von Emmeran Eder, €uro am Sonntag
Altehrwürdig ist der österreichische Spezialpharmahersteller Sanochemia Pharmazeutika AG. Seit 1869 stellt der Mittelständler mit gegenwärtig 188 Beschäftigten industriell Arzneimittel her. Nun begeben die Wiener erstmals eine Unternehmensanleihe ohne besondere Besicherung im Entry Standard des Frankfurter Freiverkehrs. Angepeiltes Volumen sind 15 Millionen Euro. Der Kupon ist mit 7,75 Prozent attraktiv, das Papier läuft fünf Jahre.
Die Rendite spiegelt das hohe Risiko wider. Das zeigt der Aktienkurs, der auf Allzeittief steht. Seit 1999 notiert die Firma an der Frankfurter und Wiener Börse.
Neben der Human- gibt es eine wichtige Veterinärmedizinsparte. Rund 20 Prozent des Umsatzes von 34 Millionen Euro machen das Alzheimermedikament Galantamin, 20 Prozent die Auftragsproduktion und 60 Prozent die Kontrastmittel aus, die bei Computertomografie und Röntgen verwendet werden.
Bei Galantamin läuft das Patent für das Herstellungsverfahren 2015 aus. Viele Kontrastmittel warten noch auf die US-Zulassung. Daher sinkt der Wachstumsbeitrag des US-Markts, der Hauptmarkt Europa stagniert. Mit dem Geld aus der Anleihe soll daher vorwiegend der Vertrieb in den Schwellenländern über Lizenzpartner ausgebaut werden. Dort ist die Konkurrenz aber groß.
Misstrauisch macht, dass bei einer Aktienemission im Vorjahr von den avisierten 15 nur 4,9 Millionen Euro eingesammelt wurden. Der Firma bleibt nun offenbar nichts anderes übrig, als statt einer günstigen Aktien- eine teure Anleiheemission durchzuführen. Auch das Ergebnis im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2011/2012 ist mit drei Cent pro Aktie leidlich. Ob die Wiener — wie 2011 verkündet — die Trendwende schon geschafft haben, ist zweifelhaft.
Für das Unternehmen spricht, dass es mehrheitlich Stiftungen der Familie Frantsits und einer nahestehenden Familie gehört, die großes Interesse am Erfolg der Firma haben. Zudem ist das Eigenkapital hoch, die Verschuldung moderat. Von Vorteil ist, dass durch ein breites Produktportfolio keine Abhängigkeit von nur einem oder zwei Produkten besteht. Die Österreicher haben sogar noch Krebsmedikamente in der Pipeline.
Trotzdem gehen Bondkäufer ein hohes Risiko ein — bis zum Totalverlust. Spekulativen Anlegern bietet die Aktie (AT 000 077 630 7) ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis. Sie notiert weit unter Buchwert. Gelingt der Turnaround, sind hohe Kursgewinne drin, viel mehr als mit dem Bond — bei ähnlichem Risiko.
Bildquellen: Keystone