28.11.2012 18:00
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Profitable Lokalwährungsanleihen

Lutz Röhmeyer, LBB-Invest
Schwellenländer-Bonds

Anleiheinvestoren zieht es angesichts der Eurokrise in die Emerging Markets. Denn zahlreiche Schwellenländer bieten immer noch attraktive Zinskupons, obwohl der Schuldenstand der Staaten unter Kontrolle ist und die Bonität steigt. Wer dort investiert, sollte allerdings lokale Währungen bevorzugen.

€uro am Sonntag

von Lutz Röhmeyer, Gastautor von Euro am Sonntag

Am Rentenmarkt herrscht Anlage­notstand. Investoren müssen bei lang laufenden Staatspapieren aus den USA oder Deutschland bei den Kupons eine Eins vor dem Komma akzeptieren. Zieht man hiervon die Inflation ab, ist die Rendite negativ.

In den Schwellenländern liegen die Renditen um ein Vielfaches höher. Dabei befinden sich die aufstrebenden Volkswirtschaften in einer robusten Verfassung. Nach Berechnungen des IWF wächst ihre Wirtschaft im Durchschnitt um sechs Prozent; die Staatsschulden betragen lediglich 35 Prozent der Wirtschaftsleistung. Schwellenländerbonds lohnen auch unter Berücksichtigung der Inflation: So kommen brasilianische Schuldtitel auf reale Renditen von gut zwei Prozent, südkoreanische sogar auf mehr als dreieinhalb Prozent.

Am Anleihemarkt spielen die Emerging Markets eine wachsende, aber immer noch untergeordnete Rolle. Obwohl die aufstrebenden Nationen bereits 37 Prozent zum weltweiten BIP beitragen, entfallen auf sie erst elf Prozent des globalen Bondmarkts. Dieses Missverhältnis lässt sich auf den weiter steigenden Kapitalbedarf der Industriestaaten zurückführen. Deren Bonität sank zuletzt jedoch kontinuierlich. Immer mehr Schwellenländern gelang unterdessen der Aufstieg in die Investment-Grade-Liga.

Die aufstrebenden Staaten zeigen Selbstbewusstsein. Sie platzieren zunehmend Anleihen in ihrer Heimatwährung. Das Volumen dieser Lokalwährungsanleihen ist mittlerweile auf knapp 10.000 Milliarden US-Dollar angewachsen. Ihr jährliches Handelsvolumen beträgt inzwischen 4.600 Milliarden US-Dollar — Tendenz steigend.

Schwellenländer begeben heute mehr Lokalwährungsanleihen als Schuldtitel in den sogenannten Hartwährungen. Den Emittenten bringt das Sicherheit — bei einer Abwertung ihrer Landeswährung würden die in US-Dollar oder Euro zu tilgenden Verbindlichkeiten explodieren. Bei einer Verschuldung in der Heimatwährung kann das nicht passieren. Stammen die Bondeigner aus dem Ausland, tragen sie das Währungsrisiko. Die Investoren wissen das natürlich. Für die Übernahme des zusätzlichen Risikos verlangen sie daher eine Prämie in Gestalt deutlich höherer Zinskupons.

Hohe Kupons für attraktives
Chance-Risiko-Verhältnis

Genau dieser Umstand macht lokale Währungsanleihen interessant. Denn die kon­kurrierenden Hartwährungsbonds aus den Emerging Markets bieten kaum noch Fantasie. Insbesondere die starke Nachfrage von Anlegern aus den USA nach entsprechenden Dollarbonds hat deren Renditen auf dürftige Niveaus gedrückt. Die Emittenten wurden teilweise regelrecht bekniet, neue Papiere zu begeben. Entsprechend bescheiden sind die Konditionen.

Bei den Lokalwährungsanleihen hingegen stehen den Fremdwährungsrisiken deutlich höhere laufende Renditen und auch Kurschancen gegenüber. Schiebt sich eine Volkswirtschaft Jahr für Jahr weiter nach vorn, wertet häufig auch die Währung auf. Zusätzliche Erträge lassen sich bei rückläufigen Kapitalmarktzinsen erzielen. Entsprechende Kursgewinne stellen sich häufig ein, wenn eine Anlageregion dank fortschreitender wirtschaftlicher Konvergenz ins Blickfeld der Investoren gerät.

Kürzlich war dieser Effekt in Nigeria zu ­beobachten. Die Anleihen des afrikanischen Staates zogen kräftig an, weil Nigeria in den wichtigen JP Morgan Government Bond Index EM Global Div. aufgenommen wurde. Das ölreiche Land ist nur mit 18 Prozent des BIP verschuldet und bemüht sich aktuell verstärkt um die Eindämmung der Inflation.

Lokalwährungsanleihen haben noch weitere Vorteile. Eine entscheidende Bedeutung kommt der negativen Korrelation mit dem etablierten Bondmarkt zu. Unter dem Gesichtspunkt der Diversifikation drängen sich die Lokalbonds also geradezu auf. Außerdem verfügen diese Papiere auch bei kurzen Restlaufzeiten über attraktive Kennziffern, was das Zinsänderungsrisiko begrenzt.

Beachtet werden muss jedoch auch die Schwankungsanfälligkeit der Lokalmärkte. Erleidet ein Staat wirtschaftliche Rückschläge, fällt er bei den Investoren schnell in Ungnade. Solchen Unwägbarkeiten sollte mit einer extrem breiten Streuung des anzu­legenden Kapitals begegnet werden. Wir plädieren daher für eine benchmarkunabhängige Verteilung auf mehrere Hundert Schuldner aus wenigstens 40 unterschiedlichen Währungsräumen.

zur Person:

Lutz Röhmeyer,
Portfoliomanager der LBB-Invest

Der Autor betreut seit zehn Jahren Aktien- und Rentenfonds der LBB-­Invest. Zu seinen Spezialgebieten zählen die Schwellenländer. Er ­verantwortet unter anderem den Rentenfonds Weltzins-INVEST sowie den Multizins-INVEST, der sich auf Osteuropa konzentriert.
Die LBB-Invest — Landesbank Berlin Investment GmbH — ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Landesbank Berlin Holding AG. Die 1988 gegründete Gesellschaft verwaltet für ihre Anleger aktuell rund 10,5 Milliarden Euro.

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