18.02.2013 09:30
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Anleihen – Vorsicht vor langen Laufzeiten Chancen bei Schuldnerbonität

Die Kapitalmärkte werden mit Liquidität überschwemmt und die Anleger suchen in Anbetracht der historischen Niedrigzinsen nach Rendite.
Dabei fließt weiterhin viel Geld in den Anleihenmarkt. Die Konsequenz: Die Kurse befinden sich auf dem Höhenflug und Investoren machen immer mehr Eingeständnisse bei Schuldnerqualität und Laufzeit. Unternehmensanleihen stehen immer noch in der Gunst der Investoren, da Anleger scheinbar blind alle Unternehmenspapiere kaufen, die auf den Markt drängen.
Das Risiko einer Blasenbildung steigt – gegen Kursverluste können sich Anleger mit kürzeren Laufzeiten absichern.

von Guido vom Schemm, Geschäftsführer der MERITO Asset Management GmbH

Seit Ausbruch der Finanzkrise ist viel Geld in die Finanzmärkte gepumpt worden. Die Zentralbanken weltweit, allen voran die FED, haben ihre Bilanzen stark ausgeweitet, um mit Bankenrettungsaktionen und Anleihekäufen die Finanzmärkte zu beruhigen. Die Bilanzsumme der EZB ist in den letzten Monaten zwar geschrumpft, da europäische Banken mit der Rückzahlung der dreijährigen Mittel aus den LTRO-Geschäften begonnen haben. Damit steht die EZB allerdings allein auf weiter Flur und kann allenfalls zur Verlangsamung der internationalen Geldmengenausweitung beitragen. Die FED kauft weiter monatlich Anleihen im Wert von 85 Milliarden USD auf und auch Japan steigt mit seinem Konjunkturstützungsprogramm in den internationalen Währungswettlauf durch Geldmengenausweitung mit ein. Doch wehe, wenn sich dieser Trend umkehrt.

Die Folge dieses Gießkannenprinzips sind historisch geringe Renditen an den Anleihemärkten. Die liquiditätsgetriebenen Anleihekurse befinden sich auf einem Höhenflug. Gestützt wird die Entwicklung von der Geradlinigkeit der Privatanleger, die trotz aller „Oden an die Aktien“ ihrer vermeintlich konservativen Anlagestrategie treu bleiben. Im Gegensatz zur Anleihenmarktrallye waren die Kurssteigerungen an den Aktienmärkten nicht von der Marktbreite getragen. In Anbetracht der Altersstruktur in den Industrieländern ist das Anlegerverhalten nachvollziehbar. Viele vermögende Privatkunden sind nicht mehr in der Lage langfristig anzulegen und noch entsprechende Aktienrisiken zu tragen. Auch Versicherungen sind die Hände gebunden, die Vermögen müssen konservativ und nach strengen Kriterien angelegt werden. Somit fließt weiterhin viel Geld in die Anleihenmärkte, insbesondere in den Unternehmenssektor.

Einen Eindruck, was passiert, wenn sich die Liquidität aus den Märkten zurückzieht, konnte man im Januar dieses Jahres bekommen. Mit aufkommenden Spekulationen um eine mögliche Zinswende in den USA waren prompt sinkende Anleihenkurse zu beobachten. Insbesondere lang laufende Anleihen gaben innerhalb kürzester Zeit kräftig nach. Die Tatsache, dass die Marktliquidität stark in den Anleihensektor geflossen ist, sollte Anleger aufhorchen lassen. Im Falle sinkender Geldmengen wird sich die Liquidität sehr schnell seinen Weg aus dem Markt bahnen und das kann mit empfindlichen Kursverlusten verbunden sein. Anleger schützen sich davor, indem sie kürzer laufende Anleihen wählen. Diese reagieren weniger stark auf Marktveränderungen, da der Rückzahlungstermin in greifbarer Nähe ist. Zusätzliche Möglichkeiten bieten Fondskonzepte, da hier Strategien umgesetzt werden können, die dem Privatanleger verwehrt werden. Zum Beispiel durch die aktive Absicherung des Portfolios gegen sogenannte Durationsrisiken.

„Von Laufzeiten über vier Jahre sollten Anleger aktuell absehen und wer seine Rendite trotzdem aufpeppen will, dem bieten sich Potenziale auf der Bonitätsseite“, kommentiert Guido vom Schemm. „Die Ausfallwahrscheinlichkeit bei Unternehmensanleihen aus dem unteren Investmentgrade- und High-Yield Bereich befindet sich auf einem historischen Tief.“ Diese Tatsache ist noch nicht gänzlich in den Risikoaufschlägen eingepreist, was Kurspotenziale freisetzen kann. Eine detaillierte Prüfung des Schuldners und adäquate Risikostreuung ist dabei unerlässlich, um unerwünschte Überraschungen zu vermeiden.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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