17.12.2012 20:20
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WGF - wie belastbar ist die 2010er Bilanz?

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Die WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG hat am 11. Dezember 2012 bekanntgegeben, dass der Jahresabschluss für 2011 mit einem Bilanzverlust von ca. 71,3 Mio. Euro vorliegt. Der Vorstand hat beschlossen, aufgrund des Verlustes einen Antrag auf Eigenverwaltung gemäß §§ 270, 270 a der Insolvenzordnung (InsO) zu stellen. Die Rückzahlung der am 14.12.2012 fälligen Anleihe mit der WKN WGFH06 (im Nennwert von 50 Mio. Euro) und einem Gesamtvolumen von 43 Mio. Euro wird nach Unternehm...

Die WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG hat am 11. Dezember 2012 bekanntgegeben, dass der Jahresabschluss für 2011 mit einem Bilanzverlust von ca. 71,3 Mio. Euro vorliegt. Der Vorstand hat beschlossen, aufgrund des Verlustes einen Antrag auf Eigenverwaltung gemäß §§ 270, 270 a der Insolvenzordnung (InsO) zu stellen. Die Rückzahlung der am 14.12.2012 fälligen Anleihe mit der WKN WGFH06 (im Nennwert von 50 Mio. Euro) und einem Gesamtvolumen von 43 Mio. Euro wird nach Unternehmensangaben bis auf weiteres "ausgesetzt".

Einige Tage zuvor wurde der Handel mit WGF-Anleihen an der Börse Düsseldorf ausgesetzt, denn d
ie Gesellschaft hatte sich gegenüber der Börse Düsseldorf verpflichtet, spätestens sechs Monate nach Ende eines Geschäftsjahres einen testierten Jahresabschluss zu veröffentlichen. Entsprechend hätte dieser für das Geschäftsjahr 2011 bis zum 1. Juli 2012 veröffentlicht werden müssen. Die Nachfrist zur Veröffentlichung des Dokuments lief bis zum 30.11.2012.

Die Veröffentlichung des Jahresabschlusses erfolgte dann schließlich, wie erläutert, am 11. Dezember 2012. Zeitgleich musste auch Insolvenzantrag gestellt werden.

Doch schon lange hielten sich Gerüchte, dass bei WGF einiges im Argen liegt. Auch wir stellten in der Titelstory des BOND MAGAZINE 08/11 (Erscheinungstermin: 04.08.2011) die Frage, wie der 2010er Gewinn zustande kommt. Es bleibt abzuwarten, wann die Staatsanwälte den WGF-Vorständen die gleiche Frage stellen.

Für viele Kritiker kam das Aus für WGF nicht unerwartet. Schon lange kursieren schwere Vorwürfe gegen das WGF-Management. Auch der jetzige Head of Communication and Investor Relations von WGF titelte am 22.09.2011 (damals noch als Journalist) auf der Seite graumarktinfo.de "WGF - was steckt hinter der Fassade?".

Bereits im Juli 2011 hat eine Düsseldorfer Kanzlei schwere Vorwürfe gegen die WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG erhoben. Konkret ging es darum, dass WGF veraltete und nicht mehr gültige Ratingeinstufungen von Creditreform Rating für ihre Hypothekenanleihen angegeben hat. Zudem wurde u.a. darauf hingewiesen, dass die Gesellschaft keinen Konzernabschluss veröffentlicht hat. WGF hat die Vorwürfe zurückgewiesen und die BaFin eingeschaltet, damit "die Behörde eine Untersuchung im Hinblick auf etwaige strafbare Marktmanipulationen vornehmen kann".

Die 2003 gegründete WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG ist nach eigenen Angaben der Kern der WGF Finanzgruppe. Ausgehend vom Kerngeschäft Immobilieninvestment wird heute die gesamte Wertschöpfungskette des Immobiliengeschäfts abgedeckt. Immobilien-Asset-Management, Projektentwicklung und Joint Venture-Programme sind wichtige strategische Geschäftsbereiche. Das Unternehmen ist Deutschlands führender Anbieter von Hypothekenanleihen. Zum Unternehmen gehören eine Emissionsgesellschaft für geschlossene Immobilienfonds sowie eine Immobilien-Kapitalanlagegesellschaft. Die WGF Finanzgruppe beschäftigt derzeit rund 100 Mitarbeiter.

Die Gesellschaft schreibt in ihrer Stellungnahme vom 20.07.2011: "Die Bilanzzahlen 2010 mit Umsatzerlösen in Höhe von 124,3 Mio. Euro, einem EBITDA von 15,3 Mio. Euro und einem Jahresüberschuss von 12,5 Mio. Euro belegen die solide Grundlage für das laufende Geschäftsjahr." Dieses endete jedoch mit einem Bilanzverlust von rund 71,3 Mio. Euro.

