aktualisiert: 23.04.2012 14:44
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Richtig traden: Wie Anleger Risiken richtig einschätzen

Mit CFDs können Anleger sehr schnell viel Geld verdienen – und verlieren
Zertifikate & CFD Spezial
Serie Trading Know-how: Mit CFDs können Anleger sehr schnell viel Geld verdienen – und verlieren. Investoren sollten die Fallstricke kennen und Gefahren vorbeugen.
€uro am Sonntag

von Lars Winter, €uro am Sonntag

Nehmen Sie Ihr Geld selbst in die Hand — immer mehr Anleger folgen dem provokativen Werbespot des Onlinebrokers Cortal Consors und steuern ihre Geldgeschäfte in Eigenregie. Sehr beliebt dafür ist inzwischen der Handel mit Contracts for Difference, kurz CFDs genannt.

Diese spekulativen Anlagegeschäfte bieten für Selbstentscheider gerade in volatilen Marktphasen ideale Voraussetzungen: Sie sind einfach zu verstehen, leicht zu handhaben und flexibel einsetzbar — sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten. Basiswerte für CFD-Geschäfte können Aktien, Rohstoffe, Indizes oder auch Währungen sein.

Ein CFD ist allerdings kein Wertpapier im klassischen Sinn, sondern schlicht ein Vertrag zwischen Anleger und Broker, der den Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs zum Inhalt hat. Der wichtigste Grund für den Handel mit diesen Produkten ist der niedrigere Kapitaleinsatz. Beim Kauf oder Verkauf von CFDs muss ein Anleger einen Bruchteil des Kapitals einsetzen, das für den Kauf der Basiswerte nötig wäre. Beispiel: Ein Investor will Allianz-Aktien im Wert von 20.000 Euro handeln und muss für diese bei einem CFD-Geschäft nur eine kleine Sicherheitsleistung (zum Beispiel zehn Prozent, also 2.000 Euro) auf einem sogenannten Margin-Konto hinterlegen. Im konkreten Beispiel operiert er dann mit einem zehnfachen Hebel.

Steigt nun der Wert der Allianz-Papiere an der Börse um zehn Prozent und der Wert der abgebildeten Depotposition auf 22.000 Euro, hat der Käufer seinen Einsatz auf 4.000 Euro verdoppelt. Doch Vorsicht: Der Hebel — und das kann fatale Nebenwirkungen haben, die vor allem CFD-Neulinge unterschätzen — wirkt auch in die entgegengesetzte Richtung.

Fällt die Aktie des Versicherers entgegen der Erwartung um zehn Prozent auf einen Depotwert von 18.000 Euro zurück, wäre die Sicherheitsleistung beziehungsweise der gesamte Grundeinsatz in Höhe von 2.000 Euro futsch. Will der Anleger nun trotz des Totalverlusts weiterhandeln, muss er frisches Geld auf das Margin-Konto überweisen. Und weil an der Börse bei zehn Prozent Verlust nicht Schluss sein muss, kann es passieren, dass mehr verloren geht als ursprünglich eingesetzt wurde. Dann besteht mitunter Nachschusspflicht, der Broker versendet einen sogenannten Margin-Call.

Aus diesem Grund ist ein umfassendes Money-Management im Handel mit CFDs unerlässlich. Auch wenn es banal klingt, die wichtigste Regel lautet: Setzen Sie nur Kapital ein, das nicht für die langfristige Vermögensplanung, eine Anschaffung oder als Notgroschen benötigt wird.

Das Risiko eines Basiswerts lässt sich oft schon an der Höhe der geforderten Sicherheitsleistung ablesen. Je höher das Risiko, desto höher die Margin, die auf dem Konto hinterlegt werden muss. Bei CFDs auf einzelne Aktien werden in der Regel drei bis zehn Prozent verlangt, bei Index-, Anleihe-, Rohstoff- oder Devisenspekulationen dagegen oft nur zwei Prozent. Doch je niedriger die Margin, desto höher der Hebel. Bei einer sehr niedrigen Margin und ­einem damit verbundenen sehr großen Hebel wird das grundsätzliche Risiko des Basiswerts vervielfacht. Fallbeispiel: Bei einem DAX-Stand von 6.700 Punkten kaufen Sie 20 CFDs des Leitindex, um auf steigende Kurse zu setzen. Ein Punkt im DAX entspricht einem Euro in Ihrem Depot, die Margin beträgt zwei Prozent. Bei 20 CFDs müssen Sie zwar lediglich 2.680 Euro hinterlegen, steuern damit aber eine stattliche Depotposition von 134.000 Euro.

