19.07.2013 03:00

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von Thomas Strohm, €uro am Sonntag

ZINSDISKUSSION

Rentenfonds: Dickschiffe auf neuem Kurs



Rentenfonds: Dickschiffe auf neuem Kurs
Der Kursrutsch am Anleihemarkt hat die Topstars unter den Fondsmanagern voll erwischt. Manche versuchen, die ­Verluste als Zwischenepisode abzutun, um die Anleger zu beruhigen. Andere Vermögensverwalter haben sich frühzeitig richtig aufgestellt.

von Thomas Strohm, Euro am Sonntag

Die fetten Jahre sind vorbei. Lange war das Investment in Anleihen ein Selbst­läufer. Die Zinsen sanken immer weiter, getrieben von der expansiven Geldpolitik der Notenbanken, welche die Kapitalmärkte mit Liquidität fluteten. Im Gegenzug stiegen die Kurse der Schuldtitel. Manager von Rentenfonds konnten kaum was falsch machen. Die Renditen waren wegen der Kursgewinne üppig, das Risiko gering. Das zog immer mehr Anleger an, sie steckten Milliarde um Milliarde in die Produkte. Im Mai der Schock: Die US-Notenbank Fed begann die Investoren darauf vorzubereiten, dass die Geldflut nicht ewig anhalten wird. Vielen wurde damit schlagartig klar: Es kann auch abwärts gehen.

Die Kurse von US-Staatsanleihen sind seither kräftig gefallen. In ihrem Sog haben andere Teile des ­ Rentenmarkts ebenfalls nachgegeben. Investoren fürchten steigende Markt­zinsen. Damit werden schon emittierte Papiere mit niedrigen Kupons unattraktiv. Ihre Kurse sinken.

Privatanleger, die Anleihen kaufen, um sie bis zur Fälligkeit zu halten und um Zinsen zu kassieren, muss das nicht kümmern. Denn es gibt am Laufzeitende den Nennwert voll zurück. Bei Rentenfonds sieht es anders aus: Die Produkte haben keine feste Laufzeit. Die Manager kaufen und verkaufen ständig Anleihen, um von Zins- und Kursgewinnen zu profitieren. Das Portfolio wird zum aktuellen Kurs bewertet. Die Fondsanteile verlieren an Wert, wenn die Notierungen nachgeben. Anleger, die aussteigen wollen, müssen die Verluste hinnehmen. Einige suchen da lieber gleich das Weite.

Die Rentenfondsmanager müssen sich also etwas einfallen lassen, um ausreichende Erträge zu erzielen und die Anleger zu halten. Wie haben sich die Dickschiffe zuletzt gehalten, wie sieht ihre Strategie aus? €uro am Sonntag hat bei einigen der weltgrößten Fonds nachgehakt.

Bill Gross
Der König mahnt zur Ruhe: Bill Gross rät, jetzt nur nicht panisch Bonds zu verkaufen. Die Anleger schert das wenig, sie verweigern die Gefolgschaft. Fast zehn Milliarden Dollar zogen Investoren im Juni aus dem Pimco Total Return ab. Die Summe relativiert sich beim Blick aufs Volumen des weltgrößten Rentenfonds mit 268 Milliarden Dollar etwas, verdeutlicht aber die Verunsicherung der Anleger. Der Fonds büßte in den vergangenen drei Monaten 4,8 Prozent ein und zählt so zu den schlechtesten der Branche. Ungewohnt für Gross, der auf Sicht von mehreren Jahren noch immer zu den Besten zählt. Den Titel des Bond King trägt er nicht umsonst.

Was war passiert? Der Fonds steckt voller US-Staatsanleihen — ­darunter viele, deren Erträge an die Inflation gekoppelt sind. Weil Zen­tralbanken die Notenpressen auf Hochtouren laufen lassen, rechnete Gross mit steigenden Teuerungs­raten. Er kaufte rund zehn Prozent des gesamten Volumens der vor Inflation geschützten US-Staatsanleihen auf. Weil die Teuerung ebenso gering blieb wie die Inflationserwartung der Kapitalmärkte, verloren die im Fachjargon Tips genannten Papiere beim jüngsten Kursrutsch stärker als normale US-Staatsanleihen.

