31.07.2013 12:30
Bewerten
 (0)

Mittelstandsanleihen: Minibonds im Paket

Mittelstandsanleihen: Minibonds im Paket
Neuer Fondsplayer
Wer mit einem Fonds breit in Mittelstandsanleihen investieren wollte, hatte bisher nur wenig Auswahl. Nun startet ein neues Produkt.
€uro am Sonntag

von Peer Leugermann und Thomas Strohm, Euro am Sonntag

Mittelstandsanleihen sind für Anleger verlockend, bieten sie doch in der aktuellen Niedrigzinsphase relativ hohe Kupons. Viele der Schuldtitel werden allerdings von Firmen mit schlechten Bonitätsnoten emittiert, sie gehören zu den risikoreichen Hochzinsanleihen. Gezielte Auswahl und breite Streuung über verschiedene Branchen sind darum besonders wichtig.

Wer hierbei auf einen Fondsmanager vertrauen will, hat indes nur eine kleine Auswahl. Lediglich bei einer Handvoll Produkte können Privatanleger schon ab wenigen Tausend Euro einsteigen. Bald kommt ein weiteres Vehikel dazu: Am Montag startet die Zeichnungsfrist für den Fonds Steubing German Mittelstand.

Dessen Fondsmanager Ralf Mei­nerzag will ausschließlich in Mittelstandsanleihen investieren. Diesen klaren Fokus hat auch der im April gestartete Bayerninvest Mittelstandsanleihen ETF. Er ist zwar als börsennotierter Indexfonds aufgelegt, folgt aber keinem Index, sondern hat einen aktiven Manager.

Der Steubing-Fonds wird sich wegen des ähnlichen Ansatzes am Bayerninvest-Produkt messen lassen müssen. Die Münchner sind erfahrene Asset-Manager, mit ihrem ETF haben sie dennoch bisher lediglich ein Volumen von 8,5 Millionen Euro erreicht. Als kritische Mindestgröße eines Fonds gelten 20 Millionen Euro. Steubing ist als Wertpapierhandelsbank etabliert, muss sich als Asset-Manager aber erst noch beweisen. Ob und wie schnell der neue Fonds deshalb eine nennenswerte Größe bekommt, bleibt abzuwarten.

Problematische Doppelrolle
Am Markt für Mittelstandsanleihen ist Steubing allerdings bereits aktiv. Und genau das weckt Skepsis. Denn Steubing begleitet Unternehmen bei der Emission von Anleihen und will hier die Marktstellung auch noch weiter ausbauen. Diese Doppel­rolle birgt einen möglichen Interessenkonflikt: Schließlich könnte der Steubing-Fonds den Anleihen der eigenen Kunden unter die Arme greifen, wenig gefragte Papiere bei Emission kaufen und bei bereits gehandelten Anleihen Kurspflege betreiben. Davon will man bei Steubing nichts wissen. Beides sei strikt getrennt. Der Fonds dürfe von einzelnen Anleihen auch nur ein geringes Volumen halten — zu wenig, um deren Kurse beeinflussen zu können.

Der Fonds ist gemäß den UCITS-Regeln aufgelegt. Er darf damit maximal zehn Prozent des Anleihevolumens eines Emittenten halten. Zudem dürfen in eine einzelne Anleihe nicht mehr als zehn Prozent des Fondsvolumens gesteckt werden. Fondsmanager Meinerzag geht sogar noch weiter — er setzt sich selbst jeweils fünf Prozent als Grenze.

Mittelfristig strebt er ein Portfolio von 20 bis 25 Anleihen an. Eine Chance haben bei ihm nur Schuld­titel mit überzeugenden Kennzahlen und einem Management, das dem Fondsteam Rede und Antwort steht. Mit den Verantwortlichen der meisten Emittenten hat Meinerzag schon gesprochen. Längst nicht alle Schuldtitel kommen für ihn als Investment in Betracht.

