06.02.2013 10:15

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Irland – vom Sorgenfall zum Musterschüler?


Vor knapp drei Jahren konnte die grüne Insel nur durch Milliardenspritzen der EU und des IWFs vor dem Staatsbankrott bewahrt werden.

Seitdem unterzog sich das Land einer wirtschaftlichen Rosskur und hat sich gerade erfolgreich an den Kapitalmärkten refinanziert. Auch die Ratingagenturen würdigen die Fortschritte des Landes mit stabiler Bewertung und Ausblick. Doch nicht alle Zahlen sehen rosig aus. Die hohe Arbeitslosenquote schwächt die Binnenwirtschaft und macht das Land von der globalen Wirtschaftsentwicklung abhängig. Die versteckten Schulden machen Irland in punkto Gesamtverschuldung sogar zum Schlusslicht in Europa.

Von Susanne Woda, Portfoliomangerin, MERITO Asset Management GmbH

85 Mrd. Euro schwer war das Rettungspaket für Irland in 2010, das von den Eurostaaten und den IWF zur Sanierung des Landes floss. 35 Mrd. davon gingen für die Rettung irischer Banken drauf. Denn durch das Platzen der Immobilienblase geriet der irische Bankensektor in Schieflage.

Seitdem hat die Regierung einschneidende Reformen zur Haushaltssanierung umgesetzt und gilt mit der mustergültigen Erfüllung der Vorgaben seiner Kreditgeber als Vorzeigestaat der Eurozone. Die Sparpakete beinhalteten die Anhebung der Mehrwertsteuer von 21 Prozent auf 23 Prozent, Kürzungen beim Mindestlohn und Kindergeld und die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahren bis 2028 sind wesentlicher Erfolgsfaktor der Haushaltssanierung. Nicht zuletzt das irische Volk, welches die Einschnitte ohne Murren ertrug, hat zur schnellen Umsetzung des Sanierungskurses beigetragen.

Und Irland macht deutliche Fortschritte. Seit 2010 hat sich das Wachstum der Verschuldung deutlich verlangsamt. 2013 soll der Schuldenberg nur noch um vier Prozent wachsen. Der Haushaltssaldo konnte in 2012 auf 12,5 Mrd. Euro zurückgefahren werden. Das entspricht einem Viertel des Wertes von 2010, und damit steht Irland im europäischen Vergleich sehr gut da. Spanien konnte im gleichen Zeitraum sein Defizit nicht einmal um die Hälfte reduzieren.

An den Kapitalmärkten kommt der klare Kurs in der Ausgabenpolitik gut an. Irland konnte in diesem Jahr seine Anleihe problemlos um 2,5 Mrd. Euro aufstocken. Es wurden sogar Gebote über 7 Mrd. Euro abgegeben. Auch die Ratingagenturen würdigen die Bemühungen der grünen Insel. Fitch hob den Ausblick für die Zahlungsfähigkeit von negativ auf stabil und S&P bestätigt das Rating von BBB+. Andere europäische Länder hingegen müssen weiter zittern. Nicht nur die Bonitätseinschätzung von Ländern wie Spanien steht weiter auf der Kippe, auch Großbritannien bangt mittlerweile um sein Spitzenrating.

Die Weichen für die irische Entschuldung sind also gestellt. Der weitere Verlauf wird nun entscheidend vom Wirtschaftswachstum abhängen, damit über das BIP die Schuldenlast gedeckt oder zurückgeführt werden kann. Für 2012 rechnet die Regierung mit einem leichten Wachstum von 0,9 Prozent. Das zarte Konjunkturpflänzchen ist allerdings sehr anfällig. Die Arbeitslosenquote im Land liegt bei derzeit 14,8 Prozent und ist damit weit entfernt vom Stand vor Ausbruch der Krise. Hier lag die Quote bei 4,5 Prozent. Im europäischen Vergleich belegt Irland damit einen traurigen vierten Platz. Besserung ist nicht in Sicht, für 2013 ist nicht mit einer wesentlichen Erholung zu rechnen. Das schwächt den Binnenmarkt und Irland hängt mit seiner beträchtlichen Exportquote von 54 Prozent noch mehr am Tropf der Weltwirtschaft.

Nichtsdestotrotz scheint sich Irland in einer besseren Ausgangssituation zu befinden, als die anderen europäischen Problemstaaten. Eine Studie der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg zeigt jedoch einen bedenklichen Missstand auf: In Irland klafft eine horrende Nachhaltigkeitslücke. Unter Berücksichtigung nicht nur der gegenwärtigen, sondern auch der zukünftigen Zahlungsverpflichtungen des Staates für Bildung, Rente oder Krankenversicherung der irischen Bevölkerung, kommt Irland auf eine Schuldenlast von 1271 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Damit belegt es den letzten Platz sämtlicher Länder Europas. Vor diesem Hintergrund scheint die aktuelle Auswanderungstendenz vieler Iren ins Ausland fast wie ein kleiner Hoffnungsschimmer.

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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