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21.10.2011 09:00

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DEVISEN

Schwacher Euro - starke Kurse?

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Ein schwacher Euro könnte für einige Branchen von Vorteil sein
Die Gemeinschaftswährung fährt Achterbahn. Mittelfristig deutet jedoch alles auf einen starken Dollar hin. Zur Freude der Exportwirtschaft.

von Marc Hofmann, €uro am Sonntag

Als der Euro Anfang Mai bei 1,48 US-Dollar stand, schob der Zoll am Flughafen Frankfurt etliche Sonderschichten. Die Stärke der Gemeinschaftswährung hatte viele USA-Reisende zur Mitnahme eines unverzollten Reiseandenkens verleitet. Besonders beliebt: Tablet-PCs und Smartphones mit dem Apfellogo. Hier ließen sich bis zu 25 Prozent sparen.

Mittlerweile sind die Schmuggelfunde seltener geworden. Bedingt durch Eurokrise und Rezessionsängste hat der US-Dollar in den vergangenen Wochen deutlich an Wert gewonnen. In der Spitze legte der Greenback gegenüber dem Euro um über elf Prozent (0,16 US-Cent) zu.

Pech für Urlauber, Glück für die Exportwirtschaft. Denn sie kann Waren inzwischen billiger anbieten und auf steigende Verkäufe hoffen. Markus Zeiß, Manager des LBBW-Exportstrategie-Deutschland-Fonds (ISIN: DE 000 977 196 4), verweist auf den Triebwerkbauer MTU. Der Konzern generiert 58 Prozent seines Umsatzes in US-Dollar. „Ändert sich der Wechselkurs um nur zehn Cent, kann dies für ein Ebit-Plus (Gewinn vor Steuern und Abschreibungen) von 50 bis 60 Millionen Euro sorgen.“

Ein schwächerer Euro hätte also durchaus Vorteile für die deutsche Wirtschaft. Doch die Schätzungen zur Kursentwicklung liegen weit auseinander.

Die Devisenstrategen der Raiffeisen Bank (RBI) glauben zum Beispiel, dass die Schuldenproblematik der Eurostaaten die Gemeinschaftswährung weiter schwächen wird. Sie sehen den Euro im Frühjahr 2012 bei 1,20 US-Dollar. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) verweist dagegen auf das müde Wachstum und die ebenfalls hohe Verschuldung der USA und schätzt, dass der Euro zu Ostern bei 1,35 US-Dollar stehen wird. Und die Währungsexperten der BayernLB sind sogar noch etwas optimistischer. Sie wähnen die Gemeinschaftswährung im April bei 1,43 US-Dollar.

Nur, wer hat recht? Um das herauszufinden, muss man die drei Faktoren betrachten, die im Wesentlichen die Kurse bewegen. Das sind Zinsparität, konjunkturelle Entwicklung und – als Sonderfaktor – das Krisenmanagement der Politik.

Die Zinsparitätstheorie besagt, dass Anleger immer da investieren, wo sie die höchste Rendite erzielen können. Will sagen, das Geld fließt in das Land mit dem höheren Zinsniveau. „Der Eurokrise zum Trotz dominierte dieser Einflussfaktor die Wechselkursentwicklung in den vergangenen Monaten“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt der HSBC in Deutschland. Von Januar bis Mai wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar auf, da die EZB den Leitzins von 1,0 auf 1,5 Prozent erhöhte. In den USA verblieb der Leitzins hingegen bei 0,25 Prozent.

Als im Juli schließlich klar wurde, dass es keine weiteren Zinserhöhungen geben wird und sogar eine Zinswende anstehen könnte, wurde wieder Geld aus der Eurozone abgezogen. Jörg Krämer, Devisenstratege der Commerzbank, glaubt, dass der neue EZB-Präsident Mario Draghi aufgrund der drohenden Rezession in Europa den Leitzins bis zum Frühjahr 2012 wieder auf 1,0 Prozent senken wird. Die Mehrheit seiner Kollegen sieht das ähnlich. Der Einfluss der Zinsparität auf Euro und Dollar wird somit in den kommenden Monaten schwinden.

Die konjunkturelle Entwicklung in Europa und den USA sollte daher mittelfristig wieder an Bedeutung gewinnen. „Hier schätzt der Markt, dass Amerika das Konjunkturtief schneller als Europa überwinden wird“, sagt LBBW-Experte Zeiß. Die jüngsten Zahlen aus den USA stützen diese Vermutung: Im September stieg die Zahl der Beschäftigten um 103.000 und damit fast doppelt so stark wie erwartet.

Michael Feroli, Chefvolkswirt von JP Morgan, vermutet, dass die „Sorge hinsichtlich eines erneuten Abrutschens der US-Wirtschaft in die Rezession in den kommenden Monaten weiter nachlassen wird“. Goldman Sachs erhöhte unterdessen die Prognose für das US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal von 2,0 auf 2,5 Prozent.

