aktualisiert: 02.10.2012 16:47
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Mittelstandsanleihen: Pleiten, Pech und Potenzial

Neuemissionen: Mittelstandsanleihen: Pleiten, Pech und Potenzial | Nachricht | finanzen.net
Anleger lassen sich bei Mittelstandsanleihen durch hohe Kupons begeistern
Neuemissionen
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Der Emissionsmarkt läuft wieder auf vollen Touren. Neben viel Schrott und Blendern mit bekannten Namen locken auch solide Hochzinsbonds.
€uro am Sonntag
von Marc Hofmann, Euro am Sonntag

Mario Draghi kennt Peter Rentsch vermutlich nicht. Doch der EZB-Chef hat dem Boss der Modemarke Eterna einen Dienst erwiesen: Er verhalf der ersten Anleihe des Hemdenherstellers zum Erfolg. Gerade einmal eine Stunde war das Orderbuch am Montag geöffnet. Als es schloss, überstiegen die Kaufaufträge das Angebot um das 4,5-Fache. Draghis Ankündigung, den Euro um jeden Preis zu retten, hat die Märkte kräftig angeschoben. Die Lust auf Risiko ist wieder da und mit ihr der Markt für Mittelstands­anleihen. Nachdem das Segment der kleinen, aber hoch verzinsten Bonds zuletzt ausgetrocknet war, kommen nun wieder Neuemissionen am laufenden Band.

Den Anfang machte am 10. September ein 7,5-Prozenter der Travel24 AG. Einen Tag später folgte die Karlsberg Brauerei, die ebenfalls über sieben Prozent bot. Dann drängten die Hahn-Immobilien-Anleihe, der Eterna-Bond sowie der Holzverarbeiter Egger an den Markt. Alle Papiere konnten zumeist binnen Stunden voll platziert werden.

Bekannte Namen blenden Anleger
Doch die Jagd nach Rendite macht An­leger blind. Trotz der jüngsten Pleiten von BKN-Biostrom, Solarwatt und SIAG-Schaaf werden vor allem bekannte Namen noch immer ungeprüft gekauft. Das war wohl auch bei Eterna der Fall.

2006 wurde der Textilhersteller von den Finanzinvestoren Alpha und Quadriga übernommen. Diese wandelten die AG in eine GmbH um und sattelten den Kaufpreis dem Unternehmen als Gesellschafterdarlehen drauf. Nicht zuletzt deshalb explodierten die Schulden und drückten die Eigenkapitalquote auf mickrige vier Prozent. In den Folgejahren gelang es Eterna nicht, in die Gewinnzone zurückzukehren. 2009 fiel ein Verlust von 2,9 Millionen Euro an, 2010 von 2,8 Millionen und 2011 von 2,5 Millionen . Es überrascht daher nicht, dass der Erlös des Bonds vorrangig der Schuldentilgung dienen soll.

Trotz der dürftigen Zahlen verlieh die mit der Erstellung des Ratings beauftragte Creditreform Eterna immerhin ein „BB-“-Rating. Der Bond gilt damit zwar als spekulativ, doch ist bei dieser Ratingstufe das Risiko noch überschaubar. Konkret liegt die historische Ausfallrate auf Sicht von fünf Jahren hier bei 9,77 Prozent. Bei acht Prozent Verzinsung klingt das nach einem fairen Chance-Risiko-Verhältnis. Wie subjektiv die Bonitätsnoten allerdings sind, zeigte sich nur zwei Tage nach der Emission. Ohne Auftrag gab auch die Agentur Scope eine Bewertung zu Eterna ab. Hier lautete das Urteil „CCC+“. Dieses Rating liegt vier Stufen unter der Einschätzung von Creditreform. In Zahlen ausgedrückt, beträgt das historische Ausfallrisiko also bereits 44,93 Prozent. Der Bond wäre damit nicht mehr spekulativ, sondern schlichtweg Schrott.

Für Anleger macht dieser Fall deutlich, dass sie sich niemals blind auf ein Rating oder einen bekannten ­Namen verlassen sollten. Die eigenständige Prüfung der Geschäftszahlen bleibt bei Mittelstandsanleihen oberstes Gebot.