Das Ende des 30-jährigen Bullenmarkts mit immer weiter steigenden Rentenkursen hatte Gross im April richtig erkannt. Ein Bärenmarkt bei Anleihen könne aber erst beginnen, wenn das Wirtschaftswachstum und die Teuerung anzögen. Für diesen Fall wäre er mit seinen Inflations­anleihen genau richtig positioniert gewesen — sie hätten die Verluste anderer Staatsanleihen abgefedert.

Der heftige Kursrutsch hat ihn auf dem falschen Fuß erwischt. Gross hält die Verluste für übertrieben und sieht die Kurse bis Jahresende wieder steigen. Sein Argument: Die Konjunkturprognose der Fed sei viel zu optimistisch. Behält er recht, könnte die Notenbank die Geldpolitik später drosseln als von vielen erwartet.

Gross gibt sich jedenfalls gelassen und versucht, die Investoren zu beruhigen: „Das Schiff der Anleihemärkte ist nicht im Begriff unterzugehen. Rechnen Sie in Zukunft mit niedrigen, dennoch aber positiven Erträgen.“ Dass auch der König nicht unfehlbar ist, hat sich indes schon 2011 gezeigt. Gross hatte damals zu früh auf die Zinswende gesetzt, seine US-Staatsanleihen verkauft und die folgende Kursrally verpasst.

Michael Hasenstab
Um Rentenindizes kümmert sich Michael Hasenstab nicht. In denen sind vor allem die Anleihen der am höchsten verschuldeten Länder enthalten. Und er investiert lieber in Staaten mit niedriger Verschuldung, solider Geld- und Fiskalpolitik und mit besser werdenden Wirtschaftsdaten. Mit seinen Wetten lag er meist richtig. Allerdings ist die Volatilität des von Hasenstab seit 2002 gelenkten Templeton Global Bond höher als die anderer großer Rentenfonds.

Vom Kursrutsch war auch Hasenstab betroffen, der Fonds büßte binnen drei Monaten 4,5 Prozent ein. Er habe nicht verloren, weil die Zinsen gestiegen sind, sondern weil Schwellenländerwährungen gelitten haben, betont Hasenstab. Die Verluste wegen steigender Zinsen seien von Dauer, weil die Zinsen nicht wieder fallen. Die Verluste mit Währungen seien nur temporär, weil sich die Wechselkurse wieder erholen.

Mit rund 1,5 Jahren hat Hasenstab eine sehr niedrige Duration. Je höher diese durchschnittliche Kapitalbindungsfrist ist, desto anfälliger ist ein Rentenportfolio für Zinsänderungen. Zum Vergleich: Gross hat im Pimco-Fonds eine Duration von 5,1.

Hasenstab setzt auf kurzfristige Staatstitel, aktuell präferiert er Papiere aus Asien und Teilen Lateinamerikas. „Länder, die nicht einen Haufen Geld drucken und eine ex­trem lockere Geldpolitik verfolgen“, wie er sagt. Die größten Positionen hält er in Südkorea, Malaysia und Polen, auch Mexiko ist stark vertreten. Diese Währungen bewertet er ebenso positiv wie den US-Dollar, negativ hingegen Euro und Yen.

Das größte Risiko für seinen Fonds sieht Hasenstab in den kurzfristigen Phasen der Panik und Ansteckung. Die gilt es auszusitzen und auszunutzen: „Es hat sich für uns bewährt, diese Phasen abzuwarten und uns langfristig zu positionieren.“

Richard Woolnough
Der M & G Optimal Income genießt die Wertschätzung der Profis: So häufig wie der von Richard Woolnough seit 2006 gemanagte Fonds ist kein anderer in europäischen Dachfonds vertreten. Das Vertrauen ist gerechtfertigt: In den turbulenten vergangenen drei Monaten ist es Woolnough gelungen, sogar ein kleines Plus von 0,4 Prozent zu erzielen.

Der 22 Milliarden Dollar schwere Fonds ist wesentlich flexibler als die Produkte von Gross und Hasenstab. Der Fondsmanager kann in die ganze Palette investieren, die der Rentenmarkt bietet, zudem kann er bis 20 Prozent Aktien beimischen.

Staatsanleihen hat Woolnough derzeit untergewichtet. Bei den wenigen, die er hat, setzt er auf Papiere mit kurzer Restlaufzeit, um das Zinsänderungsrisiko klein zu halten. Der Schwerpunkt liegt auf Firmenbonds, davon viele im Hochzinsbereich. Zudem hält er derzeit so viele Aktien wie noch nie. Aktien seien lange günstiger gewesen als Hochzinsanleihen. Die jüngste Schwächephase der High-Yield-­Anleihen hat Woolnough aber genutzt und hier aufgestockt. Schwellenländer sieht er dagegen grundsätzlich skeptisch, entsprechend zurückhaltend investiert er dort.