Anders sieht es dagegen für die Konjunktur in Europa aus. Großbanken wie die UBS nehmen zwar an, dass bei einem Staatsbankrott Griechenlands eine Ansteckung der anderen Euromitglieder verhindert werden kann. Doch wäre dies nur mit hohem Kapitaleinsatz möglich. In einer aktuellen Studie schreibt die Schweizer Bank daher: „Unseres Erachtens würde die Wirtschaft in der Eurozone im nächsten Jahr nahezu zum Stillstand kommen. Neben Griechenland, Portugal, Spanien würde möglicherweise auch Italien in die Rezession abrutschen.“

Europas Zugpferd Deutschland wird hingegen eine Rezession vermeiden können. Aber nur knapp. Das am Donnerstag veröffentlichte Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute prognostiziert für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent. Im laufenden Jahr wuchs die Wirtschaft noch um 2,9 Prozent.


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Aus fundamentaler Sicht deutet mittelfristig somit alles auf eine Aufwertung des US-Dollar hin. Auch deshalb, weil viele Schwellenländer mittlerweile auf die Abkühlung der Konjunktur reagiert haben und ihre Zinsen senken. Anleger ziehen daher Geld aus den Emerging Markets ab und parken es in der noch immer liquidesten Währung der Welt: im US-Dollar.

Als letzter Einflussfaktor auf die Wechselkurse bleibt somit noch das Krisenmanagement der Politik. Die seit Dienstag vergangener Woche eingeleitete Aufwertung des Euro (von 1,32 auf 1,38 US-Dollar) schreibt Christian Apelt, Devisenstratege der Helaba, exakt diesem Punkt zu.

Die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, man werde die Banken vor der Schuldenkrise schützen, hat das Vertrauen in den Euro gestärkt. Der DAX quittierte das entschlossene Auftreten mit einem Kurssprung und legte bis Donnerstag um 13 Prozent zu. Kurzfristig haben somit Politik und Eurokrise den größten Einfluss auf die Wechselkurse. Eine endgültige Lösung des Griechenland-Problems erwarten viele Experten erst für das erste Quartal 2012. Bis dahin werden die hohen Schwankungen an den Devisenmärkten vermutlich anhalten.

Danach sollten jedoch die Fundamentaldaten wieder in den Fokus der Anleger rücken. Bildet man den Durchschnitt aus den Schätzungen von acht Finanzhäusern, so könnte der Eurokurs dann wieder in ein Band zwischen 1,30 und 1,35 US-Dollar einschwenken.

Gewinner dieses Kursniveaus könnte die deutsche Exportwirtschaft sein. Ihre Waren würden sich nicht nur in den USA, sondern auch in China verbilligen. Denn der Yuan ist an den US-Dollar gekoppelt. Fondsmanager Zeiß nennt als potenzielle Profiteure besonders die IT-, Pharma- und Industriegüterbranche. Risikobereite Anleger können das derzeit günstige Kursniveau bereits zum Einstieg nutzen. Rückschläge sollten sie allerdings einkalkulieren.

Investor-Info

Euro/US-Dollar
Politik bestimmt die Kurse

Bis die Eurokrise überstanden ist, dürften die Schwankungen am Devisenmarkt anhalten. Danach sollten die Konjunkturdaten wieder in den Vordergrund rücken und den Euro unter die Marke von 1,35 Dollar drücken.(ho)

Gesundheitssektor-ETF
Stoxx Europe Health Care

Via ETF können Anleger besonders kostengünstig von Absatzsteigerungen der Exportbranche profitieren. Der Comstage Stoxx Europe Health Care bildet zum Beispiel die Aktienentwicklung von 34 Pharma- und Medizintechnikunternehmen aus der Eurozone ab. Die Titel von FMC, Fresenius, Novartis und Glaxo sind zusammen mit 41 Prozent gewichtet. Glaxo erzielt 50 Prozent des Umsatzes in den USA, bei Novartis sind es 36 Prozent.(ho)

Industriegüter-ETF
Industrial Goods & Services

Neben Autobauern wie Daimler oder VW, die ein traditionell starkes US-Geschäft betreiben, sind im Aktienkorb des Lyxor-ETF Industrial Goods & Services auch MTU und SAP vertreten. Siemens (27 Prozent US-Umsatz) oder Bayer (28 Prozent) gehören ebenfalls zu den insgesamt 37 Titeln des ETF. Da der Industriegütersektor zuletzt die höchsten Kursverluste hinnehmen musste, erscheint hier das Einstiegsniveau besonders attraktiv.(ho)

Deutsche Einzelwerte
Profiteure eines starken Dollars

Nicht nur das US-Geschäft ist bei den untenstehenden Unternehmen bedeutend, auch die Asien-Umsätze sind es. Da hier ebenfalls der Dollar häufig als Zahlungsmittel genutzt wird, profitieren die Firmen doppelt. (ho)

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