Devisentrader sollten Inflation im Auge behalten
Ein solches Szenario finde sich insbesondere in Schwellenländern wie Brasilien und China, aber auch in den entwickelten Wirtschaften lasse sich eine anziehende Inflation konstatieren. Großbritannien meldete diese Woche eine Inflation von 3,7 Prozent, nach 3,3 Prozent im November 2010. Auch in der EU und den USA steigt die Inflation, wenn auch auf geringerem Niveau. „Damit bestätigen sich zunehmend die Befürchtungen, dass die ultra-lockere Geldpolitik der letzten Jahre zu einer anziehenden Inflation führen würde“, so Gellert.
Die Frage, welche Zentralbank zuerst reagiere und die Zinsen anhebe, beschäftige derzeit viele Marktbeobachter. Hoch gehandelte Kandidaten seien dabei laut Gellert Länder mit hoher Inflationserwartung und einer Wirtschaft, die im Zuge der globalen Erholung stark angezogen habe. Auch die de facto Unabhängigkeit der Zentralbank von der Politik spiele eine wichtige Rolle. Dies alles träfe am wenigsten auf die USA zu, die an ihrem Quantitative-Easing-Programm festhalte und zudem Zinsschritte für die nächsten Monate nahezu kategorisch ausschließe. „Dies deutet auf eine anhaltende Dollarschwäche hin, die in den vergangenen Wochen lediglich von der durch die europäische Verschuldungsproblematik ausgelöste Euroschwäche überdeckt wurde“, so Gellerts Einschätzung. Er erwarte, dass das Inflationsthema nun stärker in den Vordergrund rücken werde.
Das Thema erhalte auch durch das chinesisch-US-amerikanische Treffen diese Woche besondere Brisanz. So wies der chinesische Präsident Hu Jintao die Forderung von US-Finanzminister Timothy Geithner zurück, China solle eine stärkere Aufwertung des Renminbi zulassen: „Inflation kann nicht der wesentliche Faktor für die Festlegung des Wechselkurses sein“, zitiert ihn das Wall Street Journal. Seitdem im Juni vergangenen Jahres die feste Bindung an den Dollar aufgegeben wurde, hat der Renminbi um 3,55 Prozent zugelegt.
Gerade China sei aufgrund der hohen Abhängigkeit von Rohstoffimporten von deren steigenden Preisen betroffen und an einem Ende der Politik des billigen Geldes der Fed interessiert, erläutert Gellert. Allerdings habe man in China erstmals seit langer Zeit per saldo amerikanische Staatsanleihen verkauft. Dies macht nur Sinn, wenn man mit einem zukünftig schwachen Greenback rechnet. „Offenbar räumen die chinesischen Offiziellen ihren eigenen Bemühungen, auf den weiteren Kurs der Amerikaner Einfluss zu nehmen, nur geringe Chancen ein.“