Enges Marktsegment
Es gibt zwei weitere Fonds mit Schwerpunkt auf mittelständische und inhabergeführte Firmen: den Johannes-Führ-Mittelstands-Rentenfonds und den Artus-Mittelstands-Renten-HI-Fonds. Beide mischen Anleihen größerer Unternehmen bei, um stets ausreichend liquide zu bleiben und Anleger ohne Probleme auszahlen zu können. Steubing will hierfür vorsorgen, indem immer mindestens zehn Prozent der Fondsmittel in bar gehalten werden. Der Hintergrund: Es werden zwar rund 100 Mittelstandsanleihen mit einem Gesamtvolumen von 3,6 Milliarden Euro gehandelt. Das Volumen vieler Papiere ist aber klein, das Handelsaufkommen oft gering. Der Abstand von Kauf- zu Verkaufskurs kann darum gerade in nervösen Marktphasen steigen. Ein hoher Spread bedeutet für Investoren, die verkaufen müssen, zusätzliche Einbußen. Profi­investoren fühlen sich deshalb mit großvolumigen Bonds wohler.

Von den angebotenen Fonds ist der von Johannes Führ am längsten am Markt, nämlich seit 2010. Auf Jahressicht legte er 4,2 Prozent zu. Der Artus-Fonds, der die Strategie seit Anfang 2012 verfolgt, lief mit einem Plus von 5,6 Prozent etwas besser. Der Bayerninvest-ETF hat seit April in einem zeitweise schwierigen Rentenmarktumfeld 0,3 Prozent verloren. Üppig sind diese Renditen angesichts der Risiken von Mittelstandsanleihen allesamt nicht.

Investor-Info

Steubing German Mittelstand
Ganz neu am Start

Fondsmanager Ralf Meinerzag investiert ausschließlich in Mittelstandsanleihen von Emittenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit seiner Auswahlstrategie will er den Vergleichsindex Mibox schlagen. Das Bondbarometer spiegelt die Entwicklung aller in Deutschland gelisteten Mittelstands­anleihen. Auf Jahressicht hat der Mibox um vier Prozent zugelegt. Der Ausgabeaufschlag des Fonds (ISIN: LU 093 408 098 6) ist mit fünf Prozent für einen Rentenfonds üppig, bei Zeichnung von 29. Juli bis 9. August entfällt er jedoch. Das Produkt kann – ähnlich wie Mittelstandsanleihen – über die Börse Frankfurt gezeichnet werden. Die laufenden Kosten liegen bei 1,55 Prozent. Steubing hat sich als Fondsanbieter noch nicht bewährt – lieber abwarten.

BI Mittelstandsanleihen ETF
Ziemlich frisch im Angebot

Wie das Steubing-Produkt investiert der Fonds von Bayerninvest nur in Mittelstandsanleihen. Er ist zwar als ETF konstruiert, bildet aber keinen Index nach, sondern hat mit Martin Achter einen aktiven Fondsmanager. Seit dem Start im April dieses Jahres steht ein kleines Minus zu Buche – im zuletzt turbulenten Rentenmarkt ist das nicht ehrenrührig. Schließlich verloren vor allem risikoreichere Titel, zu denen Hochzins- und damit Mittelstandsanleihen zählen, an Boden. Die Kosten des Produkts sind niedrig: Ausgabeaufschlag zwei Prozent, laufende ­Kosten maximal 1,5 Prozent. Guter Ansatz, ­geringe Kosten, Bewährung steht aber noch aus.

Bildquellen: Michael Staudinger / pixelio.de
Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Heute im Fokus

DAX auf Höhenflug -- Dow mit neuem Rekordhoch -- Goldpreis fällt auf Vierjahrestief -- Airbag-Defekt bei Audi -- BoJ lockert Geldpolitik -- Citigroup, Lanxess, Starbucks, Groupon, LinkedIn im Fokus

E.ON und RWE müssen Klagen gegen Atommüll-Lagerung zurücknehmen. Großbritannien zahlt Weltkriegsanleihe zurück. Chevron trotzt Ölpreisrückgang. Exxon macht mehr Gewinn. Panasonic hebt Prognose an. Russische Notenbank stemmt sich mit Zinserhöhung gegen Rubel-Verfall. Daimler beteiligt sich an Motorradbauer MV Augusta.
In welchen europäischen Ländern ist das Preisniveau besonders hoch?

Welche Aktien zählt George Soros zu seinem Portfolio?

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Umfrage

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat den Sparkurs der Bundesregierung infrage gestellt. Denken Sie auch, dass der Staat mehr investieren sollte?

Anzeige