05.02.2013 09:00
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Währungsanleihen: Problematische Bosporus-Bonds

Währungsanleihen: Problematische Bosporus-Bonds
Türkische Zinsen
Neuemissionen in Türkischer Lira locken mit hohen Zinsen. Doch die Kupons wiegen die Risiken nicht auf.
€uro am Sonntag

von Marc Hofmann, Euro am Sonntag

Für deutsche Bondanleger stellen die Jahre 1993 und 2008 eine Zäsur dar. 1993 wurde die Zinsabschlagsteuer eingeführt. 30 Prozent des Kupons behielt fortan der Staat. Zwar lag der Steuerfreibetrag zu Beginn noch bei 3.067 Euro pro Kopf (heute 801 Euro), doch die Erträge der Zinspapiere waren nachhaltig gesunken.

2008 folgte dann der nächste Schlag. Um die Wirtschaftskrise zu bekämpfen, leitete die Europäische Zentralbank Zinssenkungen ein. Der Leitzins fiel stufenweise von 4,25, auf 0,75 Prozent. Parallel dazu sank auch das Zinsniveau des deutschen Rentenmarkts. Heute sind die Erträge guter Bonds daher so gering, dass die Inflation sie übersteigt. Im Klartext: Sie bringen Verlust.

Bei ihrer Suche nach Rendite landen Anleger daher immer öfter bei Schwellenländeranleihen. Zum Beispiel bei denen der Türkei. Denn hier liegt der Leitzins noch bei 5,5 Prozent. Und auch sonst hat das Land mit der BRD der 80er-Jahre viel gemein: Die Staatsschulden liegen bei 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, was dem Niveau Deutschlands im Jahr 1984 entspricht. Ebenso wuchs die Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren auf deutschem Niveau — um durchschnittlich 5,1 Prozent pro Jahr. Sind Türkei-Anleihen daher eine gute Alternative? Nicht wirklich. Denn Neuemissionen wie die der Europäischen Investitionsbank (EIB) bieten nur dann Kupons von fünf bis sechs Prozent wenn sie in Türkischer Lira emittiert sind. Für Privatanleger, die nicht jeden Tag die Bewegung des Wechselkurses Euro/Türkische Lira verfolgen, sind diese Fremdwährungsanleihen jedoch zu riskant. Denn die Lira ist eine klassische Weichwährung, die in den vergangenen zehn Jahren mehr als 36 Prozent ihres Werts zum Euro verloren hat. Ein angemessener Kupon einer Türkei-Anleihe müsste also wenigstens bei neun Prozent liegen.

Bildquellen: Luciano Mortula / Shutterstock.com
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