Solide Anleihen sind rar
Von einem vermeintlich guten Namen profitierte auch der Bond des Bierbrauers Karlsberg. Wie eine Auswertung der Google-Anfragen ergab, suchte die Mehrheit der Interessenten nach dem Begriff „Carlsberg Anleihe“. Im Gegensatz zur kleinen Brauerei aus dem Saarland, die sich mit „K“ schreibt, ist die dänische Carlsberg-Gruppe jedoch der viertgrößte Braukonzern der Welt. Eine folgenschwere Verwechslung.

Ebenso wie Eterna wurde auch Karlsberg von Creditreform mit „BB-“ bewertet. Allerdings liegt die Eigenkapitalquote hier bei 27,6 Prozent, und 2011 wurde ein Überschuss von 1,6 Millionen Euro erzielt. Der Bond ist damit zwar ebenfalls spekulativ, aber immer noch wesentlich solider als das Papier von Eterna.

In die Kategorie „spekulativ“ fallen auch die Anleihe des Onlinereiseportals Travel24 (wir berichteten in Heft 36/12) sowie das ­Papier des Onlineversandhändlers Getgoods.de (Heft 37/12). Solide sind hingegen der Bond der Hahn-Immobilien AG (Heft 38/12) sowie das Papier des mittlerweile etablierten Emittenten Egger und der Bond von KTG Energie (mehr hierzu in Ausgabe 40/12).

Obwohl die Neuemissionen noch auf Hochtouren laufen, hat der Kaufrausch in dieser Woche merklich nachgelassen. Schuld daran sind sicher auch die Ratingwirren der vergangenen Tage. So konnte keines der aktuell in der Zeichnung befindlichen Papiere mehr voll platziert werden. Die Enterprise Holding, ein Spezialversicherer aus Gibraltar, sammelte nur 13,7 statt der erhofften 35 Millionen Euro ein. Bei Identec, einem Hersteller von Funketiketten (RFID) aus Liechtenstein, und BDT, einem Datenautomationsunternehmen, hinken die Verkäufe ebenfalls den Erwartungen hinterher.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einige Firmen ihre geplanten Emissionen verschieben. Statt der erwarteten 15 Bonds bis Jahresende könnten es daher auch nur fünf werden. Mit etwas Glück sind jedoch interessante Papiere dabei. So kursieren derzeit Gerüchte, dass etwa der Maschinenbauer SAF Holland, das Bauunternehmen Porr sowie der Schnapsbrenner Berentzen die Begebung einer Anleihe prüfen.

Mittelstandsbonds
So kaufen Sie richtig

• Geschäftsmodell Vor dem Kauf sollte man sich über das Geschäftsmodell und die Marktstellung des Emittenten informieren. Ist die Firma neu am Markt, ist Vorsicht geboten.
• Volumen Hat der Bond ein geringes Volumen (unter 50 Millionen), so erstirbt später häufig der Handel. Ein vorzeitiger Verkauf ist dann schwierig.
• Emittentenrating Generell gilt: Bonds mit Rating sind solchen ohne vorzuziehen. Der Investment-Grade, also eine als solide geltende Anleihe, reicht von „AAA“ bis „BBB-“. Ein Plus oder Minus hinter der Note zeigt die Tendenz des Ratings an. Der Markt bewertet die Ratings von Creditreform oder Euler im Schnitt um drei bis vier Stufen niedriger (also „B+“ statt „BB+“), als das bei den Ratings der großen US-Agenturen wie Standard & Poor’s der Fall ist.
• Bilanzkennzahlen Wichtig ist das Verhältnis von Nettoschulden zu Ebita (Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen). Eine Nettoverschuldung bis zum Doppelten des Ebita gilt als solide. Ist die Nettoverschuldung viermal so hoch, ist von der Anleihe abzuraten. Das Ebita ist in der Bilanz angegeben. Die Nettoverschuldung berechnet sich aus kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten (z. B. Bankkredite, eigene Anleihen) abzüglich flüssiger Mittel (z. B. Kassenbestand) sowie kurzfristiger Finanzanlagen (z. B. Wertpapiere).
• Verwendung des Anleiheerlöses Will das Unternehmen mit dem Bond nur Altschulden tilgen oder Wachstum finanzieren? Wachstumsfinanzierung ist immer vorzuziehen.
Anleiheempfehlungen (pdf)

Bildquellen: igorstevanovic / Shutterstock.com

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