Rutscht der DAX nach Ihrem Kauf dann — etwa wegen schlechter Konjunkturdaten — um 150 Punkte oder 2,3 Prozent nach unten, beträgt Ihr Verlust schmerzhafte 3.000 Euro (150 Punkte mal 20 CFDs) und übersteigt damit die hinterlegte Sicherheitsleistung. Sie haben so nicht nur Ihren Einsatz verloren, sondern stehen nun bei Ihrem Broker sogar noch mit 320 Euro in der Kreide.

Um solche fatalen Auswirkungen zu vermeiden, müssen Anleger ihre Depots durch Stoppkurse absichern. Eine Faustregel lautet: Pro Geschäft darf nicht mehr als ein Prozent des eingesetzten Kapitals verloren gehen. In unserem Beispiel wären das vor Kosten lediglich 26,80 Euro (ein Prozent der 2.680 Euro).

Damit dieses „Risikokapital“ nicht überzogen wird, können Anleger zunächst die Anzahl der zu handelnden CFDs festlegen und so den Stoppkurs ermitteln. Oder umgekehrt: Erst den Stoppkurs festlegen und dann die maximale Anzahl zu handelnder CFDs berechnen.

Ohne Stopps sollten Anleger, die mit hohen Hebeln handeln, nie arbeiten, bestätigt Andreas Ruether, Geschäftsführer des CFD-Verbands. Seine eindringliche Warnung: „Bei allen gehebelten Kreditderivaten ist die Zeit Ihr natürlicher Feind. Sitzen Sie nie eine Position aus. Geben Sie sich selbst gegenüber zu, wenn Sie falsch lagen und schließen Sie den Trade.“

Glossar:

CFD
Das Kürzel CFD steht für Contract for Difference, zu deutsch: Differenzkontrakt. Es handelt sich um ein Anlagegeschäft, bei dem nur die Kursdifferenz zwischen An- und Verkauf gehandelt wird. Ein Cent Kursgewinn des Basiswerts bringt einen Cent Kursgewinn des CFD. Basiswerte können Aktien, Währungen, Rohstoffe oder auch Indizes sein.

Finanzierungskosten
Wird eine Long-Position über Nacht gehalten, stellen die Broker hierfür in der Regel Finanzierungskosten in Rechnung, die sich aus einem Geldmarktzins und einem Aufschlag zusammensetzen. Für Short-Positionen gibt es in der Regel eine Gutschrift.

Hebel
Der Hebel bezeichnet die prozentuale Veränderung in Bezug auf die CFD-Investitionssumme, bei einer Änderung des Basiswerts um ein Prozent. Der Hebel eines CFD ist in der Regel frei wählbar und ergibt sich aus der Höhe des eingesetzten Kapitals. Je niedriger der Einsatz, desto größer der Hebel. Berechnung: 100 geteilt durch Margin (in Prozent).

Margin
Eingesetztes oder hinterlegtes Kapital, das dem Broker als Sicherheit dient. Üblicherweise wird zwischen zwei Margin-Arten unterschieden – der Initial-Margin und der Maintenance-Margin. Die Initial-Margin (auch Einschuss-Margin) wird bei Öffnung einer CFD-Position fällig, häufig auch direkt bei Kontoeröffnung. Die Maintenance-Margin dagegen wird durch den sogenannten Margin-Call (siehe unten) eingefordert, wenn die Initial-Margin aufgrund einer ungünstigen Kursentwicklung nicht mehr die Verluste der Position auffangen kann.

Margin-call
Für den CFD-Handel verlangen CFD-Broker die Hinterlegung einer Margin. Läuft die Kursentwicklung in die falsche Richtung, wird die Margin aufgezehrt. CFD-Broker senden bei komplettem Verbrauch der Margin oft einen Margin-Call, also eine Aufforderung zur Aufstockung der Margin (Nachschusspflicht). In der Regel muss der Anleger kurzfristig reagieren, sonst wird die CFD-Position vom Broker aufgelöst.

Strategie
CFD-Wetten können sowohl auf steigende (Long-Position) als auch auf fallende Kurse (Short-Position) eingegangen werden. Als be­sonders erfolgreich ­gelten Strategie­ansätze, bei denen verlustträchtige ­Depotbestände möglichst früh aufgelöst und Gewinnpositionen möglichst lange gehalten werden, zum Beispiel die Ein-Prozent-Regel.

Stop-Loss
Eine Stop-Loss-Order ist ein Stoppkurs mit Limit, durch den eine CFD-Position im Depot vor überhöhten Verlusten abgesichert werden soll. Bei Erreichen der bestimmten Stop-Loss-Marke wird die Position umgehend geschlossen, sprich gekauft (short) oder verkauft (long). Eine Stop-Loss-Order ist ein einfaches Instrument, um beispielsweise einen Margin-Call zu verhindern und Verluste zu begrenzen.

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