr, das EBIT auf 4,9 Millionen Euro und der Jahresüberschuss ist im Vergleich zu 2009 um über 130% im Plus für 2011 und beläuft sich auf 1,6 Millionen Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Jahresergebnis 2009 positiv durch den Verkauf von Desperados beeinflusst war. Letztmals ein Verlustjahr gab es 2008.

Mit welchen Konditionen ist die Anleihe ausgestattet?
Das Emissionsvolumen beträgt bis zu 30 Millionen Euro, die Laufzeit fünf Jahre. Unser Karlsberg Wertpapier ist mit einem attraktiven Kupon von 7,375% ausgestattet, der Rückzahlungskurs ist 100%. Darüber hinaus haben wir unsere Anleihe mit über das Übliche wie Kontrollwechsel, Drittverzug, Negativerklärung, Gleichrang hinausgehenden Covenants ausgestattet, so Bruttoverschuldungsbegrenzung, Mindesteigenkapitalquote sowohl für die Brauerei als Emittentin als auch für die Holding und Ausschüttungsbegrenzung. Wir haben also ein attraktives Paket für die Anleger geschnürt, die unsere bereits seit 1878 erfolgreich im Markt befindliche Brauerei auf dem Weg in die Zukunft begleiten möchten.

Bekommen Sie als mittelständisches Unternehmen die Krise der Banken bereits zu spüren. Was hat Sie letztendlich veranlasst, sich über den Kapitalmarkt und nicht über Banken zu finanzieren?
Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren Banken. Von einer Krise oder besonderen Komplikationen im Umgang mit unseren Partnern auf der Bankenseite können wir nicht berichten. Wir weisen jedoch auch eine solide Kapitalbasis mit einer Eigenkapitalquote von 27,6% aus. Der Grund für die Begebung der Anleihe ist recht simpel: Wir wollen unsere Finanzstruktur weiter diversifizieren. Das Wertpapier ist ein weiteres Standbein.

Der geplante Emissionserlös beläuft sich auf 30 Millionen Euro. Wofür soll dieses Kapital konkret verwendet werden?
Wir werden das Wachstum unserer starken, strategischen Marken forcieren und die operative Ertragsverbesserung der letzten Jahre nochmals beschleunigen. Konkret bedeutet das Investitionen in die Gastronomie gekoppelt mit Lieferverträgen, Distributionsausweitung im Einzelhandel, gezielte geografische Expansion, Erschließung neuer Märkte sowie Investitionen in Technologien zur Produktivitätssteigerung. Entsprechende Aktivitäten werden bereits seit 2011 umgesetzt und sind mit kurzfristigen Darlehen finanziert. Einen Teil des Emissionserlöses werden wir einsetzen, um diese Darlehen abzulösen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Weber.

zur Person:

Christian Weber, 33 Jahre alt, ist Verantwortlicher für die strategische Unternehmensführung sowie Generalbevollmächtigter der Karlsberg-Gruppe. Als designierter Nachfolger von Karlsberg-Chef Dr. Richard Weber wird er in fünfter Generation das erfolgreiche mittelständische Familienunternehmen in die Zukunft führen.

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