von Andreas Höß, Euro am Sonntag
Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat Investoren in die Irre geführt, indem sie ein kompliziertes und riskantes Finanzprodukt mit der Bestnote „AAA“ bewertet hat. Das hat ein Gericht in Australien festgestellt und S & P zu Schadenersatzzahlungen in Höhe von 16 Millionen Australischen Dollar verurteilt.
Es sei das erste Mal, dass eine Ratingagentur für eine Fehleinschätzung haftbar gemacht wird, so Harald Scheule, Finanzprofessor an der Technischen Universität Sydney. Geklagt haben zwölf australische Kommunen, die Millionen in komplexe strukturierte Produkte investiert und rund 90 Prozent verloren hatten. S & P kündigte Berufung an. Die Aktionäre von McGraw-Hill, dem Mutterkonzern von S & P, befürchten offenbar trotzdem weitere Klagen. Die Aktie (ISIN: US5806451093) legte den Rückwärtsgang ein und notierte am heutigen Dienstag bei 40,00 Euro, denn das Urteil könnte auch Auswirkungen auf Europa haben. Dort unterstützen Verbraucherschützer eine weitere Klage, bei der es um insgesamt 1,6 Milliarden Euro geht. Die betroffenen strukturierten Papiere hatten ähnlich wie im australischen Fall beste S & P-Ratings und wurden ebenfalls von der Bank ABN Amro vertrieben.
Die Ratingagenturen Moody’s, Fitch und S & P stehen seit der Finanzkrise in der Kritik. Verbriefte Hypothekenpapiere hatten 2008 die US-Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite gestürzt und das Finanzsystem ins Wanken gebracht. Weltweit entstanden billionenschwere Verluste mit Produkten, die häufig als sicher bewertet wurden. Deshalb wird gefordert, die Ratingagenturen bei krassen Fehleinschätzungen rechtlich zu belangen.
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