10.12.2012 09:48
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Welt ohne Schulden? Das bleibt ein (schöner) Traum

Vermögensverwalter-Kolumne
Schulden hatten in der öffentlichen Meinung nur selten einen guten Stand.
Doch nie klang das Wort so furchteinflößend wie jetzt, da die Schulden der Südländer unseren Wohlstand bedrohen und die Angst vor der großen Pleite über allem und allen hängt. Die Frage ist: zu Recht?

Von Michael Reuss, geschäftsführender Gesellschafter der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung

Um zu verstehen, woher Schulden ursprünglich kommen, hilft ein Blick in die Geschichte. Schon weit vor dem Beginn unserer Zeitrechnung tauschten die Menschen untereinander Naturalien aus. Wer keine Gegenleistung anzubieten hatte, händigte dem Verkäufer eingeritzte Tontafeln als Schuldversprechen aus. Der Verkäufer wiederum reichte bei seinem nächsten Einkauf die Schuldtafel weiter – so begann eine Entwicklung, die zu den uns bekannten Banknoten und zum bargeldlosen Verkehr führte.

Heutiges Geld ist Schuldgeld

Anders als früher ist die Geldschöpfung heute ein komplizierter Prozess, gesteuert von den großen Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank, der Bank of England oder der amerikanischen Federal Reserve Bank. Diese Zentralbanken stellen den nationalen Geschäftsbanken das Geld zur Verfügung, das per Kredit zu den Menschen fließt. Deshalb ist das Schuldenmachen der Geburtsakt jedes Geldscheins und jeder Geldbuchung. Heutiges Geld ist Schuldgeld.

Konsum im Süden kurbelt deutsche Produktion an

Vor der Schuldenkrise in Europa kauften unter anderem die Südländer bei den deutschen Unternehmen jedes Jahr über eine Million Autos. Von diesen Umsätzen profitierten die hiesigen Automobilbauer und Automobilzulieferer - und dieses Geld kam den Mitarbeitern in Form von Löhnen und Gehältern und den Aktionären in Form von Dividenden zugute. Dank der boomenden Exportwirtschaft wuchs der Wohlstand hierzulande wie seit langem nicht mehr. Somit wirkte sich die Schuldenaufnahme der Südländer zunächst positiv auf die deutsche Wirtschaft aus.

Produktive Schulden sind gut

Das Problem der Krisenstaaten in der Euro-Zone war, dass sie die günstigen Finanzierungsmittel nicht für ein nachhaltiges Wachstum und notwendige Strukturmaßnahmen verwendeten. Infolgedessen entzogen die Investoren diesen Ländern in jüngster Zeit das Vertrauen. Anders lief es im Deutschland der Nachkriegszeit. Dessen Unternehmen waren massiv verschuldet, erarbeiteten sich aber durch wachsende Produktivität ein gutes Standing bei den Gläubigern.

Massive Ungleichgewichte sind problematisch

Die Geschichte zeigt: Wo die Schulden schneller steigen als der Wohlstand, treten immer wieder Ungleichgewichte auf. Früher erließen die Könige in diesem Fall ein Dekret, woraufhin alle Tontafel vernichtet wurden und die Gläubiger ihre Rechtstitel verloren. Lässt sich dieses Vorgehen auf Griechenland anwenden, sodass das Land „bei null“ anfangen kann? Genau genommen müssten die Griechen für den Neubeginn Schulden aufnehmen, da kein Geld für Investitionen und Verpflichtungen vorhanden ist. Ohne Vertrauen in das neue System aber finden der griechische Staat und die dort ansässigen Unternehmen keine Bank und keinen Investor, die neue Kredite gewähren. Wie aber sollte man dann einen Neustart hinbekommen?

So wie es aussieht, kommt die Welt auch in Zukunft ohne Schulden nicht aus.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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