von Marc Hofmann, Euro am Sonntag
Nicht alle „Heuschrecken“ plündern Unternehmen aus. Das beweist die Übernahme des Schnapsbrenners Berentzen durch den Finanzinvestor Aurelius. Die Private-Equity-Gesellschaft, die unter anderem Beteiligungen am Radiohersteller Blaupunkt sowie an der Reederei Deilmann („Das Traumschiff“) hält, stieg Ende 2008 bei Berentzen ein. Damals steckte der 250-Jahre alte Traditionsbetrieb tief in der Krise. Durch eine fehlerhafte Produktpolitik waren 2007 und 2008 operative Verluste von fünf beziehungsweise neun Millionen Euro angefallen. Zudem drückten Schulden in Höhe von 23 Millionen Euro.
Nach der Übernahme wechselte Aurelius zunächst die Führungsriege von Berentzen aus. Auch ein Viertel der Belegschaft musste gehen. Ein harter Schnitt, der letztlich das Überleben des Betriebs sicherte. Heute steht Berentzen, zu dessen Marken Puschkin, Bommerlunder oder Doornkaat zählen, wieder solide da. Statt Schulden verfügt das Unternehmen über Barmittel in Höhe von 25,4 Millionen Euro. 2011 wurde ein operativer Gewinn (Ebit) von 7,5 Millionen Euro erzielt, die Eigenkapitalquote liegt wieder bei 45 Prozent. Lediglich der Umsatz konnte sich nie ganz erholen. Von rund 200 Millionen Euro im Jahr 2008 ging es beständig auf mittlerweile 146 Millionen Euro hinab.
Berentzen muss daher neue Wachstumsfelder erschließen. Diese sieht Vorstandschef Stefan Blaschak vor allem im Ausland. Die nötigen Mittel dafür holte sich Berentzen nun mit seiner ersten Mittelstandsanleihe. Aufgrund des bekannten Namens konnte der mit 6,5 Prozent verzinste Bond am Montag problemlos platziert werden.
Nun startet der Börsenhandel. Der Bond lohnt sich für alle Anleger mit moderater Risikobereitschaft. Die Entwicklung der Zahlen sollte allerdings ständig überwacht werden. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, wie schnell ein Betrieb dieser Größe in die Schieflage geraten kann.