09.01.2013 09:39
Bewerten
(0)

Nach der Fiskalklippe ist vor der Fiskalklippe

Von Jan Amrit Poser, Chefökonom, Bank Sarasin & Cie AG

Über den Jahreswechsel ist der Weltuntergang gleich zweimal abgesagt worden. Nicht nur, dass das Ende des Maya-Kalenders statt zum Ende der Welt in ein neues Maya-Zeitalter führte; sondern auch die «US-Fiskalklippe» ist erfolgreich umschifft worden. Tatsächlich hätten die unter dem Begriff «Fiskalklippe» subsumierten automatischen Staatsausgabenkürzungen und Steueranhebungen im Wert von insgesamt 600 Mia. US-Dollar das Zeug gehabt, die US-Wirtschaft und mit ihr auch die Weltwirtschaft im Jahr 2013 in eine tiefe Rezession zu reißen. Im Morgengrauen des ersten Tages des neuen Jahres 2013 verkündeten jedoch die führenden Politiker von Republikanern und Demokraten, dass sie einen Kompromiss gefunden hätten. Die Finanzmärkte atmeten erleichtert auf.

Doch nach der Fiskalklippe ist vor der Fiskalklippe. Denn neben einer Einigung über das Auslaufen einer Lohnsummensteuersenkung und einer Steuersatzerhöhung für Superreiche, besteht der Kompromiss vor allem darin, dass die Sparmaßnahmen um zwei Monate verschoben werden. Der Grund dafür ist offensichtlich. Voraussichtlich im Februar 2013 werden die USA an die gesetzlich vorgeschriebene Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen US-Dollar stoßen. Beide große Parteien haben ein Interesse daran, die Einigung um eine Erhöhung der Schuldenobergrenze mit der Einigung um die Sparmaßnahmen zu verknüpfen. Denn nach dem deutlichen Wahlausgang zugunsten von Präsident Obama ist klar, dass die Demokraten das Volk auf ihrer Seite haben. Die Mehrheit der Amerikaner unterstützt Obamas Kurs und würde ein Scheitern der Verhandlungen der republikanischen Tea-Party-Bewegung zuschreiben. Gleichzeitig zeigen jedoch die meisten Umfragen, dass die Mehrheit der Amerikaner gegen eine Anhebung der Schuldenobergrenze ist, was das Drohpotenzial der Republikaner in dieser Frage erhöht. Da beide Seiten eine Waffe zur völligen Zerstörung des Gegners in der Hand halten, ähneln die Verhandlungen denjenigen zwischen den USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg. Man verzichtet auf den Gebrauch der Waffen und verständigt sich auf Abrüstung.

Soweit die Theorie. Doch wie in den Zeiten des Kalten Krieges kann man sich niemals sicher sein, ob nicht am Ende doch ein Verrückter auf den roten Knopf drückt. Erstens muss uns die Tatsache beunruhigen, dass der Kompromiss nicht in der sprichwörtlichen «letzten Minute» zustande gekommen ist, sondern erst einen Tag später im neuen Jahr. Dieser Lapsushatte nur Dank dessen keine Auswirkungen, weil der erste Januar ein Feiertag ist. Zweitens hat es nach dem Kompromiss erhebliche Kritik in beiden Lagern an den Verhandlungsführern gegeben. Tatsächlich war der Kompromiss für beide sehr schmerzlich. Von Obamas Plänen, die Steuersenkungen der Bush-Ära zu eliminieren ist wenig übrig geblieben; das republikanische Versprechen, keiner Steuererhöhung zuzustimmen, hat sich in Rauch aufgelöst. Angesichts der Blessuren versprechen die nächsten Verhandlungen noch härter zu werden.

Die Bank Sarasin denkt jedoch, dass auch im Februar 2013 letztendlich ein Kompromiss gefunden wird, der den Bremseffekt der Sparpolitik abmildert und in die Zukunft verlegt. Das bedeutet jedoch gleichzeitig auch, dass das US-Haushaltsdefizit hoch bleibt und die Schulden in den USA weiter steigen. Die nächste Konsolidierungs- und Schuldenobergrenzendebatte ist damit vorprogrammiert. Nach der Fiskalklippe ist vor der Fiskalklippe.
----------------------------------------
Soeben erschienen: BOND YEARBOOK 2012/13 -
Das Nachschlagewerk für Anleiheinvestoren und -Emittenten
Renommierte Autoren und Interviewpartner nehmen Stellung zu den Themenfeldern High Yield-Anleihen, Mittelstandsanleihen, Covered Bonds, Investmentstrategien sowie Tax & Legal. Das jährliche Nachschlagewerk erscheint bereits im 4. Jahrgang und hat einen Umfang von 108 Seiten. Die Ausgabe kann zum Preis von 29 Euro beim Verlag bezogen werden:
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2012-11/Flyer_Bestellformular_BondBook_12_13.pdf
----------------------------------------



Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

Heute im Fokus

DAX geht mit kleinem Plus ins lange Wochenende -- S&P bestätigt Deutschlands Top-Bonität -- Gotham City plant weitere Berichte zu AURELIUS -- Air Berlin, Deutsche Bank, Alphabet, Amazon im Fokus

VW muss laut CEO Müller wegen Herausforderungen auch profitabel sein. Chevron schreibt wieder schwarze Zahlen. SolarWorld verringert Verluste. US-Wirtschaft startet schwächer als erwartet ins Jahr. Apple arbeitet offenbar an digitalem Geld-Transfer und Prepaid-Kreditkarte.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

SAP - Digitalisierung ist eine Goldgrube!

Das Softwarehaus aus Walldorf dominiert den globalen Markt für Unternehmenssoftware. Selbst das innovative Silicon Valley kann den Deutschen nicht das Wasser reichen. Das hat mittlerweile auch die Wall Street erkannt. Der DAX-Titel befindet sich auf Rekordjagd. Immer mehr US-Investoren springen auf. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, wie die Digitalisierung die Aktie antreibt und warum SAP für Trader und Investoren interessant ist.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Top-Rankings

KW 17: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 17: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 16: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Umfrage

Nach hundert Tagen im Amt istTrump der unbeliebteste US-Präsident der modernen Geschichte. Sind Sie mit Donald Trump zufrieden?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
CommerzbankCBK100
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Amazon.com Inc.906866
BayerBAY001
BASFBASF11
Apple Inc.865985
AURELIUSA0JK2A
Allianz840400
Deutsche Telekom AG555750
BMW AG519000
Facebook Inc.A1JWVX
Deutsche Post AG555200
E.ON SEENAG99