In der offensiven Ausrichtung spiegelt sich seine optimistische Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung wider. Wäre er an Stelle der Fed, hätte er die Geldpolitik schon gedrosselt, sagt er: Die wirtschaftlichen Daten seien stärker, als die US-Notenbank glaube. Damit vertritt Woolnough genau die entgegengesetzte Position zu Bill Gross.

William Eigen
Eine stärkere Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten, eine schwächere in Europa und den Schwellenländern. Das hat William Eigen erwartet und seinen Fonds, den rund acht Milliarden Dollar schweren JP Morgan Income Opportunity, seit Anfang des Jahres entsprechend aufgestellt, um für steigende Zinsen gewappnet zu sein. Aktuell sieht er deshalb auch keinen Grund, seine Positionierung zu ändern — mit den jüngsten Entwicklungen sieht er sich vielmehr in seinen Einschätzungen bestätigt.

Dank Wetten auf sinkende Kurse bei Schwellenländeranleihen und Positionen, die auf einen stärkeren US-Dollar setzen, hat er sich zuletzt gut geschlagen. Auf Sicht von drei Monaten steht lediglich ein kleines Minus von 0,25 Prozent zu Buche. Auf die Wertentwicklung drückten Hochzinsanleihen, deren Kurse verhältnismäßig stark sanken. In Eigens Portfolio dominieren Unternehmensanleihen, darunter viele mit ­einem schlechten Rating aus dem Hochzinssegment. Wie Woolnough hat er Kursrückgänge für gezielte Käufe genutzt. Genug Geld dafür hat er: Mehr als die Hälfte des Fonds­volumens war Ende Mai nicht investiert. Ein Zeichen für das vorsichtige Agieren des Managers, das sich in den vergangenen Jahren ausgezahlt hat: Bei deutlich geringerer Volatilität als Bill Gross hat er vergleichbare Renditen erzielt.

Investor-Info

Pimco Total Return
Der Bond-König

Der von Bill Gross seit 1987 gesteuerte Pimco Total Return ist der größte Rentenfonds der Welt, musste zuletzt aber Federn lassen. US-Staatsanleihen dominieren, daneben liegt ein Schwerpunkt auf hypothekenbesicherten Papieren. Rund 90 Prozent der Papiere sind in US-Dollar emittiert. Es gibt, wie für die folgenden Fonds, eine währungsgesicherte Tranche. Gross schwächelt: Derzeit nur was für Königstreue.

Templeton Global Bond
Der Schwellenländerfan

Michael Hasenstab bewegt sich mit dem 47 Milliarden Dollar schweren Templeton Global Bond abseits der Masse, er setzt auf Schwellenländer. Das macht den Fonds gerade in unruhigen Zeiten anfällig, zahlt sich bisher aber aus. In den letzten fünf Jahren gab es im Schnitt ein Plus von neun Prozent, Gross hat mit seinem Pimco-Fonds rund fünf Prozent erzielt.
Hasenstab wettet: Für Risikofreudige geeignet.

M & G Optimal Income
Der Optimist

Richard Woolnough setzt anders als Gross und Hasenstab auf die gesamte Bond-Palette von Staats- bis Hochzinsanleihen. Bisher mit großem Erfolg. Auf Fünf-Jahres-Sicht erzielte er mit Anleihen und wenig Aktien im Schnitt ein jährliches Plus von 11,5 Prozent bei einer geringeren Volatilität als der Templeton-Fonds. Derzeit ist er sehr offensiv aufgestellt.
Woolnough gewinnt: Gutes Rendite-Risiko-Profil.

JPM Income Opportunity
Der Solide

William Eigen hat sämtliche Freiheiten, um im Rentenmarkt flexibel zu investieren. Dabei agiert er vorsichtig: Die Volatiliät ist geringer als beim Pimco-Fonds, die Rendite der vergangenen fünf Jahre einen Hauch höher. Aktuell setzt er auf Bares und Firmenbonds. Staatsanleihen sind kaum im Portfolio. Eigen gleicht aus: Anteilspreise schwanken kaum.

Bildquellen: Michael Staudinger / pixelio.de

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