von M. Hofmann u. J. Spiering, Euro am Sonntag
Seit Wochen gab es Gerüchte, nun ist es offiziell: Der im SDAX notierte Fahrzeugzulieferer SAF-Holland hat seine erste Mittelstandsanleihe begeben. Für Bondkäufer bietet sich damit nach Dürr, Air Berlin und Scholz wieder die Möglichkeit, in ein größeres Unternehmen mit knapp einer Milliarde Euro Umsatz zu investieren.
Entstanden ist SAF-Holland Ende 2005. Damals fusionierte die traditionsreiche SAF-Gruppe mit der US-amerikanischen Holland-Gruppe. Während SAF seit 130 Jahren auf die Produktion von Achsen spezialisiert war, steuerte die Holland-Gruppe ihr Know-how im Trailer- und Lkw-Auflegerbau bei. Heute stellt SAF-Holland mit 3100 Mitarbeitern Achs- und Federungssysteme, Anhängerkupplungen oder Stützwinden her. Außerdem bekommt der Service eine immer wichtigere Rolle.
Zur ersten Bewährungsprobe kam es für SAF-Holland im Jahr 2009. Die Auswirkungen der Finanzkrise waren in der Fahrzeugindustrie mit einjähriger Verspätung angekommen und drückten den Gewinn des Konzerns auf nahezu null. Die Eigenkapitalquote sank auf 5,1 Prozent.
Doch schon ein Jahr später fand SAF-Holland auf den Wachstumspfad zurück: mit einem Restrukturierungsprogramm und einer Kapitalerhöhung. Von 2010 auf 2011 legte der Umsatz um 200 Millionen Euro auf 831 Millionen Euro zu. Der operative Gewinn (Ebit) stieg um 54 Prozent auf 57,3 Millionen. Auch die
Eigenkapitalquote beträgt mittlerweile wieder 36,8 Prozent, die Nettoverbindlichkeiten liegen mit 160 Millionen Euro völlig im Rahmen.
In den vergangenen Wochen hat SAF mit einem neuen Konsortialkredit seine Finanzierungsstruktur neu geordnet. Dazu gehört auch die jetzt angebotene Anleihe, die schon nach wenigen Stunden voll platziert war. 75 Millionen Euro hat SAF-Holland damit eingenommen. 50 Millionen werden in die Reduzierung des Konsortialkredits gesteckt, die restlichen 25 Millionen werden für operative Tätigkeiten, zu denen auch mögliche Übernahmen gehören, in Reserve gehalten. „Durch die neue Finanzierungsstruktur sparen wir jedes Jahr sieben Millionen Euro“, sagte Finanzchef Wilfried Trepels gegenüber Euro am Sonntag. Selbst eine Dividendenzahlung für das Jahr 2012 sei „denkbar.“ Mittelfristig soll die Verschuldung auf 100 Millionen Euro abgebaut werden.