von Marc Hofmann, €uro am Sonntag
Der Markt für Mittelstandsanleihen ist noch jung und hat viele Kinderkrankheiten“, sagt der Vermögensverwalter Johannes Führ. Recht hat der Rentenguru.
Eine Kinderkrankheit sind zum Beispiel die Sonderregeln der Börsen. Unter anderem wirbt man in Stuttgart damit, dass sich Unternehmen, die im BondM-Segment gelistet sind, einem jährlichen Folgerating unterziehen müssen. Das ist eine gute Idee. Denn das Rating von Creditreform oder Euler Hermes ist nur für ein Jahr gültig. Ein Folgerating garantiert daher konstante Überwachung und Transparenz.
Für Aktiengesellschaften (AG) gilt allerdings eine Ausnahme. Da börsennotierte AGs regelmäßig über ihre Geschäfte berichten müssen, kann die Börse sie von ihrer Ratingpflicht entbinden. Das wird nicht nur in Stuttgart so praktiziert, sondern auch im Mittelstandsmarkt der Börse Düsseldorf oder im Entry Standard der Börse Frankfurt. Der Maschinenbauer Dürr und die Fluggesellschaft Air Berlin machten als Erste von dieser Regelung Gebrauch. Ihre Bonds hatten daher von Anfang an keine Benotung.
Anders verhält es sich dagegen im Fall der Johann Friedrich Behrens AG, der Nabaltec AG, der Centrosolar AG oder der SAG Solarstrom AG. Diese Firmen ließen sich vor ihrer Bondemission ein Rating erstellen. Ein Jahr später möchten sie den Vorgang nun aber nicht wiederholen.
Im Fall von Centrosolar heißt es dann zum Beispiel: „Als AG, die im Prime Standard gelistet ist, sind wir so transparent, dass wir uns das Geld für ein Rating sparen können.“
Profianleger, die Geschäftsberichte richtig lesen und interpretieren können, würden dem sicher zustimmen. Doch was machen Privatanleger, für die das Segment der Mittelstandsanleihen eigentlich gedacht ist? Und warum haben die Unternehmen dann nicht gleich auf ein Rating verzichtet? Das hinterlässt einen Beigeschmack. Vor allem, wenn man die Ergebnisse der jüngsten Folgeratings betrachtet: Von den neun Mittelständlern, die sich bislang erneut bewerten ließen, wurden fünf zum Teil drastisch heruntergestuft. So ging bei der Solarfirma Payom das Rating von „BBB“ auf „B–“ zurück. Zwei weitere Firmen sind trotz der Pflicht zum Folgerating im Verzug. Lediglich die Albert Reiff GmbH konnte sich von „BBB–“ auf „BBB“ verbessern.
Stuttgart hat das Problem erkannt
Zumindest die Börse Stuttgart scheint sich des Problems der Ratingbefreiung nun bewusst zu sein. Sie führte daher kürzlich einen Risikoindex ein, der die Anleihen auf einer Skala von eins bis fünf bewertet. Ein Schritt in die richtige Richtung.
Noch stark verbesserungsbedürftig sind dagegen die Internetauftritte von BondM und den anderen Börsenplätzen. Bis heute werden die Anleihen von Nabaltec, Johann Friedrich Behrens oder SAG Solarstrom mit ihren alten Ratings gelistet. Zum Teil sind diese Bonitätsnoten jedoch schon seit sechs Monaten ungültig.
Dass der Markt für Mittelstandsanleihen keineswegs risikolos ist, beweist auch der neue MiBoX-Index. Er listet erstmals börsenübergreifend die Kurse sämtlicher Mittelstandsbonds. Leitet man daraus die Durchschnittsrendite der Papiere ab, so kommt man derzeit auf knapp zwölf Prozent. Ein Beleg dafür, dass es sich hier eben nicht nur um die Papiere solider Mittelständler, sondern auch um einen Markt mit interessanten Junkbonds handelt.
Folgeratings im Überblick (pdf)