27.11.2012 15:54
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Wer verkauft Griechen-Bonds?

Offene Fragen um Athen
Die Troika will Griechenland im Dezember endlich den ersehnten Kredit von 44 Milliarden Euro auszahlen. Aber zunächst sollen die Griechen schnell noch ihre Schuldenlast reduzieren, indem sie Staatsanleihen zu den aktuell niedrigen Kursen zurückkaufen.
Der Plan lässt einige Fragen offen: Woher nehmen die Griechen das Geld? Und wer verkauft diese Bonds zu so niedrigen Preisen?

   Woher das Geld für den Schuldenrückkauf kommen soll, ist derzeit nicht klar. Griechenland befindet sich am Rand der Zahlungsunfähigkeit, vor der es erst die nächste Kredittranche retten kann. Der Schuldenrückkauf ist aber eine Voraussetzung dafür, dass dieses Geld überhaupt fließt.

   Beobachter gehen deshalb davon aus, dass es hierzu eine Vorfinanzierung geben muss. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet zum Beispiel, das dies über das laufende EFSF-Programm geschehen wird. Klare Aussagen dazu gab es bei der Pressekonferenz nach der Sitzung der Eurogruppe jedoch nicht.

   Um den tatsächlichen Bedarf zu schätzen, müsste Griechenland nun am Markt sondieren, wie groß die Nachfrage an einem Rückkaufprogramm ist. Krämer geht davon aus, dass Griechenland rund die Hälfte der ausstehenden Papiere im Volumen von 67 Milliarden Euro angedient werden. Könnte es diese zu einem Abschlag von rund 70 Prozent zu kaufen, würde sich abzüglich der eingesetzten Mittel eine Schuldenreduzierung von 23 Milliarden Euro ergeben. "Ungefähr die Hälfte der heute Nacht beschlossenen Schuldenreduktion käme über den Schuldenrückkauf", meinte er.

   DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater ist dagegen eher skeptisch. "Als operatives Risiko in diesem Plan sehe ich noch die Anleiherückkäufe, konkret, ob sich genügend Verkäufer finden lassen", sagte er dem Handelsblatt.

   Wer verkauft zu einem so niedrigen Preis? Obwohl die Kurse griechischer Staatsanleihen in Erwartung eines Rückkaufprogramms in den vergangenen zwei Wochen um knapp 13 Prozent angezogen haben, notieren sie immer noch deutlich unter par. Wer jetzt verkauft, bekommt möglicherweise nur einen Bruchteil des einst eingesetzten Geldes, bei zehnjährigen Papieren zum Beispiel nur noch 34,8 Prozent.

   Anleihen-Experte Alexander Aldinger von der Commerzbank geht davon aus, dass sich die Anleihen überwiegend im Besitz von griechischen Banken und Hedge Fonds befinden. Er glaubt, dass Hedge Fonds einem Rückkauf zustimmen werden, weil sie bei Preisen von 15 bis 20 Prozent des Nominalwerts eingestiegen sind und nun für um die 30 Prozent verkaufen könnten.

   Bei einem Rückkaufprogramm, so meint er, hätten sie dann den Vorteil eines fixen Verkaufspreises und liefen nicht Gefahr, sich die Preise in einem dünnen Markt kaputtmachen. Die Analysten der Commerzbank empfehlen des weiteren, Gewinne auf griechische Anleihen mitzunehmen, nachdem sie aufgrund der Rückkaufspekulationen in den letzten Wochen bereits ansehnliche Kursgewinne aufweisen konnten.

   Valentijn van Nieuwenhuijzen von ING Investment Management, der selbst einige Griechen-Bonds im Portfolio hat, rechnet mit einer eher zurückhaltenden Nachfrage: "Ich befürchte, dass die Beteiligung etwas enttäuschend sein wird", sagte er. Allerdings, so fügte er hinzu, dürften sie (die Troika-Mitglieder) bei der Beurteilung des Rückkaufergebnisses "flexibel" sein. ING selbst hat nach seiner Aussage noch nicht über eine Teilnahme an einem Rückkaufprogramm entschieden.

   Abschließen müssen die Griechen den Anleiherückkauf spätestens bis zum 12. Dezember, dem Tag vor dem EU-Gipfeltreffen, bei dem die Auszahlung des Kredits beschlossen werden soll. Am Erfolg des Programms hängt viel, vor allem das Wohlwollen des IWF. Denn dieser will sicherstellen, dass Griechenland seine Schuldenlast möglichst bald wieder alleine tragen kann.

   Dass die Euro-Staaten eine Entscheidung über einen Schuldenschnitt für Griechenland auf 2016 verschoben haben, erhöht die Bedeutung einer unmittelbaren Reduzierung der Schulden.

   (Mitarbeit: Benjamin Krieger, Neelabh Chaturvedi)    Kontakt zu den Autoren: hans.bentzien@dowjones.com und michael.denzin@dowjones.com DJG/hab/chg   Dow Jones Newswires   November 27, 2012 08:29 ET (13:29 GMT) Von Hans Bentzien und Michael Otto Denzin

Bildquellen: Ververidis Vasilis / Shutterstock.com, mojito.mak[dog]gmail[dot]com / Shutterstock.com

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