21.02.2013 17:00
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Die Rendite-Falle

Kündbare Anleihen
Einige Anleihen können von den Emittenten zurückgerufen werden und bescheren Anlegern dann Verluste. Was Sie beachten müssen.
€uro am Sonntag

von Marc Hofmann, Euro am Sonntag

Herbert Schramm* ist ein konservativer Anleger. Mit Aktien hat er nichts am Hut. „Zu viel Risiko bei ungewissem Ertrag“, sagt der 65-Jährige. Der pensionierte Architekt setzt daher lieber auf Anleihen. Die muss er nicht ständig beobachten und er erhält planbare Zinsen.

Bereits seit 30 Jahren investiert Schramm in Bonds. Anfangs nur in solide Staats- und Unternehmensanleihen, seit Kurzem auch in Hochzins­papiere bonitätsschwacher Emittenten. „Das ist nötig, seit die Zinsen so niedrig sind“, sagt er. Dass Hochzinsanleihen ein erhöhtes Ausfallrisiko bergen, war dem Pensionär bekannt. Weniger bekannt war ihm dagegen, dass sie oft auch Call-Optionen (Ruf-Optionen) enthalten, die dem Emittenten eine vorzeitige Kündigung gestatten. Diese Wissens­lücke beschert ihm nun Verluste.

Im konkreten Fall geht es um eine Anleihe des Gesundheitskonzerns Fresenius. Schramm hatte das Papier im Oktober 2012 für 10 000 Euro gekauft. Zu diesem Zeitpunkt notierte der Bond bei 104,50 Prozent des Nennwerts, die Restlaufzeit betrug 3,3 Jahre. Bei einem Kupon von 5,5 Prozent ergab sich daraus eine jährliche Rendite von 4,1 Prozent.

Doch am 7. Januar 2013 kündigte Fresenius die Anleihe vorzeitig. Bereits einen Monat später wurde das Papier zum vertraglich fixierten Rückkaufkurs von 100,916 Prozent aus Schramms Depot entnommen  —inklusive Ankaufspesen und Abgeltungsteuer erlitt er einen Verlust von 2,8 Prozent. Das entspricht in etwa der Nachsteuerrendite, die das Papier in einem Jahr bringen sollte.

Zahl der Calls steigt
Fresenius ist derzeit nicht das einzige Unternehmen, das seine Anleihen vorzeitig tilgt. Auch die Baumarktkette Hornbach verkündete kürzlich, dass sie ihren 2014er-Bond zum 25. Februar abrufen wird. Für Gerhard Wolf, Leiter der Kreditanalyse der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), kommen die Calls nicht überraschend: „Das aktuell niedrige Zinsniveau macht es für ­Unternehmen attraktiv, ihre alten, hoch verzinsten Papiere einzuziehen und neue Anleihen mit geringeren Kupons zu emittieren.“ Wolf erwartet daher, dass die Zahl der Calls noch weiter steigen wird.

Einer der nächsten Kandidaten könnte der Reifenhersteller Continental sein. Denn die Kurse des Conti-Bonds sind schon seit Wochen im Sinkflug. Oft ist das ein Zeichen, dass der Markt einen Call erwartet.

Neben Indizien dieser Art können Anleger aber auch am Typ der Option erkennen, ob ein Call drohen könnte. So tragen manche Papiere zum Beispiel nur eine „Make Whole“- (MH-)Option. Diese erlaubt es dem Emittenten zwar jederzeit zu kündigen, doch muss er dann auch alle Zinsen bis zur Endfälligkeit zahlen, diskontiert um den Zins einer Referenz-(Bundes-)Anleihe. Beim derzeit niedrigen Zins von Bundeswertpapieren würde dies bedeuten, dass das Unternehmen fast die gesamten Zinsen bis zum Ende der regulären Laufzeit zahlen müsste. Die Firma hätte durch die Kündigung also keinen Vorteil mehr. Deshalb ist das Call-Risiko bei einer Make-Whole-Option vorerst gering.

Ebenso begrenzt ist auch das Risiko bei Bonds mit „Europäischer Option“ (EO). Sie berechtigt den Emittenten nur einmal während der Laufzeit, zu einem vorher festgelegten Termin zu kündigen. Kennt man das Datum und ist es bereits verstrichen, so ist der Call vom Tisch.

Als gefährlichste Gruppe bleiben somit Anleihen mit „Bermuda-Option“ (BO) oder „Amerikanischer Option“ (AO) übrig. Gefährlich deshalb, weil sie mehrfach kündbar sind. Im Fall der Bermuda-Option ist der Call zum Beispiel immer zu einem bestimmten Datum, zumeist dem Zinstermin, möglich. Die Amerikanische Option geht sogar noch einen Schritt weiter. Hier ist die Kündigung jederzeit möglich.

Allerdings: Auch vor diesen Papieren müssen Anleger nicht immer zittern. Handelt es sich etwa um eine Mittelstandsanleihe, so ist das Risiko eines Calls gering. Das liegt daran, dass die Emittenten dieser Papiere zumeist kleine Betriebe mit schwacher Kapitalstruktur sind. Für sie wäre es kaum möglich, sich am Markt günstiger zu refinanzieren. Ein Call der Anleihe wird dadurch unwahrscheinlich.

Anleger, die genau hinsehen, dürften kaum Gefahr laufen, von einem Call überrascht zu werden. Passiert es trotzdem, sollte man Ruhe bewahren. Denn manchmal wird nicht die gesamte Anleihe, sondern es werden lediglich 20 oder 30 Prozent des ausstehenden Volumens eingeholt. In diesem Fall wird dann jedem Anleger ein entsprechender Prozentsatz aus dem Depot gebucht. Wird die Anleihe jedoch komplett gekündigt, so gibt es keine Möglichkeit, sich dem zu widersetzen. Schließlich waren alle Bedingungen des Bonds vorab bekannt.

Für Anleger gilt einmal mehr, sich vor dem Kauf einer ­Anleihe gründlich zu informieren. Die entsprechenden Wertpapier­prospekte erhält man bei allen Banken oder den Unternehmen direkt.

Bildquellen: Kiselev Andrey Valerevich / Shutterstock.com, Sergey Nivens / Shutterstock.com

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