21.03.2013 10:04
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Frankreich – Der kranke Mann Europas

Vermögensverwalter-Kolumne: Frankreich – Der kranke Mann Europas | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne

Negative Auswirkung auf Nachbarländer

Guido vom Schemm, Geschäftsführer der MERITO Asset Management

Viele Finanzakteure beäugen die Mittelmeerstaaten und ihre finanzielle angespannte Lage. Während aktuell die Welt auf Zypern schaut, ziehen auch dunkle Wolken bei unserem französischen Nachbarn auf. Steigende Lohnstückkosten und eine hohe Staatsquote belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Grande Nation. Frankreichs benötigt dringend Strukturreformen, um die BIP-Schuldenquote nachhaltig zu senken und die Unternehmen wieder international konkurrenzfähig zu machen. Frankreich wird zur ernsten europäischen Bedrohung. Bei einem Wechselkurs von 1,10 USD/EUR könnten französische Firmen wieder haussieren oder aber Paris bricht verkrustete Strukturen auf, um den Arbeitsmarkt zu reformieren.

Unter einer neuen politischer Führung versucht Frankreich seit einiger Zeit seine wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Bisher ohne nennenswerten Erfolg. Seit 2007 steigen die Lohnstückkosten der dortigen Unternehmen kontinuierlich, selbst in der Finanzkrise konnte der negative Trend - im Gegensatz zu Deutschland - nicht aufgehalten werden. Summa summarum, verteuerte sich die französische Produktivität seit 1999 um mehr als 30 Prozent.

Eine bedenkliche Entwicklung, die nicht ohne Folgen bleiben wird. Selbst der französische Arbeitsminister Michel Sapin erklärte in der aktuellen Presse, dass sein Staat faktisch bankrott sei. Die Arbeitslosenquote, die in 2008 noch bei sieben Prozent lag, ist mittlerweile auf knapp zehn Prozent angewachsen. Eine Konsequenz der gestiegenen Lohnstückkosten, die nun den französischen Staat finanziell belastet.

Hinzu kommt die hohe Staatsquote von knapp 56 Prozent, die den starken Einfluss aus Paris heraus verdeutlicht. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei 44 Prozent.
Das Budgetdefizit im Staatshaushalt verletzt dadurch regelmäßig das Maastricht-Kriterium, im vergangenen Jahr lag die Neuverschuldung bei 5,1 Prozent. Glaubt man der französischen Regierung sollte sich ab 2014 der Staatshaushalt wieder signifikant verbessern.

Die Konsequenz der jüngsten Vergangenheit ist eine steigende Staatsverschuldung. Lag die Schuldenquote in 2007 noch bei 64 Prozent des BIPs, schnellte diese in 2012 auf 92 Prozent empor. Die weltweite Bankenkrise darf hierbei nicht als einzige Erklärung dienen. Der Schuldenstand hat somit eine kritische Größe erreicht, um aus eigener Kraft den Staatsaushalt ohne Kollateralschäden zu sanieren. Mögliche Schützenhilfe könnten die Franzosen von der Europäischen Zentralbank erwarten, in dem sie auf eine Abwertung des Euros um 10 bis 15 Prozent spekuliert. Bei Wechselkursen um die 1,10 USD/EUR wären französische Firmen wieder deutlich konkurrenzfähiger auf dem Weltmarkt. Immerhin ist Frankreich der weltweit sechstgrößte Exporteur und zählt zu den G7-Staaten.

Betrachtet man die CDS auf französische Staatsanleihen, so lässt sich erahnen, welchen Weg die Finanzmärkte für Frankreich als wahrscheinlich erachten. Aktuell ist die Absicherung französischer Staatspapiere doppelt so teuer wie die seines ebenfalls AAA- gerateten Nachbarn Deutschland. Die Abstrahleffekte der französischen Entwicklung sollten auch den deutschen Staat und Steuerzahler nicht kalt lassen. Als zweitgrößter ESM-Bürge, Frankreich stellt immerhin knapp 140 Milliarden Euro, könnte eine teurere Staatsfinanzierung nicht nur eine Belastung für Frankreich, sondern ebenfalls für Deutschland sein.

Deutsche Firmen, die Ihre Dienstleistungen und Waren nach Frankreich exportieren, könnten ebenfalls signifikant unter einem maladen Frankreich leiden. Ist Frankreich doch mit knapp 105 Milliarden Euro Deutschlands wichtigster Exportpartner weltweit. Von der Bedeutung wäre es ähnlich, als ob China und Italien zusammen als Exportmarkt wegbrächen.

Die französische Regierung ist gut beraten die notwendigen Strukturreformen schleunigst auf den Weg zu bringen, damit sich die Wirtschaft wieder flexibler, attraktiver und konkurrenzfähiger auf dem Weltmarkt behaupten kann. Unterlässt man die wirtschaftlich belebenden Maßnahmen, so könnte Frankreich die Mittelmeerstaaten gefahrentechnisch in den Schatten stellen. Frankreich – der kranke Mann Europas mit Ansteckungsgefahr.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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