28.02.2013 11:06
Bewerten
 (8)

Argentinien riskiert im Schuldenstreit mit Hedgefonds die Staatspleite

Urteil aufgeschoben
Argentinien schaltet im Schuldenstreit mit Hedgefonds auf stur.
Bei einer Anhörung vor dem New Yorker Berufungsgericht machte die Regierung am Mittwochabend deutlich, dass sie ihre Rechnungen bei den Gläubigern auf keinen Fall begleichen wird. Damit stehen die Zeichen auf Zahlungsausfall. Der zweite Staatsbankrott innerhalb von kaum mehr als zehn Jahren könnte näher rücken.

    Argentinien streitet mit einer Investorengruppe unter Führung der aggressiven US-Hedgefonds NML Capital und Aurelius Capital Partners. Der New Yorker Bezirksrichter Thomas Griesa hatte das südamerikanische Land Ende Oktober verurteilt, Schulden in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar bei den Fonds zu begleichen. So lange dies nicht passiert, verbietet der Richterspruch der Regierung, Anleihen anderer Gläubiger zu bedienen.

    Argentinien war es allerdings gelungen, das Urteil aufzuschieben. Am Mittwochabend trafen sich die Streitparteien erneut vor Gericht. Das Verfahren läuft in New York, da die strittigen Anleihen unter US-Recht in Dollar aufgelegt wurden. Die Anwälte der argentinischen Regierung machten bei der Anhörung deutlich, dass sie in keinem Fall bereit sind, die Schulden bei den Hedgefonds zu bezahlen - egal, wie die Entscheidung der Richter ausfällt.

    "Es ist eine sehr starke Ansage, viel stärker als ich erwartet hätte", sagte Experte Ezequiel Aguirre von der Bank of America der Nachrichtenagentur Bloomberg. Regierungsvertreter hatten zwar schon in der Vergangenheit stets bekräftigt, kein Cent fließe an die "Aasgeier". Einige Beobachter des Verfahrens hatten dennoch bis zuletzt mit einem Einlenken gerechnet.

    Die Fonds haben die Anleihen vor mehr als zehn Jahren zu Schnäppchenpreisen gekauft. Die Kurse waren damals im Keller, da das Land vor der Pleite stand. Nachdem diese Ende 2001 wie erwartet eintrat, bestehen die Investoren auf voller Rückzahlung. Sie beteiligten sich nicht wie die meisten anderen Gläubiger an den Umschuldungen, die mit hohen Abschreibungen auf die ursprünglichen Forderungen einhergingen.

    Seit Jahren beschäftigt der Fall die Gerichte. Für viele Gläubiger Argentiniens könnte nun jedoch ein Ende mit Schrecken in Sicht sein. Denn wenn die Regierung auf ihrer Linie beharrt, gehen möglicherweise nicht nur die Hedgefonds leer aus, sondern auch andere Anleihehalter, die Papiere im Wert von 24 Milliarden Dollar halten. Zunächst droht eine Hängepartie: Nach der Anhörung könnte sich die Entscheidung der Richter über weitere Wochen und Monate hinziehen.

    Argentinien hat zudem bereits angekündigt, zur Not vor das oberste US-Gericht, den Surpreme Court, weiterziehen zu wollen. Experten bezweifeln jedoch, ob eine solche Klage überhaupt zugelassen würde.

NEW YORK/FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: atm2003 / Shutterstock.com, Aleksey Klints / Shutterstock.com

Heute im Fokus

DAX geht fester ins Wochenende -- US-Börsen leicht im Plus -- BMW will das autonome Auto 2021 serienreif auf die Straße bringen -- Apple im Fokus

Lufthansa findet neuen Finanzvorstand. Daimler macht bei US-Verkäufen Boden gut. US-Industriestimmung hellt sich überraschend auf. Facebook darf Pseudonyme verbieten - Schlappe für Datenschützer. Silber so teuer wie zuletzt im September 2014. Finanzamt durchsucht Google-Büros in Madrid.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.
Welcher Spieler ist am meisten wert?
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
So hoch sind die Bundesländer verschuldet

Umfrage

Nach dem Brexit-Votum der Briten werden in Europa Stimmen laut, die auch in anderen EU-Ländern Referenden über die Zugehörigkeit zur EU fordern. Sehen Sie unsere Zukunft in der EU?