Im Jahr 2010 wurde WGF übrigens umstrukturiert. Im Wertpapierprospekt zum "WGF 8% Premium Plus Genussschein", der sich im vergangenen Jahr in der Platzierung befand, schreibt die Gesellschaft auf den Seiten 68 und 69: "In der Vergangenheit hat die WGF AG von ihr erworbene Immobilien in ihrem eigenen Eigentum gehalten. Um die steuerliche Struktur der WGF-Finanzgruppe zu optimieren, ist die WGF AG im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010 dazu übergegangen, ihre Immobilien in Tochtergesellschaften einzubringen. Hierzu wurden einzelne Immobilien oder bestimmte Immobilienportfolien in jeweils eigene Tochtergesellschaften in der Rechtsform einer GmbH & Co. KG als Sacheinlage eingebracht."

Die Gesellschaft hatte laut Wertpapierprospekt im Jahr 2010 Umsatzerlöse von 124.254 TEuro. "Die WGF AG erzielte ihre Umsatzerlöse im Wesentlichen aus Immobilientransaktionen, welche in Form von Einbringungen von Immobilien in Tochtergesellschaften sowie Immobilienverkäufen an externe Dritte vollzogen wurden." Die Erlöse aus Immobilienverkäufen abzüglich Erlösschmälerungen betrugen 6.170 TEuro (Wertpapierprospekt, S. 82).

Die Erlöse aus Einbringungen betrugen 110.142 TEuro (Wertpapierprospekt, S.82). Dem gegenüber stehen "Aufwendungen aus Immobilienabgängen (Materialaufwand)" in Höhe von 103.406 TEuro (Wertpapierprospekt, Seite 12). Die Gesellschaft hat folglich Immobilien mit einem Wert von 110.142 TEuro in Tochtergesellschaften eingebracht. Die Abgänge (Prospekt, S. 83) betrugen jedoch nur 103.406 TEuro. Vor dem Hintergrund eines Verlustvortrages aus dem Vorjahr in Höhe von 10.740 TEuro stimmt dies bedenklich. Trotz der Buchgewinne im Vorjahr bleibt insgesamt ein Bilanzgewinn von 1.655 TEuro (Prospekt, S. 12).

Der Außenumsatz dürfte folglich im Jahr 2010 maximal 14.112 TEuro betragen haben und nicht 124.254 TEuro (Prospekt, S. 82, 124.254 TEuro Umsatz abzüglich 110.142 TEuro Erlöse aus Einbringung). Hierauf hatten wir bereits am 04.08.2011 hingewiesen. Schon mathematisch ist dabei ein Jahresüberschuss von 12.482 TEuro kaum realisierbar.

Auch der jetzige Head of Communication and Investor Relations von WGF schreibt am 22.09.2011 auf graumarktinfo.de: "Egal welche Zahl angesetzt wird: In jedem Fall lagen die Verkaufserlöse um mehrere Millionen Euro unter den ursprünglichen Kaufpreisen?"

Im Jahresabschluss für 2011 schreibt die Gesellschaft in Anlage 4, Seite 23 (PDF Seite 39) "So entsteht zum Beispiel ein grundsätzlich denkbarer Interessenkonflikt, wenn die WGF AG eine Immobilie an eine Tochtergesellschaft weiterveräußert." Im Jahr 2011 wurden Abschreibungen auf Immobilien in Höhe von 78 Mio. Euro vorgenommen, die sich im Handelsbestand befanden. "Hierin sind die vollständigen Abschreibungen aus der Hebung von stillen Reserven auf den Immobilienbestand durch die Einbringung 2010 enthalten" (Jahresabschluss 2011, Anlage 4, Seite 12 - bzw. PDF S. 28).

Zudem hatte die Gesellschaft im Jahr 2011 einige hohe Zahlungsverpflichtungen, die im BOND MAGAZINE 08 aufgelistet sind.

Fazit:
Der Außenumsatz der WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG dürfte im Jahr 2010 maximal 14.112 TEuro betragen haben und nicht 124.254 TEuro. Zudem mussten die 2010 gehobenen stillen Reserven 2011 vollständig abgeschrieben werden. Bleibt die Frage, wie belastbar die 2010er Bilanz ist und wann die Staatsanwälte die WGF-Vorstände mit dieser Frage konfrontieren.

Vorerst bleibt abzuwarten, ob das zuständige Amtsgericht dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stattgibt. Ein neutraler Insolvenzverwalter dürfte bei den Anleihegläubigern wohl ein höheres Vertrauen genießen.

Christian Schiffmacher




Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.

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