23.05.2013 08:45

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KEHRTWENDE

Bernanke: Fed könnte Fuß bei Anleihekäufen vom Gas nehmen


US-Notenbankchef Ben Bernanke wendet sich vor dem US-Kongress und hält die Tür für eine Straffung der ultralockeren Geldpolitik nun doch offen.

Zuvor hatte der US-Notenbankchef noch Spekulationen über einen raschen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik gedämpft. "Ein voreiliges Ende oder eine Straffung birgt das Risiko, die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen", sagte der Fed-Chef am Mittwoch in Washington. Die Geldpolitik bleibe so lange wie nötig expansiv, versprach Bernanke bei einer Anhörung vor dem US-Kongress.

An der New Yorker Börse stieg der Dow Jones unmittelbar nach den Äußerungen um zeitweise 85 Punkte an. Auch an der Frankfurter Börse reagierten Anleger zunächst erleichtert, der Leitindex Dax sprang erstmals in der Geschichte über die Marke von 8.500 Punkten.

HEFTIGE SCHWANKUNGEN AM DEVISENMARKT

Der Devisenmarkt ging nach den Aussagen hingegen auf Berg- und Talfahrt. Der US-Dollar geriet zunächst stark unter Druck, der Euro stieg im Gegenzug bis knapp unter die Marke von 1,30 Dollar. Im Verlauf der Anhörung drehte die Stimmung jedoch. Zuletzt stand die europäische Gemeinschaftswährung mehr als einen Cent tiefer bei 1,2866 Dollar.

Grund war die Aussage Bernankes, das Tempo der monatlichen Anleihekäufe könne bei den nächsten Fed-Sitzungen durchaus gedrosselt werden. Nachdem der Fed-Chef eingangs noch betont hatte, auf wie wackeligen Beinen der moderate Aufschwung stehe, sprachen Devisenhändler von einer "unglaublichen Kehrtwende". Bernanke betonte jedoch, dass eine kontinuierliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage Voraussetzung sei, um den Fuß bei den Anleihekäufen vom Gas zu nehmen.

'NIEDRIGZINSEN KÖNNTEN FINANZSTABILITÄT UNTERGRABEN'

Zwar befinde sich die US-Wirtschaft in diesem Jahr auf einem "moderaten Wachstumskurs", sagte Bernanke. Die weltweit größte Volkswirtschaft werde 2013 voraussichtlich um 2,5 Prozent wachsen. Auch sei die Arbeitslosenquote zwar auf 7,5 Prozent gefallen. Doch die Lage auf dem Jobmarkt bleibe kritisch, vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei "historisch hoch". Die Inflation sei dagegen nach wie vor gering. Daher sei weiterhin eine "anpassungsfähige Geldpolitik" notwendig.

Allerdings sagte Bernanke auch, dass "eine lange Zeit niedriger Zinsen Kosten und Risiken" mit sich brächten. Eine zu lange Periode von Niedrigzinsen "könnte die Finanzstabilität untergraben".

FED-PROTOKOLL MIT SPANNUNG ERWARTET

Der US-Leitzins befindet sich bereits seit Jahren auf einem historischen Niedrigstand zwischen 0 und 0,25 Prozent. Zudem unternimmt die Federal Reserve Anleihekäufe für insgesamt 85 Milliarden Dollar (64,5 Mrd Euro) monatlich. Einige Fed-Mitglieder und konservative Politiker fordern eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik.

Mit Spannung erwarten Anleger deshalb die Veröffentlichung des Protokolls der letzten Fed-Sitzung von Anfang Mai. Nach dem Auftritt Bernankes könnten die sogenannten "Minutes" weiteren Aufschluss über die Pläne der Währungshüter liefern./hbr/pm/he

WASHINGTON (dpa-AFX)

Bildquellen: isak55 / Shutterstock.com

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Kommentare zu diesem Artikel

zatanik schrieb:
23.05.2013 09:39:09

Das war doch keine Kertwende. Bernanke hat doch vor allem das gesagt, was er zuvor auch gesagt hat. Außerdem bereitet er die Märkte auch einen behutsamen Ausstieg vor. Die Betonung liegt auf behutsam. Vor nächstem Jahr erwarte ich keine Rücknahme,

Maniko schrieb:
22.05.2013 23:18:02

Bernanke und sein ganzes Gremium werden sich hüten Entscheidungen zutreffen die das Wirtschaftswachstum bremsen, zu mehr Arbeitslosigkeit führen und so US Firmen um ihre Gewinne bringen. Außerdem, wer würde dann US Treasuries kaufen?

khaproperty schrieb:
22.05.2013 18:44:16

Ben redet immer so daher, daß ihm keiner einen Strick drehen kann.
Die Daten, die er für Entscheidungen braucht, schnitzt er sich selbst.
Das Timing hängt an den jeweiligen Dispositionen seiner cronies.
Warum soll das diesmal anders sein?

khaproperty schrieb:
22.05.2013 18:32:19

Die letzten minutes sagen:
1- will sofort alles QE stoppen
1- sofort einengen
3- juni einengen, Dez. stoppen
5- sept. enger, Dez. stoppen
2- wollen nichts ändern.
Also ist die Mehrheit für Stop bis Dez.

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